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Nach Medienbericht über Situation in Altötting

LGL nimmt Stellung: Wirkt die Covid-Impfung wegen PFOA-Belastung schlechter?

Ein Wasserglas unter einem Wasserhahn: Viele Menschen im Kreis Altötting tragen durch jahrelange Trinkwasserverunreinigung die Chemikalie PFOA in ihrem Blut. (Symbolbild)
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Wegen Corona war die PFOA-Problematik vom Gesundheitsamt hinten angestellt worden. (Symbolbild)

Die PFOA-Belastung von Boden und Grundwasser durch die chemische Industrie im Raum Burghausen ist ein Dauerthema. Die genaue Schwere der Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit ist unklar bzw. umstritten. Nun machen sich einige Bürgerinnen und Bürgen Sorgen, ob durch PFOA die Wirkung der Covid-Impfstoffe abgeschwächt werden könnte. innsalzach24.de hat nachgefragt.

Burghausen - Eine diffuse Angst geht um: Wirkt die Covid-Impfung bei Anwohnern im Landkreis Altötting wegen der Boden- und Wasserbelastung durch die Chemikalie PFOA schlechter oder gar nicht? Vor allem Menschen, bei denen PFOA im großen Blutbild nachweisbar ist, machen sich Sorgen. Laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) „kam diese Frage zuletzt häufiger“.

Lokale Bekanntheit hat der Fall von Carmen Seehuber aus dem Landkreis Altötting erlangt, über den im Oktober 2021 bei BR24 berichtet wurde. Ihr Fall ist stellvertretend für die Interessen der heimischen Bürgerinitiative BINT, die sich für eine lückenlose Aufklärung zum Thema PFOA einsetzt. Ein Vorstandsmitglied von BINT (Bürgerinitiative Netzwerk Trinkwasser in Gründung) ist Frank Bremauer: „Der Medienbericht war ein Zeichen gegen die Untätigkeit der Behörden. Nach dem Beitrag rief gleich das Gesundheitsamt an.“ Bei allem Wirbel um die Corona-Zahlen soll PFOA nicht vergessen werden.

News zur aktuellen Corona-Lage im Landkreis Altötting

Anzeichen für eine „dämpfende“ Impfwirkung

Laut dem Bericht von BR24 ließ sich Carmen Seehuber die Covid-Antikörper im Blutbild bestimmen. Das Ergebnis: Sie ist geschützt, allerdings weist sie einen unterdurchschnittlichen Antikörper-Wert auf. Das würde auf eine negative Auswirkung von PFOA auf die Impfung hindeuten.

Perfluorierte Chemikalien (PFC) wurden in der chemischen Industrie bis 2003 als Gleitmittel für Metalle und Beschichtungsmittel eingesetzt. Einer dieser besonderen Stoffe ist ein „Perfluoriertes Tensid“ mit dem Namen PFOA. Restbestände wurden im Chemiedreieck noch bis 2008 verarbeitet. In der Region Burghausen-Trostberg-Burgkirchen und Waldkraiburg kann PFOA in dieser Region flächendeckend in Boden und Grundwasser nachgewiesen werden.

Ob und inwieweit die Substanz - auch über Nahrungsmittel aus der Region - negativ auf den menschlichen Organismus wirkt, ist auch unter Fachleuten umstritten.

Mehr zum Thema: PFOA-Allgemeinverfügung des Landratsamts Altötting

Seit Oktober 2020 zum Beispiel versorgt eine neue Aktivkohlefilteranlage die Gemeinde Burgkirchen an der Alz mit PFOA-freiem Trinkwasser. Bei Teilen der Bevölkerung des Landkreises Altötting zu erhöhten PFOA-Werten im Blut. Der relevante Aufnahmepfad für PFOA - das belastete Trinkwasser - konnte durch den Einbau von eben diesen Aktivkohlefiltern erfolgreich geschlossen worden.

Noch fehlt der wissenschaftliche Beleg

„Bislang gibt es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass die COVID-19-Schutzimpfung aufgrund einer PFOA-Belastung weniger wirksam wäre. Studien, die sich spezifisch mit der Frage befassen, wie die Immunreaktion nach einer Impfung mit Vakzinen gegen COVID-19 durch PFOA beeinflusst wird, liegen bislang nicht vor“, so Aleksander Szumilas, Pressesprecher am LGL.

Die in Erlangen ansässige Behörde gibt zu bedenken, dass „die Aussagekraft solcher Studienergebnisse stark eingeschränkt würde, da derzeit für Geimpfte keine serologischen Korrelate (Menge von Antikörpern, die sich nach einer Impfung aufbaut und die auf Immunität hindeutet) definiert sind.“

Erneutes Blutmonitoring kommt 2022

Einen Schwellenwert könne man nicht angeben werden, ab dem ein sicherer Schutz angenommen werden kann. Trotzdem werde „die Fragestellung in der Wissenschaft vielfach diskutiert, beispielsweise werden in den USA einige Studien dazu auf den Weg gebracht“, so Szumilas. Damit sind Studien mit den Bezeichnungen „PFAS exposure and response to COVID-19 vaccine“ gemeint. Ergebnisse liegen jedoch bislang nicht vor.

Mit dem Ziel, Erkenntnisse zu einem möglichen Einfluss einer PFOA-Belastung auf das Immunsystem zu gewinnen, wird die im Landkreis Altötting geplante Humanbiomonitoring-Untersuchung ausgeweitet. Das bedeutet, „dass den Probanden dabei auch Antikörperbestimmungen angeboten werden“, so der LGL-Sprecher.

Weitere Informationen zum Thema auf der Homepage des LGL:

Humanbiomonitoring in Altötting

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

BINT wird jedenfalls an der Sache dran bleiben: „Ein Blutwert, der unsere Vergiftung einschätzbar macht, ist der HBM-II-Wert. Er wurde von der EFSA (europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) auf 10,0 µg PFOA/l Blutplasma festgelegt. Damit wird gesagt, dass darüber liegende Werte gesundheitlich bedenklich sind“, sagt Bremauer. 2022 ist ein zweites Blutmonitoring geplant. Die Ergebnisse davon erwartet man bei der BINT schon jetzt sehnsüchtig. Etwa 50.000 Personen seien im Landkreis mittlerweile betroffen. Bremauer: „Wir fordern, dass alle diese Personen die Möglichkeit bekommen, ihre PFOA-Werte und die Corona-Antikörper bestimmen zu lassen.“

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