Anwohner und Bürgermeister aus Österreich ziehen erstes Fazit

Alte Brücke in Burghausen seit einem Monat Einbahnstraße: „Es nervt einfach“

Rolando Vetri ist von der neuen Einbahnstraßenregelung auf der Alten Brücke in Burghausen nicht begeistert.
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Rolando Vetri ist von der neuen Einbahnstraßenregelung auf der Alten Brücke in Burghausen nicht begeistert.

Zum Jahresbeginn begann in Burghausen die sechsmonatige Testphase auf der Alten Brücke. Seit dem 1. Januar dürfen Autos nur noch aus Österreich kommend diese Grenze passieren. Die Stadt Burghausen begründet dies mit einer Entlastung des Verkehrs für den Stadtplatz. Besonders erfreut ist man im Nachbarland über diese neue Regelung nicht.  

Burghausen/Hochburg-Ach - Rolando Vetri arbeitet in Deutschland, wohnt aber im österreichischen Überackern nahe der Grenze. Er fährt mindestens zwei Mal täglich über die Grenze und ist damit ganz stark von der Einbahnstraßenregelung auf der Alten Brücke zwischen Burghausen und Hochburg-Ach betroffen, die seit dem 1. Januar testweise in Kraft getreten ist.


Alte Brücke in Burghausen seit 1. Januar eine Einbahnstraße - Pendler: „Völlig sinnlos“

„Es nervt einfach“, schildert Vetri gegenüber innsalzach24.de. Seit der Einführung sei es ihm zu ruhig um diese neue Regelung geworden. Fünf bis zehn Minuten länger benötigt er nun auf seinem Heimweg. Hinzu kommen 2,9 Kilometer. Doch dabei hat er nicht nur sich selbst im Blick. „Rechnet man alle Autos hoch, kommen wir locker auf 10.000 Kilometer am Tag, die die Autos mehr fahren müssen“, rechnet Vetri vor.


Umweltbelastung, Benzinverbrauch und mehr Zeit seien alles Punkte, die betrachtet werden müssten. „Ich frage mich für welchen Zweck es diese Regelung gibt?“, so der Wahl-Österreicher. Seiner Meinung nach würde es nämlich keinen großen Effekt haben. Denn es seien nicht die Pendler das Problem, die sofort den Ludwigsberg hochfahren, sondern die Schulen. „Ich finde, dass dort vorher sehr diszipliniert gefahren wurde“, so seine persönliche Einschätzung. Doch nicht nur über den Test an sich, sondern auch über den Zeitraum muss er sich ärgern: „Die Geschäfte haben zu und die Schüler haben Distanzunterricht. Die Erkenntnisse in dieser Zeit sind daher sehr fragwürdig und machen für mich überhaupt keinen Sinn.“

Verkehr wird nur verlagert

Auch wenn die Schulen wieder offen sind, hält Vetri nichts von dieser Regelung. „Der Verkehr in den Grüben wird sicher nicht weniger. Wenn Eltern ihre Kinder absetzen, dann fahren sie bestimmt über die Salzlände zur neuen Brücke und nicht über den Umgehungsberg. Vielleicht werden die Schüler irgendwann in der Mitte der Alten Brücke abgesetzt. “, so Vetri.

Die schlechte Verkehrssituation werde ja nicht besser, wenn eine Straße gesperrt wird. Für ihn sei es eine Verlagerung auf Kosten der Österreichischer. Größtes Problem dürfte die Uferstraße sein, wo es auch manchmal eng wird. „Auch in der Acher Gasse wird es bald einen schweren Unfall geben. Viele Fahrer fahren ohne zu bremsen in die enge Straße“, prophezeit Vetri. Die Einbahnstraßenregelung beginnt ja erst auf der deutschen Seite.

Die Zufahrt zur alten Brücke weist auf eine Sackgasse hin. Die Einbahnstraßenregelung beginnt erst auf der Brücke.

Österreich prüft Zulässigkeit dieser Regelung

Für die Tanktouristen sei der Umweg alle paar Wochen auch nicht so schlimm, aber eben für die Grenzpendler. Daher wundere er sich, dass keine Gegenwehr kommt. „Niemand mit dem ich geredet habe, hält diese Regelung für eine gute Idee“, so Vetri. Interessant sei zudem, dass eine Stadt eine solche Regelung für eine Landesgrenze einführen darf. Immerhin werde es derzeit geprüft, ob es rechtlich zulässig ist.

Dies bestätigt auch Martin Zimmer, Bürgermeister von Hochburg-Ach, gegenüber innsalzach24.de: „Es gibt ja ein bilaterales Abkommen. Das wird derzeit von österreichischer Seite geprüft“. Für ihn selbst sei es momentan noch schwierig zu beurteilen. „Aktuell herrscht auch kein Regelverkehr. Aber natürlich sind auch schon Beschwerden bei der Gemeinde eingetroffen“, so der Bürgermeister.

„Wir müssen jetzt sowieso den Testbetrieb abwarten. Die ersten Monaten seien aber natürlich wenig aussagekräftig“, so Zimmer. Die Gemeinde bleibe aber diesbezüglich im Gespräch mit Burghausen. Spätestens zum Ende des Testbetriebes werde es ein Gespräch beider Bürgermeister geben.

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Zimmer: „Sind natürlich nicht begeistert“

Fest steht: „Wir sind natürlich nicht begeistert von dieser Regelung. Unsere Gemeindestraßen werden dadurch noch mehr belastet“, erklärt der Bürgermeister. Täglich würden rund 3.500 Fahrzeuge den Umweg fahren müssen. „Ich sehe das auch kritisch. Da werden zudem deutlich mehr Emissionen verursacht“, so Zimmer.

Im Endeffekt wäre das Oberhaupt der Nachbargemeinde mit jede andere Lösung einverstanden, nur eben nicht eine Regelung wie sie seit dem 1. Januar gültig ist. „Vielleicht schafft man es auch, dass man in der Rush-Hour eine Ampellösung installiert. Es wäre ja möglich, die Einbahnstraßenregelung nur zu den Stoßzeiten anzuwenden. Ich bin für alle Varianten offen“, so Zimmer abschließend.

jz

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