"Zeit des Friedens und des Teilens"

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Gemeinsam fasten, gemeinsam beten, gemeinsam feiern: Im Ramadan steht für Serap Kangal aus Burghausen nicht das Hungern, sondern der Glaube und die Gemeinschaft im Vordergrund.
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Burghausen - Für Muslime beginnt am Dienstag der Ramadan. In der islamischen Fastenzeit geht es um weit mehr als den Verzicht auf Nahrung.

Am Dienstag, 9. Juli, beginnt der Ramadan, der Fastenmonat der Muslime. 30 Tage lang dürfen die Gläubigen nur noch vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang essen und trinken. Lediglich Alte, Kranke und Kinder bis zum 15. Lebensjahr sind von dieser Pflicht ausgenommen. Wie Serap Kangal aus Burghausen erklärt, ist der der Ramadan aber weit mehr als der Verzicht auf Nahrung zu bestimmten Zeiten.

"Es geht nicht ums Hungern", so die 47-jährige Muslimin. Vielmehr sei der "Ramazan", wie sie den Fastenmonat als Tochter türkischer Eltern nennt, eine "Zeit der Besinnung, des Friedens und des Teilens". Man richte seine Gedanken an Menschen, denen es nicht so gut geht.

"Man geht mit seinem Ego ins Gericht"

Dadurch, dass man morgens und abends essen darf, sei der Ramadan körperlich gut durchzustehen. Im Vordergrund steht aber ohnehin nicht das Hungern, sondern das Essen und vor allen das Nicht-Essen zu festgelegten Zeiten - ganz egal, ob man gerade Appetit hat oder nicht. "Es geht um Besinnung und darum, dass man mit seinem Ego ins Gericht geht", erklärt Kangal.

Für die Gläubigen ist das Fasten eine ernsthafte Verpflichtung. Jeden Tag müssen die Muslime noch vor Sonnenaufgang ein Fastengelübde abgeben, an das sie sich unbedingt zu halten haben. "Wenn sie sich vor Gott verbindlich zeigen, sind sie entsprechend gebunden", erklärt Kangal. Isst oder trinkt der Gläubige tagsüber dennoch etwas, muss er sich auf einen langen Ramadan einstellen. "Man muss 60 Tage mehr fasten, wenn man das Fasten willkürlich bricht", so die Burghauserin.

Im Mittelpunkt des Ramadan steht eben nicht das Ich, sondern Gott - und das Wir. "Jeden Tag gibt es im Ramazan irgendwo ein kleines Fest. Man lädt sich gegenseitig ein vor Sonnenaufgang", schwärmt die 47-Jährige. Auch das Gebet, wichtiger Bestandteil des Fastenmonats, begehen viele Muslime am liebsten im Kollektiv. "Im Ramazan werden viele Gebetsgruppen gebildet", erklärt Kangal.

Kangal arbeitet am Dialog der Religionen

Die Hintergründe erklären, mit Klischees aufräumen - darum geht es Kangal. Auch deshalb engagiert sich die 47-Jährige im Integrationsbeirat der Stadt Burghausen und im türkischen-islamischen Verein in Burgkirchen. Ein großes Anliegen Kangals ist der interreligiöse Dialog. Ein wichtiger Eckpfeiler dabei ist die interreligiöse Feier, die heuer am 29. September stattfinden wird. "Das ist immer sehr lehrreich, immer sehr bereichernd", so Kangal.

Der Muslimin ist wichtig, dass sich die Christen und Moslems aus der Region austauschen, besser kennenlernen und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Islam und Christentum verstehen - wobei für Kangal die Gemeinsamkeiten klar überwiegen. "Bei den interreligiösen Feiern stelle ich immer mehr Gemeinsamkeiten fest."

Im Ramadan jeden Tag in die Moschee

Insgesamt fühlt sich die Burghauserin als gläubige Muslimin in der Region gut aufgehoben. Immerhin zwei Moscheen gibt es schon im Landkreis Altötting, eine davon in Burgkirchen. Gerade jetzt im Ramadan fände es Kangal aber praktisch, wenn es in jedem Ort zumindest einen Gebetsraum gäbe. Viele Muslime gehen während des Fastenmonats jeden Abend zum Beten in die Moschee. Zwar könnte man auch zuhause beten, in der Gemeinschaft sei es aber einfach schöner, erklärt Kangal. "Gemeinsam ist doch alles schöner."

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