Burghausen - "Hier werden Sie geholfen"

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Burghausen - Ungrammatikalisch, Badezimmerwerbung, die Burg fehlt - Steindl, Resch und Matern verteidigten bei der Infoveranstaltung das umstrittene neue Stadtlogo.

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Bürgermeister Hans Steindl stellte sich bei der Infoveranstaltung im Bürgerhaus schützend vor seine Mitarbeiter. "Ich darf nicht zulassen, dass hier jemand angegriffen oder gebrandmarkt wird. Alle haben gute Arbeit geleistet." Im etwa halb gefüllten Saal nahm Steindl Stellung zu den Vorwürfen, die in den letzten Wochen seit Bekanntwerden des neuen Logos auf die Stadt einprasselten. "Mauschelei brauche ich mir nicht vorwerfen zu lassen. Nennen Sie mir eine Stadt, eine Firma, die nicht ihr Logo von einer professionellen Agentur machen lässt", so der Bürgermeister. "Das Creativbüro Matern hat sich in einem fairen Wettbewerb hervorgetan, der Stadtrat und ein Ausschuss haben demokratisch abgestimmt. Ich bin alle mir möglichen Wege gegangen!"

Hans Steindl vor dem alten Stadtlogo

Mitnichten sei die Logo-Entwicklung zu teuer gewesen. "6000 Euro hat's gekostet, mehr nicht. Und wir haben auch nicht 5 Monate dafür gebraucht, sondern drei Workshops." Darüber hinaus finanziere sich die neue Imagebroschüre selbst. "40.000 haben wir, die wir für jeweils einen Euro an Hotels vergeben. Nur die 8000 Haushalte haben es umsonst bekommen, die haben es mit den Steuern ja bezahlt," erklärt der Bürgermeister. Und alles, was ab jetzt noch an Marketing passiere - also beispielsweise Plakate und das Logo in der Stadt zu verteilen, werde nochmal 60.000 Euro kosten. "Mehr nicht! Ich muss mir da nicht vorwerfen, dass ich nicht wirtschaftlich gearbeitet habe. Ich passe immer sehr auf, für was wir Geld aufgeben," verteidigt sich Steindl.

Unverständlich sei für den ehemaligen Lehrer auch, warum sich so viele über die Aussage "welt längste Burg" aufregten. "Das ist natürlich grammatikalisch nicht ganz richtig, das wissen wir schon selbst. Aber darum geht es doch nicht." Laut Steindl solle die Aussage sich zum einen auf die Burg beziehen, die ja ohne Frage das Wahrzeichen der Stadt sei. Das Wort "Welt" symbolisiere die Tatsache, dass die Wirtschaft aus Burghausen in der ganzen Welt sei. Ein Anwesender stärkte Steindl hier den Rücken und verwies auf Verona Pooth, die mit dem ungrammatikalischen Satz "Hier werden Sie geholfen" große Erfolge erzielt habe. "Vielleicht bleibt unser Satz dann auch so gut im Gedächtnis," hofft der Bürgermeister.

Günter Matern

Zuvor hatte Günter Matern vom österreichischen Creativbüro noch vorgestellt, durch welche Überlegungen das neue Logo entstanden ist. Gerne hätte man die Burgsilhouette im Logo verwendet. "Aber das, was die Burg ausmacht, ist ihre Länge. Wenn wir sie in ihrer ganzen Länge verwenden, eignet sie sich nicht mehr für ein Logo, das auch auf kleinen Flächen funktionieren muss," so Matern. Deshalb sei die Entscheidung auf das B-Logo gefallen. Die viel diskutierte Füllung des B solle zum einen an einen Salzkristall erinnern - die Stadt Burghausen war in der Vergangenheit als Salzstadt bedeutend - zum anderen die Dächerfront der Altstadt widerspiegeln. "Wir haben versucht, historisch und modern zu verschmelzen," erklärte der Agenturchef.

Sigrid Resch

Auch Tourismus-GmbH-Geschäftsführerin Sigrid Resch ergriff das Wort und erläuterte das neue Marketing-Konzept. "Bei einem Stadtmarketing muss alles bedacht werden. Politik, Wirtschaft, Kultur - wie wollen wir nach außen wirken? Wir haben viel zu bieten, kostenfreie Parkplätze, fast Vollbeschäftigung, eine Infrastruktur, die mit einer Großstadt vergleichbar ist. Das wollten wir zeigen."

Alles in allem ist bei der Infoveranstaltung ein großer Aufruhr, wie von einigen befürchtet, ausgeblieben. Es wurden sogar einige versöhnliche Töne laut. "Eine solche Entscheidung muss eine professionelle Agentur treffen, Bürger würden sich nie einig werden," so ein Anwesender. "Aber wir können stolz sein, dass die Burghauser Bürger sich so aktiv einmischen und derart an der Diskussion beteiligen. Das spricht doch nur für uns."

ds

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