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Altöttinger Kreisrat im Interview - Teil 2

„Der Lärm an der Bahnstrecke ist auch ein Preis für unseren Wohlstand“, so FDP-Politiker Kammergruber

Konrad Kammergruber (FDP) spricht über das Bahn-Projekt ABS38. Warum es für das Chemiedreieck so wichtig ist
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Konrad Kammergruber (FDP) spricht über das Bahn-Projekt ABS38. Warum es für das Chemiedreieck so wichtig ist. Hier stehen Güterzüge vor einer Raffinerie.

Die Fertigstellung der Ausbaustrecke (ABS38) der Deutschen Bahn zwischen München, Mühldorf und Freilassing ist ein langfristiges und langwieriges Projekt. Für die Bevölkerung ist ein geplanter zweigleisiger Gütertransport mit Elektrifizierung weniger greifbar als eine Autobahn A94, die durchgehend von Mühldorf bis München befahrbar ist. Doch beim Kreistag am 28. März 2022 kam es zu emotionalen Debatten, weil der Zeitplan bis 2030 nicht eingehalten werden kann. innsalzach24.de hat mit FDP-Kreisrat Konrad Kammergruber darüber gesprochen.

Altötting - Bei der Kreistags-Sitzung in der Herzog-Ludwig-Realschule in Altötting fiel Konrad Kammergruber mit einer Wortmeldung auf. Dabei kritisierte er die Verkehrspolitik der CSU im Rahmen der Großen Koalition unter Angela Merkel. Gerade im Hinblick auf das Bahn-Ausbauprojekt ABS38 sei „viel verschlafen worden“. Im Interview mit innsalzach24.de erklärt er u.a., wie er zur Resolution der beiden heimischen CSU-Politiker Dr. Tobias Windhorst und MdB Stephan Mayer steht.

Herr Kammergruber, warum haben Sie beim Kreistag für die Resolution der CSU gestimmt?
Kammergruber: Die Resolution ist ein Aufruf an die zuständigen Behörden und die Bahn, alles zu tun, dass es keine weiteren Verzögerungen beim Ausbau gibt. Da kann man nicht dagegen sein. Weil wir seitens des Landkreises Altötting Geschlossenheit zeigen müssen, gegenüber Bund und Land sowie der Bahn, habe ich zugestimmt.
Welche politischen Fehler hat die CSU bei ABS 38 gemacht? 
Kammergruber: Statt dem starken Fokus auf den Endtermin hätte man stärker auf das frühzeitige Erreichen von wichtigen Zwischenschritten setzen müssen, die Fertigstellung von wichtigen Streckenabschnitten auf der Strecke Mühldorf – Markt Schwaben. Das bringt auch schon einiges an Entspannung
Wer war dabei in der Verantwortung?
Kammergruber: Die politische Verantwortung für die Kontrolle und Aufsicht über die Bahn liegt beim Bund, beim Verkehrsministerium. Die CSU hat jahrelang - von 2009 bis 2021 - in der Bundesregierung den Verkehrsminister gestellt. In dieser Position hat sie es versäumt, die Bahn, inklusive all ihrer Behörden wie das Eisenbahnbundesamt zu einer schlagkräftigen Firma weiterzuentwickeln.
Sie kritisieren immer wieder punktuell die CSU-Politik. Warum?
Kammergruber: Macht braucht Kontrolle. Die CSU stellt seit Jahrzehnten die Mehrheit in der Landesregierung. Insofern war rein politisch und von den Machtverhältnissen alles dafür präpariert, die Entwicklung der Bahn auch in unseren Landkreisen voranzutreiben. Deswegen hat es zu Verwunderung geführt, dass ausgerechnet von der CSU diese Resolution kam. Das sehen auch andere Kreisräte ähnlich.
Wurden die Interessen der regionalen Bevölkerung von der Politik berücksichtigt?
Kammergruber: Das verspätete Eingehen auf örtliche Interessen ist ursächlich dafür, dass das Projekt erheblich teurer wird und eine längere Umsetzungszeit erfordert (z.B. Bahnübergang Weidenbach). Ähnliches war schon beim Autobahnbau zu beobachten, da der Bau des Tunnels bei Ampfing die Fertigstellung erheblich verzögerte und verteuerte. 
Wie wichtig ist ABS 38 für die chemische Industrie in den Kreisen Altötting und Traunstein? 
Kammergruber: Es ist ein extrem wichtiges Projekt für unsere Industrieregion: Die heutige überwiegende Eingleisigkeit der Strecke stellt ein Risiko dar. Bei dem hohen Verkehr, der hier nach und von München läuft (ca. 1 Prozent des bundesweiten Güterverkehrs), wären längere Unterbrechungen der Strecke aufgrund von Störungen, Unfällen oder sonstigen Ereignissen schwerwiegend.
Werden die Gütertransporte auf der Schiene weiter zunehmen?
Kammergruber: Die Mengen werden angesichts hoher Investitionen bei OMV und Wacker weiter ansteigen und dafür ist noch mehr Bahnverkehr nötig. Das Projekt ABS38 bringt ein doppeltes Gleis und mit der Elektrifizierung können auch mehr Züge auf einem Gleis fahren. Wenn das nun nicht so schnell kommt, besteht die Gefahr, dass die Züge noch stärker als heute in die Nacht verlagert werden müssen, um die steigenden Mengen bewältigen zu können.
Wie bewerten Sie aus Sicht des Kreistags die Beschwerden über den zunehmenden Eisenbahn-Lärm?
Diese sind legitim und nachvollziehbar, weil ja auch die Zahl der Züge steigt. Manche der Anwohner haben allerdings schon vorher gewusst, dass sie sich in der Nähe der Bahn niederlassen und sollten daher dieses Risiko eingepreist haben.
Kann man eine Rechnung Güterverkehr im Verhältnis zum Lkw-Transportverkehr aufstellen?
Wenn die Bahn nicht für Güterverkehr genutzt wird, dann wäre die Belastung auf den Straßen höher, das betrifft auch Anwohner. Ein gewisser Lärm ist daher auch Preis für den hohen Wohlstand, den wir haben.
Wie könnte man dem Zuglärm begegnen?
Man muss und kann mehr als heute dagegen machen: z.B. Flüsterbremsen, weniger Hupen, Tempo verringern beim Einfahren in die Stadt Burghausen.
Ist die Verlagerung der Industrie-Transporte „von der Straße auf die Schiene“ alternativlos?
Es gäbe Möglichkeiten, die aber nicht sinnvoll sind: Viele Rohstoffe und auch einige Fertigprodukte werden in großen Kesselwägen via Bahn transportiert. Diese Kesselwägen fassen teilweise das Dreifache, was ein Lkw transportieren könnte. Ein Containerzug aus Burghausen heraus in Richtung der Seehäfen zu Kunden in Asien oder USA fasst 40 bis 60 Container; müsste man diesen auf Straßenverkehr umstellen, wären das statt eines Zugs 40-60 Lkws. Der Straßenverkehr würde unverhältnismäßig ansteigen, wir wollen diesen aber reduzieren.
Wie wünschen Sie sich den Gütertransport der Zukunft?
Die Bahnanbindung nach München und Freilassing muss besser werden, elektrifiziert und doppelgleisig (ab Mühldorf). Ich wünsche mir, dass Bevölkerung, Behörden und Firmen im guten Miteinander weiter ständig an Verbesserungen arbeiten.

innsalzach24.de bedankt sich bei Konrad Kammergruber für das Gespräch. Lesen Sie mehr zum Thema Chemiedreieck in Teil eins unseres Interviews mit dem Altöttinger Kreisrat und FDP-Politiker.

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