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Altöttinger Gesundheitsamtsleiter Dr. Franz Schuhbeck im Exklusivinterview

Wie gefährlich ist die Delta-Variante? Kommt eine vierte Welle?

Dr. Franz Schuhbeck, Leiter Gesundheitsamt Altötting, fürchtet sich persönlich nicht vor einer möglichen vierten Welle.
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Dr. Franz Schuhbeck, Leiter Gesundheitsamt Altötting, fürchtet sich persönlich nicht vor einer möglichen vierten Welle.

Landkreis Altötting – Die Anzahl der Corona-Neuinfektionen sinken weiter. Doch wie gefährlich ist die Delta-Variante? Und droht eine vierte Welle? Dr. Franz Schuhbeck, Leiter Gesundheitsamt Altötting, hat innsalzach24.de im Interview seine Einschätzung mitgeteilt.

Die Corona-Neuinfektionen sind rückläufig. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein?

Die 7-Tage-Inzidenz betrug am 1. Juli für den Landkreis Altötting 2,7 auf 100.000 Einwohner. Das Virus ist somit nach wie vor in der Bevölkerung vorhanden. Angesichts der aktuell niedrigen Infektionszahlen, die sicher auch auf saisonale Effekte zurückzuführen sind, ist es aber gerechtfertigt, dass die Regelungen gelockert werden und wir alle wieder ein bisschen in den Genuss von etwas Normalität kommen.

Sorgen bereitet die Delta-Variante, die inzwischen auch im Landkreis angekommen ist. Was macht sie so gefährlich?

Die Delta-Variante breitet sich aktuell auch in Deutschland schneller aus als erwartet. Nach allem was wir bislang wissen, haben Patienten, die mit der Delta-Variante infiziert sind, eine höhere Viruslast als bei den vorhergehenden Varianten. Entsprechend müssen wir – vereinfacht gesagt – davon ausgehen, dass die mit der Delta-Variante Infizierten ansteckender sind als Personen, die mit den bisher aufgetretenen Virusvarianten infiziert waren. Das dürfte dazu führen, dass sich die Delta-Variante insbesondere unter den Ungeimpften rasch ausbreiten könnte.

Es gibt auch Hinweise, dass bei der Delta-Variante insgesamt etwas schwerere Verläufe auftreten, die in der Folge zu vermehrten Krankenhausaufnahmen führen könnten. Die oben angesprochene, höhere Viruslast bei den mit der Delta-Variante Infizierten könnte hierbei eine Rolle spielen.

Das normale Leben nimmt dennoch wieder Fahrt auf. Wiegt sich die Bevölkerung zu früh in Sicherheit?

Niemand würde verstehen, wenn wir bei niedrigen, einstelligen 7-Tages-Inzidenzen mit den gleichen, strikten Einschränkungen leben müssten wie bei 7-Tages-Inzidenzen über 200. Es ist einfach schön, an einem warmen Sommerabend gemeinsam mit Freunden im Garten zu grillen oder wieder in der Gruppe Sport zu treiben.

Trotzdem sollte man sich bewusst sein, dass das Virus nach wie vor präsent ist und, dass es zu Ansteckungen kommen kann – vor allem, wenn man noch nicht geimpft ist. Deshalb halte ich Abstand, Handhygiene und Maske, wo der Abstand nicht eingehalten werden kann oder wo viele Menschen zusammenkommen, weiterhin für unverzichtbar. Das Gute ist, die meisten Menschen sehen das genauso. Das macht zuversichtlich.

Wie gut schützen Impfungen gegen neue Mutationen? Wie wichtig ist es diesbezüglich, dass ein Großteil der Bevölkerung möglichst bald geimpft wird?

Nach den mir bekannten Zahlen ist der Schutz aller in Deutschland zugelassenen Impfstoffe vor einem schweren Krankheitsverlauf durch die Delta-Variante vergleichbar gut wie bei den anderen Varianten. Deshalb sollten wirklich alle das Impfangebot annehmen und sich vollständig immunisieren lassen. Damit schützt man sich selbst, trägt aber auch zum Schutz derer bei, die nicht geimpft werden können oder für die die derzeitigen Impfstoffe noch nicht zugelassen sind.

Insbesondere Eltern von Schulkindern sollten sich darum bemühen, bis zum Anfang des neuen Schuljahres einen vollständigen Impfschutz zu erhalten. Auf diese Art könnte die „Drehscheibe“ zwischen Schule und Elternhaus verhindert werden. Sinnvoll wäre auch, dass Schülerinnen und Schüler, die älter als 17 Jahre sind bzw. Studentinnen und Studenten das Impfangebot annehmen, damit im Herbst und Winter möglichst wenig Einschränkungen im Bildungsbereich hingenommen werden müssen.

Fürchten Sie persönlich eine vierte Welle?

Es gibt guten Grund zur Annahme, dass im Herbst – vielleicht sogar schon im Sommer – die Inzidenzzahlen wieder ansteigen werden. Wie stark dieser Anstieg ausfallen wird, wird auch davon abhängen, wie viele von uns sich in den nächsten Wochen noch vollständig Immunisieren lassen.

Ich wäre sehr froh, wenn es uns auch gelänge, eine „vierte Welle“ zu verhindern, aber ich habe keine Angst!

Wie bereitet sich das Gesundheitsamt auf einen möglichen raschen Wiederanstieg vor? Oder ist das Sache von Bund und Länder?

Das Gesundheitsamt Altötting war schon vor der aktuellen Pandemie technisch sehr gut ausgestattet. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Altötting sind gut ausgebildet und verfügen über viel Erfahrung. Wir waren während der ganzen Pandemie immer in der Lage, Kontaktpersonen von Infizierten zeitnah zu ermitteln und wenn erforderlich abzusondern. Das wird uns auch weiterhin gelingen.

Vielen dank für das Gespräch.

jz

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