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„Wir müssen den weiblichen Zyklus enttabuisieren“

Petra aus Unterneukirchen will Miss Germany werden: Doch das ist nicht ihre einzige Mission

Petra Kirner aus Unterneukirchen tritt mit einer Vision bei Miss Germany an.
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Petra Kirner aus Unterneukirchen tritt mit einer Vision bei Miss Germany an.
  • Julia Volkenand
    VonJulia Volkenand
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Sport- und Gesundheitstrainerin Petra Kirner aus Unterneukirchen hat große Pläne. Sie möchte eine Akademie für zyklusbasiertes Training eröffnen. Mit diesem Projekt hat sie sich auch bei „Miss Germany“ angemeldet - und kam in die zweite Runde. Mit innsalzach24.de sprach sie über ihre Ambitionen und warum wir unsere Hormone nicht vernachlässigen sollten.

München/ Unterneukirchen - Petra Kirner ist eine echte Powerfrau. Nicht nur rief sie das Projekt „zyklusbasierter Lifestyle, Training und Ernährung“ ins Leben, jetzt greift sie zudem nach der Krone der Miss Germany. Die 29-jährige diplomierte Sport und Gesundheitstrainerin will aber nicht einfach den Titel erkämpfen, sie hat eine Mission. Ihr beruflicher Schwerpunkt liegt nämlich bei einem in der Fitnesswelt oft unterschätzten und vernachlässigten Thema: dem weiblichen Zyklus. Im Gespräch mit innsalzach24.de erzählt Kirner davon, wie man diesen beim Training zu seinem Vorteil nutzen und Probleme umschiffen kann.

Mit dem von ihr gegründeten Unternehmen FEMNETIC, möchte sie „die Frauen dazu zu ermutigen, sich und ihren Zyklus noch besser kennenzulernen.“ So können negative Auswirkungen durch Hormonschwankungen vermieden werden, so Kirner. Zudem sei es höchste Zeit, dass Themen wie die Periode und die damit verbundenen Begleiterscheinungen enttabuisiert werden.

Diese seien schließlich ganz normal und natürlich. Ihre Vision sei es, eine Akademie zu gründen, in der ausgebildete Trainer und Trainerinnen Frauen einen neuen Blick auf den eigenen Zyklus beibringen können, erzählt Kirner. Das Ziel solle sein, Frauen endlich ganzheitlich mit all ihren Hormonen zu betrachten. „Es ist an der Zeit, die Fitnessbranche zu revolutionieren“, betont sie.

„Im deutschsprachigen Raum gibt es bislang keine richtige Abdeckung dieses Themas“, sagt die 29-Jährige im Gespräch. In den USA hat das zyklusbasierte Training aber schon längst Einzug gehalten, das habe Kirner inspiriert.

„Ich war erschrocken, wie wenig ich über den Zyklus weiß“

Petra Kirner spezialisiert sich auf zyklusbasiertes Training.

Auch sie selbst habe ursprünglich den gewaltigen Einfluss des Zyklus auf die körperliche Fitness nicht erkannt. In den Beruf der Sport- und Ernährungsberaterin sei sie eher zufällig geraten. Denn ursprünglich lernte Kirner Köchin, arbeitete auf einem Kreuzfahrtschiff. Dort habe sie von der Küche aus die Wassergymnastik-Trainer auf dem Deck beobachtet und sei sofort Feuer und Flamme gewesen.

Noch vom Schiff aus habe sie sich an einem Studieninstitut für Sportwissenschaften beworben und nicht mehr zurückgeschaut. „Ich war bis dahin immer ein Sportmuffel und übergewichtig“, erinnert sich Kirner. Mit einem Kollegen zusammen habe sie innerhalb von zwei Jahren 30 Kilo verloren, sei schließlich sogar zum Bodybuilding gegangen. Dort stand sie in der Bikiniklasse mehrfach auf der Bühne, bis die Coronakrise ihrer Bühnenkarriere vorerst ein Ende bereitete. Während des harten Trainings sei ihr oft aufgefallen, dass sie an manchen Tagen viel leistungsfähiger sei als an anderen, obwohl sie am Training gar nichts geändert habe. So sei sie 2017 schließlich zum zyklusbasierten Training gekommen.

„Ich habe mir ganz viele Bücher über den Zyklus gekauft und mit Schrecken festgestellt, wie wenig ich darüber weiß“, gibt sie zu. Nach und nach baute sie ihre Expertise zu dem Thema auf, 2020 machte sie sich schließlich damit selbstständig.

Vielen Frauen ist die Periode unangenehm

In Neuötting haben sie und ihre Geschäftspartnerin eine vierwöchige Versuchsreihe mit verschiedenen Frauen gestartet und dabei das Training strikt auf den Zyklus angepasst, um die Auswirkungen auf das allgemeine Wohlbefinden zu beobachten. Vielen Frauen sei es im ersten Moment unangenehm, über das Thema zu sprechen. Selbst in reinen Frauengruppen scheuen viele das offene Gespräch. Erst in Einzelsitzungen öffnen sie sich. Gerade deshalb sei es so wichtig, den Zyklus zu enttabuisieren. Schließlich betreffe das Thema jeden menstruierenden Menschen und könne auch ordentlich die Lebensqualität beeinflussen, betont Kirner.

PMS (Prämenstruelles Syndrom) beispielsweise habe Hunderte Symptome wie Migräne und Krämpfe, die Frauen das Leben schwer machen. „Leider werden viele Frauen in diesen Beschwerden nicht ernst genommen. Selbst beim Arztbesuch hören sie oft „das ist normal““, bedauert die Fitnessexpertin.

Grundsätzlich ließen sich sehr viele periodenbedingte Beschwerden über die Ernährung und Bewegung steuern, erklärt Kirner. Auch das Fitnesstraining lasse sich durch die Einbeziehung der hormonellen Schwankungen sehr gut optimieren. „Es gibt vier Zyklusphasen, die man berücksichtigen sollte“, erklärt sie. Die Periode sei der ideale Zeitpunkt für moderates leichtes Training. Die Follikelphase sei die Zeit für Höchstleistung und maximalen Muskelaufbau. Während des Eisprungs können die Energielevel Tag für Tag sinken und während der Lutealphase sollte man sein Training tagesformabhängig gestalten und dem Körper das geben, was er braucht.

„Ich betrachte das als eine Art Superpower. Denn wenn man richtig damit umgeht, kann man den Zyklus richtig nutzen“, so Kirner. Natürlich kann man während des gesamten Zyklus trainieren. Manche Frauen spüren beispielsweise gar keine Unterschiede, andere haben richtige Leistungseinbrüche. Viele Frauen möchten kurz vor ihrer Periode auch gar nichts von Sport wissen, dabei sei gerade dann leichtes, moderates Training ideal, um beispielsweise Krämpfe zu verringern.

Es sei wichtig, den Körper wahrzunehmen und auf seine Bedürfnisse zu achten und ihn kennenzulernen. „Wenn ich weiß, dass ich Heißhungerattacken bekomme vor der Periode, kann ich da ganz anders gegensteuern“, erläutert sie. Denn gerade Zucker, Kuhmilch, Koffein und Co. können unangenehme Symptome verstärken.

Um möglichst viele Frauen mit ihrer Message zu erreichen, möchte Kirner mit ihrer Partnerin noch dieses Jahr eine Akademie gründen, in der Trainerinnen und Trainer ihren Kundinnen den bewussten Umgang mit dem eigenen Zyklus beibringen können.

Mit zyklusbasiertem Training zur „Miss Germany“

Mit diesem Projekt habe sie sich auch bei der Miss Germany 2022 beworben und es in die Top 160 geschafft. 1200 Bewerberinnen seien angetreten, nun sind nur noch 160 übrig. In vier Gruppen à 40 Frauen durften die Teilnehmerinnen schon einen Tag in Hamburg bei den „Life Experience Days“ verbringen und ein Fotoshooting absolvieren. Auch Interviews über die Streamingplattform Twitch waren Teil des Programms. Jetzt geht es in die zweite Runde. Fans können derzeit für die ersten 40 Kandidatinnen abstimmen, in der dritten Oktoberwoche ist Petras Gruppe dran. Jeden Tag können ihre Unterstützer eine Stimme für sie abgeben. Vom 18. bis 24. Oktober und vom 1. November bis 5. November könnt Ihr auf der Website von „Miss Germany“ für sie stimmen.

Anschließend gibt es noch mal ein Voting unter allen 160 Kandidatinnen, zusätzlich dazu wählt die Jury dann noch 40 Teilnehmerinnen aus, die weiter kommen. Insgesamt 80 Teilnehmerinnen kommen weiter.

„Jede der Bewerberinnen hat ein tolles Projekt oder eine bewegende Geschichte, die inspiriert“, schwärmt Petra im Gespräch. „Das sind alles tolle Persönlichkeiten.“ Petra Kirner hofft, dass sie durch ihre Teilnahme möglichst viele Frauen dazu inspirieren kann, sich ausgiebiger mit ihrem eigenen Körper zu befassen.

jv

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