Dorfladen aus der Region erklärt den Preis

Klopapier für 9,99 Euro sorgt für Shitstorm – Inhaber: “Wollten nur helfen“

Der Dorfladen in Unterneukirchen (links) war auf Facebook in die Kritik geraten, da sie Klopapier für 9,99 Euro anbieten. Zum Leidwesen der Inhaber, fragte niemand nach, wie es zu diesem Preis kommt.
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Der Dorfladen in Unterneukirchen (links) war auf Facebook in die Kritik geraten, da sie Klopapier für 9,99 Euro anbieten. Zum Leidwesen der Inhaber, fragte niemand nach, wie es zu diesem Preis kommt.

Unterneukirchen – In einem Dorfladen in Unterneukirchen wird Klopapier für 9,99 Euro pro Packung angeboten. Ein Foto davon ging viral und sorgte für einen Shitstorm. Wir haben mit den Besitzern gesprochen.

„Als am Dienstag das Toilettenpapier schnell zur Neige ging und im Minutentakt die Kunden im Laden dringendst nach Toilettenpapier verlangten, habe ich als gute Geste versucht irgendwo noch welches zu organisieren“, berichtet Maria Sedlmaier, Inhaberin des Dorfladens Edeka Maria Sedlmaier-Gsuk in Unterneukirchen, gegenüber innsalzach24.de. Nach stundenlangem Telefonieren habe sie von einem Lieferanten die Zusage bekommen, noch ein paar Pakete abholen zu können. Daraufhin sei sie persönlich mit ihrem Auto circa 100 Kilometer hin und zurück gefahren. 


Der hohe Preis setzte sich aus mehreren Faktoren zusammen: „Der Einkaufspreis lag bei 4,85 Euro pro Packung, plus meiner Arbeitszeit, plus Auto-Ansatz. Die normale Gewinnspanne rechnete ich auch dazu, denn ganz umsonst kann es kein Händler machen“, erklärt Sedlmaier. Zudem habe das Produkt 100 Blatt Papier pro Rolle mehr als das übliche Sortiment gehabt.

„Natürlich schlägt sich dieser Unkostenbeitrag, Arbeit und Auto, entsprechend hoch auf eine geringe Menge an WC-Papier nieder. So kam ein Verkaufspreis von 9,99 Euro heraus“, so die Inhaberin. Es sei niemand gezwungen, das Papier zu kaufen. Es sollte wirklich für jene da sein, die wirklich nichts mehr zu Hause hatten.


Shitstorm: "Wucher"

Doch aus dem Hilfsgedanken wurde ganz schnell ein Shitstorm. Es kursierten viele Fotos auf Facebook, die das Klopapier mit der entsprechenden Preisauszeichnung zeigten. Darunter häuften sich Beschimpfungen und Hass-Kommentare: Von „Wucher“, „Sauerei“ bis „Da kaufe ich nicht mehr ein“ war die Rede und viele weitere mehr. Der Beitrag auf Spotted: Altötting und Umgebung wurde inzwischen entfernt. 

„Als erstes möchte ich klarstellen, dass Edeka nichts mit diesen Vorfällen zu tun hat. Wir sind ein Dorfladen, werden und können von verschiedenen Lieferanten beliefert werden“, so Sedlmaier. Die Edekazentrale hätte im Moment wichtigeres zu tun, als sich die Beschwerden der gereizten Kunden anzuhören.

Sedlmaier: "Verletzend und geschäftsschädigend"

Meine Absicht war nicht, eine Notsituation auszunutzen, sondern Hilfe anzubieten. Es wäre schön, wenn sich Kunden, die sich über etwas ärgern, dieses direkt persönlich mit uns besprechen würden, denn was jetzt im Internet kursiert, ist verletzend und geschäftsschädigend“, so die Inhaberin. Es müsse schon einmal gesagt werden, was sie als kleiner Laden in einem kleinen Ort leisten.

„Wir können nicht mit den großen unserer Branche mithalten, und die Kommentare, wir würden unseren Hals nicht voll kriegen, lassen uns schon überlegen, warum wir uns jeden Tag abplagen. Hauptsächlich sehen wir es als soziale Aufgabe, für Unterneukirchen die Nahversorgung zu erhalten. Solche offenen Beleidigungen und Anfeindungen lassen uns schon zweifeln, ob wir diese Aufgabe in Zukunft wahrnehmen können und wollen“, so Sedlmaier abschließend.

jz

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