Nadelöhr zwischen Mühldorf und Tüßling geschlossen

Der Markt wurde zerschnitten: Tüßling soll 188.000 Euro zahlen

+
Nadelöhr geschlossen aber der Ärger bleibt: 188.000 Euro soll Tüßling mehr zahlen wegen angeblicher fehlerhafter Kalkulation der Bahn
  • schließen

Tüßling – Das bahnerische Nadelöhr zwischen Mühldorf und der Marktgemeinde wurde Ende Mai geschlossen. Pünktlichere Züge für Reisende und nicht zuletzt eine bessere Anbindung für die Chemiebetriebe in der Region an die Bahn soll der zweigleisige Ausbau bringen. Für Tüßling selbst brachte er in den vergangen Monaten aber nur Ärger.

Der zweigleisige Ausbau der Strecke zwischen Mühldorf und Tüßling brachte es mit sich: An gleich mehreren Bahnübergängen in der Marktgemeinde gab es Arbeit. Der wohl wichtigste ist der in der in der Kellerstraße: Er wurde für Autos dicht gemacht. Warum genau, wisse er nicht, so Ernst Gallhauser, Tüßlings Geschäftsleiter auf Nachfrage von innsalzach24.de am Mittwochnachmittag.

Tüßling wurde „zerschnitten“

Der Markt habe einen Vorschlag für eine Unterführung auch für Autos gemacht. Kostenpunkt: Rund drei Millionen Euro. Dieser Vorschlag wurde abgelehnt. Stattdessen kam es zu der jetzigen Unterführung für Radfahrer und Fußgänger an dieser Stelle mit direktem Zugang zum Bahnsteig. Die Folge: Tüßling wurde „zerschnitten“ und die Kosten belaufen sich – wie man heute weiß – auch auf rund drei Millionen Euro. Ein Schelm, wer Böses dahinter vermutet.

Aus dem Archiv: Tüßling ist zerschnitten. Die Kellerstraße gibt es so nicht mehr.

Mehrkosten von insgesamt rund 188.000 Euro

Veranschlagt für die jetzige Situation in der Kellerstraße waren laut Gallhauser nur rund 2,2 Millionen. Mit drei Millionen wäre die von der Kommune vorgeschlagene Lösung auch machbar gewesen. Das bedeutet für die Marktgemeinde Mehrkosten von rund 168.000 Euro allein für diesen Bahnübergang. Die Marktgemeinde ist und bleibt dabei zerschnitten. Autofahrer, Schulbusse, etc. müssen einen Umweg nehmen, wollen sie vom einen Ortsteil über die Gleise in den anderen oder weiter.

Insgesamt kommen laut Geschäftsleiter Ernst Gallhauser auf den Markt Tüßling Mehrkosten von rund 188.000 Euro zu, rechnet man die weiteren betroffenen Bahnübergänge mit ein. Eine Fußgängerampel hier, neue Schranken da – das läppert sich. Was im Markt auf Ärger stößt ist, dass man seitens der Bahn offenbar falsch gerechnet hat und Tüßling jetzt offenbar auf den Mehrkosten sitzen bleibt.

Entgangene Förderung

So ein Projekt wie der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke von Mühldorf nach Tüßling läuft den Angaben nach eigentlich nach Regeln ab. Die besagen eine Kostendrittelung.

  • Ein Drittel der Bund, 
  • ein Drittel die Bahn und 
  • ein Drittel die Kommune.

Für das letzte Drittel kann die Kommune eine Förderung beantragen. Es gibt im Falle der Zusage einen Festbetrag, der sich an der Kalkulation orientiert. Stimmt die vorher, unter anderem auch von der Regierung von Oberbayern geprüfte, Kalkulation am Ende nicht, heißt es für die Kommune „Pech gehabt“. Das ist insofern schmerzhaft und ärgerlich weil dieses Verfahren nichts mit einem gewöhnlichen Kostenvoranschlag eines Handwerkers in der eigenen Wohnung zu tun hat. Solche Kostenpläne werden vorher mehrfach geprüft.

Aus dem Archiv: Die Kellerstraße in Tüßling ist zu und der Markt damit zerschnitten in dies- und jenseits der Bahn.

Sei es wie es sei: Im Moment sitzt der Markt Tüßling auf Mehrkosten in Höhe von rund 188.000 zusätzlich zum Eigenanteil. Das wolle man sich nicht gefallen lassen und erwäge derzeit auch eine Klage gegen die Bahn auf entgangene Förderung wegen fehlerhafter Kalkulation. Bereits jetzt laufe eine Anfrage bei der Regierung von Oberbayern, welche die Kalkulation der Bahn geprüft hatte auf mögliche Unregelmäßigkeiten.

Zurück zur Übersicht: Tüßling

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Live: Top-Artikel unserer Leser