Unterwegs in Sachen Artenschutz

Hornissennest vor Kinderzimmer: Feuerwehr Tüßling holt sich Rat bei einem Fachmann 

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Ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Tüßling in einem Imkeranzug vor Ort doch dieser Einsatz war einer für einen Wespenberater des Landkreises.
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Tüßling - Hornissen sehen bedrohlich aus. Wirklich gefährlich sind sie aber nicht. Wer dennoch Sorge hat, der wendet sich am besten an einen Wespenberater im Landkreis.

Ein Hornissennest in einem Rollladenkasten beschäftigte die Freiwillige Feuerwehr Tüßling am Dienstagvormittag. Nicht genug, dass man Hornissen an sich eher nicht gern als Untermieter hat, geht es hier um das Rollo im/vor einem Kinderzimmer. Ein besorgter Vater hatte sich bei der Einsatzzentrale gemeldet und von den ungebetenen Bewohnern berichtet. Die Tüßlinger Wehrler rückten aus. Einfach mal eben ein Hornissennest weg machen, geht aber nicht.

Aufklärung ist wichtig

Vespa crabro“, wie die Hornisse aus der Familie der „Sozialen Faltenwespen“ auf Lateinisch heißt, steht in Deutschland unter besonderem Artenschutz. Die Tüßlinger Feuerwehrler haben deswegen nach einer ersten eigenen Inspektion vor Ort einen Wespenberater angefordert. Das Wespenberater-Netzwerk im Landkreis Altötting ist als Einrichtung der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Altötting zugeordnet. Die Damen und Herren – hier war es Claus Wittmann – arbeiten ehrenamtlich, wissen, was zu tun ist und vor allem: Sie klären auf.

„Ein einziger Pferdebiss reicht aus, um eine Hornisse zu töten.“

Es ist der großartige Loriot, dem dieses Zitat zugeschrieben wird: „Ein einziger Pferdebiss reicht aus, um eine Hornisse zu töten.“ Hornissen mögen bedrohlich aussehen aber die Mär, dass drei Stiche einen Menschen und fünf (teilweise ist auch von sieben Stichen die Rede) ein Pferd töten könnten, ist Humbug.

  • Hornissen haben zwar einen größeren Stachel und mehr „Gift“, aber dieses ist harmloser als das von Bienen und überhaupt: 
  • Welches Pferd ist so doof und lässt sich fünf oder gar sieben Mal von einer Hornisse stechen und 
  • würde eine Hornisse das tun, um den Gaul endlich umfallen zu sehen? 

Wohl eher nicht.

Ein sehr vereinfachter Jahreszyklus:

Ende April/Anfang Mai – der genaue Zeitpunkt ist von Faktoren wie etwa der Witterung abhängig – erwachen die Jungköniginnen vom vorherigen Jahr und machen sich auf die Suche nach einem geeigneten Neststandort. Sie haben als einzige überlebt.

Es dauert ein paar Wochen im neuen Nest und die ersten Arbeiterinnen im Hornissenvolk schlüpfen. Sie werden nach kurzer Zeit im Einsatz sein, um Nahrung ranzuschaffen und um zu helfen, das neue Hornissenvolk weiter auf- und auszubauen.

Ein Vorteil für jeden, der ein Hornissenvolk in seiner Umgebung hat: Die Arbeiterinnen eines durchschnittlichen Volkes "fressen" mehr als ein Pfund von für uns Menschen meist lästigen Insekten wie beispielsweise Mücken. Der Grund: Der Nachwuchs braucht ständig hochmolekulares Eiweiß. Das holen sich die Hornissen aus dem Muskelfleisch von Mücke und Co. und geben es an die Brut weiter.

Ende August/Mitte September – der genaue Zeitpunkt ist von Faktoren wie etwa der Witterung abhängig – fliegen die neuen Jungköniginnen mit den Drohnen aus, um sich zu paaren. Danach suchen sich die Junköniginnen ein geeignetes Winterquartier. Das kann ein Rollladenkasten sein, ist es aber normalerweise nicht.

Das Hornissenvolk verliert mit dem Tod der „Queen Mum“ die Führung und „verlottert“, wie der Fachmann sagt: 

  • Es gibt immer weniger Futter. 
  • Das Flugbenzin (Nektar) ist auch alle. 
  • Die Hornissen verhungern.

So ging es in Tüßling weiter:

Das Nest im Rolladenkasten ist geblieben. Die Freiwilligen Feuerwehrler rückten wieder ab weil Hornissen nicht gefährlich sind und (siehe oben) weil das Volk im Herbst Stück um Stück sowieso stirbt. Eine Umsiedelung ist prinzipiell durchaus möglich, wird aber zu dieser Jahreszeit für gewöhnlich nicht mehr gemacht.

Wer einer Einnistung von Hornissen oder anderen Hautflüglern in nächster Nähe, wie etwa in einem Rollladenkasten vorbeugen will, der kann das mit Nelkenöl tun. Die Tiere mögen den Geruch nämlich nicht. Dazu gibt es im Wesentlichen drei Dinge zu sagen:

  • Der Trick mit dem Nelkenöl funktioniert nur bevor sich die Jungkönigin darin befindet.
  • Es gilt, das Nelkenöl sowohl auf der einen, als auch auf der anderen Seite zu platzieren.
  • Nelkenöl ist ein starkes Lösungsmittel. Besser einen Fachmann vorher fragen, ob die Oberfläche für einen Einsatz geeignet ist.

Zusammenfassung:

Hornissen sind imposante Tiere, die unter besonderem Artenschutz stehen. Ein Nest auszuräuchern, mit Bauschaum zu verkleben, abzufackeln oder Ähnliches ist strafbar.

  • Hornissen sind friedlich. Anders als Bienen haben sie keinen Honig zu bewachen und sind damit bei weitem nicht so leicht reizbar oder werden aggresiv.
  • Gegen Ende des Sommers ist die „Untermiete“, sollten Hornissen ein Nest in Hohlräumen wie etwa einem Rollladenkasten gebaut haben, vorbei.
  • Wer sich dennoch nicht sicher ist oder Angst hat: Die Wespenberater klären auf und greifen im Fall des Falles fachmännisch ein.
  • Eine Warnung sei aber angebracht: Menschen, die zu entsprechenden allergischen Reaktionen neigen, sollten vorsichtig sein.

rw

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