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Interview zum Auftritt am 24. Juli

Im Lockdown neun Stunden lang Mathematik unterrichtet - Helge Schneider erholt sich in Tüßling

Helge Schneider.
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Helge Schneider.

Tüßling – Helge Schneider tritt am Samstag, 24. Juli, im Schlosspark Tüßling auf. Ab 20 Uhr steht er auf der Bühne und spielt nicht nur Lieder aus seinem neuen Album. Im Interview erzählt er nicht nur über seine Musik, sondern auch, wie er während des Corona-Lockdowns neun Stunden lange Mathematik unterrichtete.

Das Doppelalbum „The Last Jazz II: Die Reaktion“ ist Ihre zweite Lockdown-Produktion. Wollen Sie mit der Platte zeigen, wer Sie wirklich sind?

Helge Schneider: Ich habe immer schon solche Musik gemacht. Ich will eigentlich gar nichts damit zeigen, sondern einfach nur machen. Ich habe im Lauf der Zeit einiges aufgenommen, und das hörte sich auch ganz gut an.

Sohn Charly als Band-Schlagzeuger

Wie kam es, dass Ihr Sohn Charly Ihr Schlagzeuger wurde?

Schneider: Erst wollte ich ihn nur eine viertel Stunde trommeln lassen, aber als Pete York einmal nicht konnte, fragte ich Charly, ob er sich auch ein ganzes Konzert zutrauen würde. „Ja sicher!“ Er spielt langsamen Blues wie ein Opa. Henrik, der Gitarrist und ich waren echt von den Socken.

Hat Charly mit seinen elf Jahren bereits ein Gefühl für Jazzmusik entwickelt?

Schneider: Er bezeichnet sich selbst als Jazzschlagzeuger. Er übt nicht, wir spielen einfach. Lediglich ein paar Tricks hat er sich von mir abgeguckt. Ich zeige ihm immer Aufnahmen von Leuten wie Gene Krupa, Buddy Rich, Elvin Jones oder Papa Jo Jones. Wenn man talentierten Kindern so etwas zeigt, verstehen sie das.

Haben Sie Ihre Kinder während des Lockdowns unterrichtet?

Schneider: Ich habe es versucht. Es ist nicht so einfach. Ich habe mit Charly neun Stunden an seinen Mathematikaufgaben gesessen. Ich finde, ein Elfjähriger muss nicht neun Stunden am Tag Mathe pauken. Wenn er den Stoff nicht versteht, muss man so lange warten, bis er soweit ist. Jemand, der gut rechnen kann, ist nicht zwangsläufig intelligent – und umgekehrt. Denn die Logik in der Mathematik ist manchmal sehr verschlüsselt. Wer sagt denn, dass zwei plus zwei gleich vier sind?

Keine Angst vor schlechten Schul-Noten

Wären Sie enttäuscht, wenn Ihre Kinder mit schlechten Noten nach Hause kämen?

Schneider: Das ist mir egal. Dem Charly sind Noten auch gleichgültig. Sein Musiklehrer sagte zu ihm, er würde vielleicht eine schlechte Note bekommen, wenn er nicht regelmäßig zum Unterricht erscheint. Da erwiderte Charly: Na und! Da kann man nichts mehr machen.

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Hat Corona für Sie einen spirituellen Mehrwert?

Schneider: Kurz nach meiner Geburt hätte ich nicht gedacht, dass die Welt so klein ist. Irgendwann sind die Computer gekommen und mit ihnen die Informationen. In den letzten fünf Jahren ist das extrem geworden. Durch Corona lebt man im Internet. Plötzlich hat man ein abstruses Verhältnis zur Welt, die in diesen Bildschirm hineinpasst. In den 1970er Jahren konnte man mit dem Motorrad nach Nepal fahren, das funktioniert aber nicht mehr. Obwohl die Welt so klein ist, kommt man nirgendwo hin. Das Theater geht jetzt viral. In Wirklichkeit ist das Schmuh. Denn Theater muss man riechen, hören und anfassen. Genauso ist das mit der Musik. Bleibende Eindrücke wie Sammy Davis jr gesehen zu haben, sind wie eine Fotografie. Die machen das Leben aus und nicht Spotify. Das Internet ist nicht nett.

Nur vor Strandkörben gespielt

Vermissen Sie das Live-Spielen sehr?

Schneider: Nein. Im Sommer werden wir wohl vor Strandkörben spielen. Aber bloß nicht vor Autos! In Dinslaken sind wir mal vor 1000 Maskierten aufgetreten. Meine Prognose ist: Dieses Jahr läuft nichts in normaler Form. Die Bundesregierung gibt sich wirklich Mühe, aber aus Solidaritätsgründen sollten bestimmte Maßnahmen überall gleich sein. Bei meiner letzten Tour durch die Bundesrepublik war es aber jedes Mal anders.

Sollten private Veranstalter in Zukunft die Möglichkeit haben, nur geimpfte Besucher für Konzerte zuzulassen?

Schneider: Das fände ich komisch. Manche können ja gar nicht geimpft werden. Und wenn ich nicht geimpft bin, darf ich vielleicht nicht auftreten. Ich weiß es auch nicht genau. Wie die Wissenschaftler, die wissen ja auch nicht alles.

Karten gibt es unter 01806/570055 oder online auf www.back2-live.de.

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