"Ich schmeck noch immer das Alzwasser"

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Tüßling/Garching - Für Sonja ist der 1. Mai sowas wie ihr zweiter Geburtstag: Um ein Haar wäre die 13-Jährige am Dienstag in der Alz ertrunken. Wie sie den Schock jetzt verkraftet:

"Ich habe jetzt schreckliche Angst vor Wasser - sogar duschen ist einfach nur der Horror." Als wir Sonja treffen, merkt man ihr eigentlich gar nicht an, dass sie erst vor wenigen Tagen fast in der Alz ertrunken wäre. Die 13-Jährige wirkt stark und gefasst und scheint das Erlebte bereits gut verarbeitet zu haben. Was aber erstmal bleibt, ist die Angst vor Wasser - selbst ein leises Plätschern kann sie erschrecken, wie sie uns erzählt.

Sonja geht mit uns in Gedanken noch einmal zum 1. Mai 2012 zurück und lässt für uns den Vorfall Revue passieren: "Ich war mit meinem Freund zusammen an der Alz unterwegs. Als er auf der anderen Uferseite seine Freunde bemerkte, wollte er unbedingt da rüber - und zwar unbedingt mittendurch," erzählt die 13-Jährige. Sie wollte ihn noch umstimmen, wollte den Fluss lieber über die Brücke überqueren, aber ihr Freund Andi (Name von der Redaktion geändern) wollte partout durch den Fluss waten. "Also bin ich halt hinterher. Aber weil ich barfuß war, merkte ich schnell, wie stark die Strömung war."

Die Alz: Hier wäre Sonja fast ertunken

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Sonjas Lebensretter: Der 48-jährige Motorradfahrer aus Pleystein zog Sonja aus der Alz.

Sonjas Gefühl hatte die Realschülerin nicht getäuscht, denn nach nur wenigen Schritten rutschte Andi aus und stürzte in die Fluten - direkt an der Walze des künstlichen Wasserfalls, wo ein wahnsinniger Sog herrscht. "Ich war im ersten Moment wie perplex," erinnert sich Sonja. "Ich wusste nicht, was ich machen soll." Da bemerkte sie einen Angler am Ufer und rief zu ihm rüber, was sie denn jetzt machen solle. Der riet ihr, ihrem Freund hinterher zu springen, da er durch den Sog in großer Gefahr sei. Für Sonja ist diese Reaktion im Nachhinein völlig unverständlich - der Mann hätte ja auch selbst helfen können!Aber in diesem Moment reagierte Sonja einfach, warf ihre Tasche weg und sprang Andi hinterher - ein großer Fehler! Denn die 13-Jährige geriet sofort in den starken Sog der Wasserwalze. "Ich konnte mich nicht über Wasser halten, nur ganz selten kam ich mal an die Oberfläche - ich hatte eine riesen Panik," sagt Sonja. "Neben mir hab ich noch meinen Freund gespürt und wusste so, dass er noch lebt. Aber dann war ich mindestens zwei Minuten vollständig unter Wasser - ein Horror!" Als Sonja plötzlich von zwei starken Händen rausgezogen wurde, dachte sie erst, ihr Freund habe sie gerettet. Aber es war nicht ihr Freund - ein 48-jähriger Motorradfahrer aus Pleystein war nur zufällig vorbeigekommen und hatte nicht lange gezaudert: Der Mann ist Sonjas Lebensretter. Niemand sonst, nicht ihr Freund, nicht die Freunde am anderen Ufer, nicht der Angler, waren ihr zu Hilfe geeilt.

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Endlich in Sicherheit, brach Sonja, noch völlig unter Schock und stark unterkühlt, am Alzufer zusammen und wurde rasch ins Altöttinger Krankenhaus gebracht. Dort verbrachte sie die Nacht zur Beobachtung - Gott sei Dank, denn in der Nacht litt Sonja plötzlich an Atemnot, Panik und war immer noch stark unterkühlt. "Ich hatte nur eine Körpertemperatur von 34,6 Grad." Jetzt hat Sonja auch noch eine Mandelentzündung bekommen. Aber körperlich geht es ihr trotzdem soweit wieder ganz gut. Froh ist sie auch, dass sie jetzt täglich mit ihrem Lebensretter aus Pleystein telefoniert. "Er fragt immer nach, wie es mir jetzt geht und kümmert sich richtig um mich, will mich sogar treffen - das tut mir sehr gut," sagt die Realschülerin.

Die Rettung

Nur mit der Angst vor Wasser muss sie jetzt noch zurechtkommen. Ein Problem: Sie wohnt direkt an einem kleinen Bach, schon allein der macht ihr Angst. "Wenn ich niesen muss, schmecke ich noch immer das Alzwasser und duschen ist der Horror." Aber Sonja suchte bereits Rat bei einem Psychologen und ist zuversichtlich, dass sie auch dieses Überbleibsel ihres schrecklichen Erlebnisses noch gut überwinden wird. Sonjas Freund Andi geht es inzwischen wohl auch wieder gut - der war allerdings auch weitaus weniger lang im Wasser gewesen. "Ich weiß nur von Freunden, dass er schon wieder recht gut drauf ist," so Sonja. Hauptsache, die 13-Jährige ist ebenfalls wieder auf dem Wege der Besserung!

Wir wünschen der tapferen und starken Sonja alles Gute!

ds

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