Kinder via Webcam sexuell ferngesteuert?

Ein Szene-Insider berichtet: So funktioniert das legale Webcam-Geschäft

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Traunstein/Landkreis Altötting – Mehrfach soll sich ein Mann aus dem Landkreis Altötting einer neuen Form von Kindesmissbrauch schuldig gemacht haben. Die entsprechende Anklage wurde ihm zugestellt. Jetzt entscheidet das Gericht über die Zulassung.

Update um 16.15 Uhr:

Es geht ihm um unter anderem die Frage, wie diese "Leistung" des Anbieters abgerechnet wird. Als Szene-Insider erklärt Hans Mustermann (Name von der Redaktion geändert), wie das normalerweise im legalen Webcam-Geschäft läuft. Technisch gesehen ist das nix anderes als das, worum es im Fall des Altöttingers geht. Man kann den Webcam-Girls Anweisungen zu erotischen Handlungen geben und ihnen bei der Ausführung zusehen. Diese Mädels sind allerdings über 18 und wissen, was sie da tun und sie tun es aus freien Stücken. Niemand zwingt sie dazu.

Bei den Webcam-Girls gibt es laut Hans Mustermann einen Zahlungsanbieter. Der ist für die Abrechnung der Dienstleistung zuständig. Die erfolgt meist über Kreditkarte. Die Kreditkartenfirmen würden das Geschäft mit Erotik im Netz sehr genau beobachten, so Hans weiter. So würden insbesondere Rollenspiele wie beispielsweise "Sie kann sich nicht wehren" dort im Fokus stehen und solche Videos oder Live-Auftritte vor der Webcam sehr schnell zur Absage der Kreditkartenfirmen führen: Die wickeln solche Zahlungen dann in weiterer Folge nicht mehr ab.

Hans Mustermann berichtet im Gespräch mit innsalzach24.de weiter von fragwürdigen anderen Zahlungsmethoden. Als Szene-Insider was das legale Webcam-Geschäft betrifft, wisse er von einer besonderen Art Geldwäsche in diesem Bereich. Dabei geht es offenbar darum, dass so genannte "User" nicht nur über Kreditkarte bezahlen können, sondern beispielsweise in PrePaid Karten von beispielsweise Amazon

Der "Empfänger" sieht - ähnlich wie bei PayPal - sofort, wenn das Geld eingelöst ist. Genau wie bei Paypal geht es um die "Auszahlung": Wie kommt der "Empfänger" das Geld für seine "Dienstleistung"? Bei Paypal gibt es die Funktion, sich das Geld auf sein Konto auszahlen zu lassen. Damit gibt es aber eine Spur des Geldes. Also kaufen die "Empfänger" mit dem zu diesem Zeitpunkt nur virtuellem Geld im Netz ein. Gold scheint eine beliebte Währung zu sein. Bei Amazon gekauft und lokal beim entsprechenden An- und Verkauf in bare Münze verwandelt (natürlich gibt es einen kleinen Schwund) und schon ist das Geld gewaschen.

Freilich: Das hilft bei dem vorliegenden Fall von einer neuen Form von Kindesmissbrauch via Webcam nicht, insbesondere weil die eigentlichen Täter offenbar schwer zu fassen sind. Hans Mustermann wünscht sich aber dennoch, dass Erotik im Netz das bleibt, was sie sein sollte: Ab 18 und legal produziert.

Erstmeldung:

Es sind schwere Vorwürfe, welche die Staatsanwaltschaft Traunstein gegen einen Mann aus dem Landkreis Altötting erhebt. Über das Internet soll er sich mehrfach einer neuen von Kindesmissbrauch schuldig gemacht haben. Dabei werden Kinder quasi ferngesteuert via Webcam sexuell missbraucht: Der „Kunde“ gibt Täter wie Opfer Anweisungen und verfolgt live deren Ausführung.

Schwere Vorwürfe/Internationale Dimension

Der Mann aus dem Raum Altötting soll „Kunde“ dieser Form von Kinderpornografie gewesen sein. Aufgrund der Einflussmöglichkeiten auf Täter und Opfer machen sich die „Kunden“ solcher „Angebote“ genauso strafbar, wie derjenige, der das Kind missbraucht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann aus dem Landkreis Altötting unter anderem jeweils mehrere Fälle von Anstiftung zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern und den Besitz kinderpornografischer Schriften vor.

Wegen der internationalen Dimension des Falls war das Bundeskriminalamt an den Ermittlungen beteiligt. Als die Fahnder die Wohnung des Mannes im August durchsuchten, sicherten sie Beweismaterial. Der damals 48-Jährige wurde daraufhin in Untersuchungshaft genommen.

Auf Nachfrage von innsalzach24.de am Donnerstagvormittag erklärt ein Sprecher des Landgerichts, dass dem Mann die Anklage zugestellt wurde. Er hat jetzt die Möglichkeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern und Anträge zu stellen. Unabhängig davon entscheidet das Gericht über die Zulassung der Anklage. Wann diese Entscheidung fällt ist weiter unklar. Der Sprecher erklärt dazu, dass es dabei darum geht, ob das Gericht hinreichende Hinweise findet, dass es zu einer Verurteilung kommen kann. Tut es das nicht, wird die Anklage so nicht zugelassen.

Was tun gegen Cyber-Crime?

Auf Nachfrage von innsalzach24.de erklärt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, dass die Polizei die Cyber-Kriminalität sehr ernst nimmt. Es gibt speziell geschulte Beamte in diesem Bereich. Eine eigene Abteilung bei der Kriminalpolizei wurde geschaffen und intern logistisch organisiert.

Das Problem ist offenbar die Anonymität im Netz aber die Spezialisten haben anscheinend Mittel und Wege, wenngleich der Sprecher sagt, dass viel Ermittlungsarbeit auch in diesem Bereich klassische Polizeiarbeit ist. Soll im Wesentlichen heißen: Hinweisen nachgehen. Vom ebay-Betrug bis zum Kindesmissbrauch via Webcam: Derzeit werden die Statistiken für das vergangene Jahr 2017 erstellt. 

Gefragt nach Präventionsmaterial, Ansprechpartnern, etc. verweist der Sprecher auf www.polizei-beratung.de. Dort finden sich umfangreiches Material zur polizeilichen Kriminalprävention und auch Informationen für Opfer. Insbesondere in punkto sexueller Gewalt gegen Kinder und Frauen gibt es beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd eine "Beauftragte der Polizei für Kriminalitätsopfer und Opferschutz".

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