Nebenschauplatz im Trinkwasserstreit

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Töging - Das hat noch gefehlt: Die Auseinandersetzung zwischen Sebastian Pfaffenhuber und der Stadt Töging zur Kanalkontrolle im Wasserschutzgebiet hat einen Nebenschauplatz:

die laut Stadt unrechtmäßige Nutzung eines Brunnens auf Pfaffenhubers Grundstück als Grauwasser-Quelle für ein Waschbecken in der Garage und die Toilettenspülung.

Grund für die Auseinandersetzung mit der Stadt ist eine Anzeige Pfaffenhubers wegen möglicherweise nicht ausreichender Kontrollen in einem Abwasserkanal. Bürgermeister Horst Krebes sagte gestern auf Anfrage, die Stadt habe Pfaffenhuber die Nutzung des Brauchwassers im Haus bereits im Jahr 1999 untersagt. Jetzt sei die Verwaltung nach dem Vergleich eines Durchschnittshaushalts mit dem Trinkwasser-Verbrauch Pfaffenhubers auf eine mögliche erneute Nutzung von Brauchwasser im Haushalt aufmerksam geworden.

Pfaffenhuber und Krebes erklärten, zwischen den beiden Kontrollen habe es keine weiteren gegeben. Pfaffenhuber bestritt, etwas über ein Nutzungsverbot aus dem Jahr 1999 zu wissen. Krebes zufolge haben die Verbrauchsangaben Pfaffenhubers nach 1999 den Schluss zugelassen, dass nur mehr öffentliches Trinkwasser verbraucht würde.

Bei einer Kontrolle der Stadt im Anwesen Pfaffenhubers vergangene Woche war eine von einem Brunnen gespeiste Brauchwasser-Einrichtung vorhanden. Nach Angaben Pfaffenhubers habe er die Anlage jetzt komplett stillgelegt. Eine Brauchwasser-Nutzung im Haus selbst habe es seit Jahren nicht gegeben.

Die Stadt hat ein Bußgeld-Verfahren angekündigt. Möglicherweise will die Stadt dies auch strafrechtlich verfolgt sehen, sollte sich in Pfaffenhubers Hauswasser-Kreislauf das Brunnenwasser mit dem Trinkwasser vermischt haben. Laut Krebes könnte dies eine Erklärung für ein Messergebnis im letzten Jahr sein, bei dem an einem Tag an verschiedenen Stellen des Trinkwasser-Netzes Verkeimungen festgestellt worden seien.

Das Landratsamt Altötting teilte nach einer Untersuchung des Gesundheitsamtes von gestern mit, es sei zumindest aktuell bei Pfaffenhuber keine Vermengung von Brauch- und Trinkwasser erkennbar. Dies sage aber nichts über die Vergangenheit aus. Der zwölf bis 15 Meter tiefe Brunnen selbst sei genehmigungsfrei.

2004 hatte die Stadt eine Verordnung erlassen, demnach es beispielsweise bei Grauwasser-Nutzung wie der von Regenwasser im Haushalt einen 25-prozentigen Aufschlag auf den Trinkwasserpreis gebe als Gebühr für das in den Abwasserkanal eingeleitete Grauwasser.

Pfaffenhuber sagte am Dienstag, er habe mit der Nichtanmeldung einen Fehler gemacht.

Trinkwasser in Töging

Vorgenommen wurde die jetzige Untersuchung zu einem Zeitpunkt, in dem sich die Auseinandersetzung zwischen Pfaffenhuber und der Stadt zugespitzt hat. Pfaffenhuber hatte im September 2009 bei der Staatsanwaltschaft Traunstein Anzeige erstattet unter anderem wegen des Verdachts auf Unregelmäßigkeiten bei Kanal-Kontrollen im Wasserschutzgebiet.

Ein von den Ermittlungsbehörden beauftragter Prüfbericht eines Waldkraiburger Geotechnik-Büros war unter anderem zu dem Schluss gekommen, die Stadt habe notwendige Untersuchungen des Abwasserkanals am Sportheim am Harter Weg über Jahre hinweg nicht ausreichend kontrolliert. Ergebnisse des Prüfberichts werden seit etwa zwei Wochen öffentlich diskutiert.

Die Staatsanwaltschaft Traunstein hat nach der Anzeige Pfaffenhubers im September 2009 für diese Woche eine Entscheidung über eine Klageerhebung angekündigt.

Die Stadt macht nach rechtlicher Beratung keine Aussagen zu den Prüfberichts-Ergebnissen. 2009 hatte die Stadt mit Verkeimungen des Trinkwassers zu kämpfen und umfangreiche Investitionen zur Sicherung vorgenommen. Derzeit steht eine Änderung des Wasserschutzgebietes zur Diskussion - als Alternative zum Anschluss der Töginger Wasserversorgung an die der Mettenheimer Gruppe.

rob/Mühldorfer Anzeiger

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