Auf der Suche nach Lösungsansätzen:

Podiumsdiskussion der Kreis-Grünen zu Hochwald in Weiding

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Auf der Suche nach Lösungsansätzen: Podiumsdiskussion der Kreis-Grünen zu Hochwald in Weiding
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Teising/Landkreise - Wer erwartet hatte, dass es hier die Lösung gibt, wurde enttäuscht aber das war auch nicht der Ansatz der Podiumsdiskussion am Montagabend in Teising zur drohenden Schließung des Hochwald-Werks in Weiding.

Wie geht es in Weiding weiter?“ Mehr als 200 Mitarbeiter und hunderte Milch-Erzeuger mit jeweils ihren Familien hängen im Moment vom Hochwald-Werk ab. In nicht mehr ganz einem Jahr soll es dicht machen. „Das hier ist noch lange nicht vorbei, es fängt gerade erst an“, gab sich die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) auf der Großdemo Mitte März vor dem Werkstor in Weidung kämpferisch.

Der Unmut der Betroffenen ist groß, die Vorwürfe gegen Hochwald, man habe den Standort runter gewirtschaftet, deutlich. Mit einer Podiumsdiskussion am Montagabend haben die Kreisverbände Mühldorf und Altötting der Grünen versucht, das Problem, die Hintergründe und mögliche Lösungsansätze zu skizzieren. Sieben Podiumsgäste und rund 100 Zuhörer waren dabei.

Podiumsdiskussion der Kreis-Grünen zu Hochwald in Weiding

Die Podiumsgäste

  • Gisela Sengl, agrarpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag: 

Sie vertritt die Meinung, dass Bayern auf dem Milchmarkt eine besondere Rolle einnimmt, gleichzeitig aber wesentliche Chancen verschlafen hat. Sie setzt auf verschiedene Qualitätsstufen bei der Milch. Darin liege Entwicklungspotential. Der Markt für Qualität statt Quantität ist ihrer Meinung nach noch nicht gesättigt.

Der Bio-Bauer vertritt die Meinung, dass es Regeln braucht, um das Marktrisiko gleich zu verteilen: „Um den Markt für alle gerecht bedienen zu können, braucht es Werkzeuge“.

Er vergleicht die Milchmarktkrisen mit einer Treppe, die in den Keller führt und fordert deswegen ein Geländer, ähnlich wie denen für kleine Kinder, damit die nicht einfach runter fallen. Konkret heißt das für ihn: Ein Marktkrisen-Management muss her, „ein Weg, der für alle Beteiligten gangbar ist“.

  • Georg Planthaler, Regionalsprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL): 

Die Ursache für die Probleme auf dem Milchmarkt sieht er in der Ausrichtung auf den Weltmarkt. Er würde es gern sehen, wenn sich die Bauern zusammentun und die Molkerei Weiding selbst stemmen. „Eine bessere Werbung gibt es nicht“, sagt er dazu, dass viele Bauern offenbar viel zu sehr auf den Bärenmarke-Bär und dessen Glaubwürdigkeit setzen.

Er glaubt an die Qualität der Produkte aus der Region. Das kommt seiner Meinung nach nicht von ungefähr sondern von den bestens ausgebildeten Bauern. Klasse statt Masse sieht er für ein Faktum.

  • Lorenz Kronberger, Bürgermeister der Gemeinde Polling und damit der „Hausherr“ wenns um Weiding geht: 

Er hat fünf Punkte zur aktuellen Situation des Hochwald-Standortes. 

  1. Größer ist nicht gleich besser. Kleiner ist nachhaltiger.
  2. Eine Marke wie die „Bärenmarke“ nur zu kaufen, reicht nicht.
  3. Das Schreckgespenst der Schließung des Standortes in Weiding kann neue Energien wecken.
  4. Die Region hat mit der Vegetation einen entscheidenden Vorteil: Nirgends sonst gibt seiner Meinung nach so ein reichhaltiges Angebot an Qualitätsfutter für Milchkühe.
  5. Wir lieben Lebensmittel.“ Damit meint er die vielen Generationen von Menschen, die mit dem Standort in Weiding verbunden sind. „Ob Bauer oder Mitarbeiter in der Molkerei – Wir wissen, wie das geht“.

Er macht vor allem klar, dass es nicht unerhebliche Investitionen braucht, eine Premium Marke zu etablieren und nicht nur das. „10 Millionen Euro gibt Bergader jedes Jahr für die Werbung aus“. Auch er sagt: „Weniger ist mehr“. Es geht seiner Meinung nach darum, „dass man nicht austauschbar ist auf dem Markt“.

Die Diskussion

Sie haben Sorgen, ob nun die Milcherzeuger oder die Beschäftigten, die alle von Hochwald abhängen. Diese Sorgen gehen offenbar soweit, dass einige der Fragesteller im Diskussionsteil der Veranstaltung den Kern der Sache, das Thema der Veranstaltung vergessen zu haben scheinen. Dementsprechend musste Moderator Thomas Föckersperger öfter mal eingreifen und die Fragestellung des Abends ins Gedächtnis rufen, aber klar: Für die Milcherzeuger hängt viel mehr dran als nur die Milch.

Ein Masterplan konnte am Montagabend freilich nicht gefunden werden. Dafür schienen die Standpunkte selbst unter den Milcherzeugern zu verschieden. Es bleibt offenbar dabei, dass das letzte Wort hier noch nicht gesprochen ist. Der Bürgermeister von Polling Lorenz Kronberger verkündete, dass es Interessenten gebe, aus dem Standort von Hochwald in Weiding etwas zu machen und zeigte sich zuversichtlich, dass es weiter gehen werde. Ein Diskussionsteilnehmer aus dem Publikum brachte hervor: „Unsere Milch ist noch immer unter gekommen“ und mahnte vor unüberlegter Sorge.

Josef Planthalers Vorschlag, die Milch-Erzeuger sollten sich zusammenschließen und ihre eigene Molkerei aus dem Hochwald Standort in Weiding machen, erntete schon in der Vorstellungsrunde der Podiumsteilnehmer ein Raunen bei den Zuhörern. Auch die Ausführungen von Johannes Krumbachner fanden rege Kritik.

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