Kater mit Gewehr attackiert

Bauchschuss! Sir Edward beinahe getötet

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Mehrere Tage musste Tamara Weinbacher aus Tann um das Leben ihres geliebten Katers Eddi bangen. Inzwischen ist der Kleine aber wieder wohlauf
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Tann - Tamara Weinbacher ist noch immer entsetzt: Ihr Kater "Sir Edward" wäre um ein Haar an einem Bauchschuss gestorben. Wurde das Gewehr direkt am Körper angesetzt?

Tamara Weinbacher aus Tann (im Landkreis Rottal-Inn und unweit des Landkreises Altötting) ringt noch immer um Fassung, wenn sie an die Geschehnisse Anfang Juni zurückdenkt. Als Tamara erzählt, regnet es gerade; ihr knapp zweijähriger Kater Sir Henry ist trotzdem draußen unterwegs. Sein gleichaltriger Bruder Sir Edward, genannt Eddi, muss dagegen drinnen bleiben. Der Kleine ist noch immer ein bisschen geschwächt - vor allem aber hat Tamara Angst um ihn. Am 2. Juni wäre Eddi beinahe gestorben, die Bleikugel eines Luftgewehrs hatte ihn einen Tag zuvor lebensgefährlich verletzt.

Eddi lag nur noch apathisch am Boden

Eigentlich lasse sie Eddi und Henry nicht nach draußen, wenn sie nicht zuhause ist, erzählt Tamara. Am 1. Juni, ein Montag, machte sie aber eine Ausnahme. Sie hatte gerade Urlaub und verbrachte den Tag im Schwimmbad. Nur gegen 14 Uhr war sie kurz zu Hause und ließ ihre beiden Kater, die gerne quengeln, wenn sie raus wollen, nach draußen. Zwei Stunden später wollte sie wieder zurück sein.

Um 16 Uhr war Tamara wieder daheim, eine Viertelstunde später war auch Eddi da. Obwohl er ein bisschen Blut im Fell hatte, machte sich die 25-Jährige noch keine Gedanken. "Ich hab mir zuerst nichts gedacht. Katzen raufen auch mal", erzählt Tamara heute. Als Eddi dann aber nur noch apathisch am Boden lag, sich schließlich sogar erbrechen musste, fuhr die 25-Jährige mit ihm zum Tierarzt.

Dieser fand zunächst nur ein kleines Loch im Bauch. Weil Tamara befürchtete, ihr Kater könnte angefahren worden sein, wurde Eddi geröntgt. Die Bilder zeigten deutlich, dass eine Kugel Eddis gesamten Körper durchdrungen hatte und nun in ihm feststeckte. Doch auch da machte sich der Tierarzt noch keine Sorgen. Immerhin gibt es Katzen, bei denen erst nach Jahren durch Zufall festgestellt wird, dass sie einmal angeschossen wurden - so gut stecken die Vierbeiner Schussverletzungen oft weg.

Lebensgefährliche Verletzungen am Darm

Sir Edward sichtlich geschwächt am Tag nach der OP (zum Vergrößern Bild anklicken)

Dieser (leichten) Entwarnung folgte am nächsten Tag der Schock: Eddi, der über Nacht in der Praxis geblieben war, hatte starke Schmerzen und hohes Fieber. Eine Operation war unumgänglich. Wie schlimm es um ihren Kater tatsächlich stand, erfuhr Tamara nach dem zweieinhalbstündigen Eingriff. "Der Tierarzt sagte: 'Gut, dass wir ihn aufgemacht haben. So haben wir eine realistische Chance, dass er überlebt. Ansonsten wäre er gestorben.'" Für die 25-Jährige brach in diesem Moment eine Welt zusammen. "Das Schlimmste war, als der Tierarzt gesagt hat: Ohne die OP wäre er gestorben. Ich war einfach nur noch wütend auf die, die das gemacht haben."

Die Kugel stammte offenbar aus einem Luftgewehr und durchdrang Eddis Körper beinahe vollständig. Das Geschoss verletzte dabei den Dick- und den Dünndarm sowie die Milz. Zwar wäre die Milz wohl von selbst zugewachsen, die Risse am Darm mussten aber unbedingt operativ geschlossen werden. Andernfalls wäre Eddi von seinem eigenen Darm schleichend vergiftet worden.

Täter hatte wohl aus nächster Nähe geschossen

Zweimal holte Tamara Eddi zu früh nach Hause (das Foto zeigt Eddi bei Versuch Nummer 2)

Um Eddi mit einem Luftgewehr so schwere Verletzung zuzufügen, muss die Waffe wohl direkt am Bauch angesetzt worden sein. "Als ich erfahren habe, dass es ein Schuss war, wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Wer macht so etwas? Noch dazu aus nächster Nähe?" Eine Frage, die sich Tamara bis heute stellt. Immerhin: Eddi überlebte die Attacke, auch wenn er mit der Operation noch nicht endgültig gerettet war. Mehrere Tage konnte er nichts fressen und musste mit Infusionen versorgt werden. Erst am 10. Juni, also über eine Woche nach der Operation, konnte Eddi wieder nach Hause. Tamara hatte ihren Kater zwar zuvor schon zweimal heimgeholt, musste ihn aber immer wieder zurück in die Praxis bringen. Eddi war einfach noch zu geschwächt.

Das erste, das Eddi wieder gefressen habe, seien seine geliebten Salatgurken gewesen, erzählt Tamara. Mittlerweile ist der kleine Kater wieder wohlauf, der Vorfall scheint keine Spuren hinterlassen zu haben. "Es geht ihm ganz gut. Das wundert mich nach wie vor", sagt die 25-Jährige. "Er spielt mit Henry und er ist zu mir genauso zutraulich wie vorher."

"Wie man nur so boshaft sein kann!"

Bei Versuch Nummer drei konnte Eddi endlich zuhause bleiben

Sein Frauchen dagegen grübelt noch immer über die Attacke auf Eddi. Bislang war sie seitdem nur kurz mit ihrem Kater draußen und hatte ihn dabei angeleint. Nun soll Eddi aber wieder alleine rausgehen dürfen. Tamara macht sich schon jetzt Gedanken darüber, was ihr durch den Kopf schießen wird, wenn er mal nicht gleich zurückkommt. Für die 25-Jährige ist unbegreiflich, wie jemand auf Tiere schießen kann: "Wie man nur so boshaft sein kann!" Nur zu gern wüsste Tamara, wer Eddi um ein Haar erschossen hätte. Ganz nebenbei würde die 25-Jährige dem oder den Tätern auch eine Rechnung präsentieren. Der erfolgreiche Kampf des Tierarztes um Eddis Leben hat rund 1200 Euro gekostet.

Polizei befürchtet hohe Dunkelziffer

Max Allgeier, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Simbach kann leider keinen Ermittlungserfolg vermelden. Grundsätzlich seien die Ermittlungen in solchen Fällen schwer. "Man weiß nicht, wo das war oder wann das war", erklärt Allgeier. Dass das Projektil in Eddi stecken blieb und nach der OP aufgehoben wurde, könnte der Polizei helfen - wenn es einen konkreten Verdächtigen gäbe. Zwar würde sich Luftgewehrmunition stark verformen, was die Zuordnung erschwere. Manchmal können die Ermittler aber noch feststellen, ob das Projektil aus einer bestimmten Waffe abgegeben wurde oder nicht. Weil es aber keine Zeugen der Attacke auf Eddi gibt, hat die Polizei keinerlei Hinweise auf einen möglichen Täter. "Das ist für uns unbefriedigend - und für die Tierbesitzer sowieso."

Allgeier zufolge kommt es leider etwa alle paar Monate zu Vorfällen wie am 1. Juni in Tann - und das sind nur die Fälle, von denen die Polizei weiß, die also angezeigt werden. Die Dunkelziffer dürfte nach Einschätzung Allgeiers höher liegen, schließlich wisse man bei Tieren, die verschwinden, nicht, was mit ihnen passiert ist.

Erst am Sonntag gab es eine weitere hinterhältige Attacke auf eine Katze: In Bad Reichenhall schoss ein Unbekannter mit einem Luftgewehr oder einer Luftpistole auf das Tier. Die Katze musste in der Tierklinik Teisendorf operiert werden.

Der Genesungsweg von Eddi:

Sir Edward hat einen Bauchschuss überlebt

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