Stadt nimmt weiteren Brunnen vom Netz

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Töging - Die Stadt nimmt den Trinkwasser-Brunnen III vom Netz. Auslöser ist ein am Donnerstagabend während der Stadtratssitzung zugestellter Bescheid des Landratsamtes Altötting.

Ursachen sind zu hohe Mangan- und Eisenwerte sowie eine zu kräftige Trübung des Wassers aus dem Brunnen III, die die Funktion der UV-Anlage zur Entkeimung beeinträchtigen könnten.

Das Trinkwasser der Stadt ist weiter unbedenklich. Eine Belastung mit Keimen ist wie bei den Messungen in den vergangenen Monaten auch jetzt nicht vorhanden. Darauf haben Stadträte und Verwaltung in der Stadtratssitzung mehrfach hingewiesen.

Ursache der Entscheidung des Landratsamtes sind ausschließlich Wasserwerte, die für die vor einigen Monaten wegen einer Keimbelastung eingebauten Bestrahlungsanlage mit ultraviolettem Licht problematisch sein könnten. Zwar liegen die jetzt beanstandeten Werte unterhalb der für das Trinkwasser geltenden Richtlinien. Für den Betrieb der UV-Anlage gelten offenbar niedrigere Werte. Belastetes Wasser könnte die Wirksamkeit der UV-Bestrahlung beeinträchtigen, wenn sich Eisen und Mangan als Film auf den UV-Lampen ablagern.

Durch das Abschalten des Brunnens III, der nördlich des bereits vom Netz genommenen Brunnens IV liegt, werden die Grenzwerte wieder erreicht.

Stadträte und Verwaltung kritisierten die Entscheidung. Weder Gesundheitsamt noch Beratungsfirmen hätten vor der Installation der mehr als 60000 Euro teuren UV-Anlage auf diese Problematik hingewiesen.

Auf die Stadt kommen weitere Kosten zu. Eine Anlage zur dauerhaften Prüfung der beanstandeten Werte muss sofort vor der UV-Anlage eingebaut werden - Kostenpunkt etwa 10000 Euro. Zudem wird sich die Stadt ein mobiles Gerät ausleihen, mit dem im wöchentlichen Rhythmus die Brunnen untersucht werden. Sollte sich dort die Notwendigkeit dauerhafter Überprüfungen herausstellen, müssten Prüfgeräte dauerhaft an allen Brunnen installiert werden. Eine möglicherweise notwendige Anlage zur Ultrafiltration würde etwa 200000 Euro kosten.

Hätte die Stadt die jetzt bereits per Eilentscheidung getroffenen Maßnahmen nicht umgesetzt, wäre möglicherweise eine Chlorung des Wassers angeordnet worden.

SPD-Fraktionssprecher Günter Zellner zeigte sich "völlig überrascht" von der Situation. Zellner vermutete, dass die Stadt nach den Problemen mit der Verkeimung als Versuchsmodell für Behörden diene. Das Gesundheitsamt habe vor der Installation der UV-Anlage von so einem Problem nichts gesagt, die Ingenieurbüros ebenfalls nicht. "Jetzt hängen wir da", klagte Zellner.

Auf Nachfrage von Marcus Köhler (CSU) sagte Bauamtsleiter Peter Langer, die Wassermenge der verbliebenen vier Trinkwasserbrunnen reiche im Winter aus. Lediglich mit der im Frühjahr beginnenden Gartenbewässerung könnte es bei der Konstellation zu Engpässen kommen. Allerdings sei einer der Brunnen für eine deutlich höhere Wassermenge als die derzeit abgenommene ausgelegt.

Stefan Grünfelder (CSU) forderte die Verwaltung auf, bei den Ingenieurbüros darauf zu drängen, das für Mai zugesagte Gutachten über die Möglichkeiten der Trinkwasser-Absicherung eher zu bekommen. Grünfelder befürchtet, dass durch eine größere Fördermenge in den verbliebenen Brunnen auch mehr Schadstoffe nach oben kommen könnten.

Wie andere Stadträte stellte auch Brigitte Gruber (SPD) die Sinnhaftigkeit der Anordnung aus dem Landratsamt in Frage. "Muss man denn alles hinnehmen?", fragte Gruber.

Sepp Neuberger (FW) forderte eine Überprüfung und mögliche Anfechtung des Bescheides. Schließlich könne man nicht alle Eventualitäten tausendprozentig absichern.

Zweiter Bürgermeister Bastian Höcketstaller (SPD) sah "keine großen Erfolgsaussichten" für einen Einspruch.

Mehrere Stadträte wollten nicht zu vorschnellen finanziellen Maßnahmen gedrängt werden.

Je nach Ergebnis der geforderten Prüfungen wird die Stadt die Bürger über die Medien, per Wurfsendung oder erst auf der Bürgerversammlung am 25. März weiter informieren. rob

Zurück zur Übersicht: Region Alt-/Neuötting

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser