Bewährung für den Todesfahrer

Altötting - Schockurteil für die Eltern von Alexander F: Unfallfahrer Christian-Josef E., der am 18. September 2008 den 14-Jährigen totgefahren hat, muss nicht ins Gefängnis.

Ein Kopfschütteln ging durch den total überfüllten Raum, als Richter Dieter Wüst das Urteil im Altöttinger Amtsgericht verkündete. Zwei Jahre auf Bewährung für Christian Josef E., der im vergangenen Jahr mit 1,66 Promille und überhöhter Geschwindigkeit den 14-jährigen Altöttinger Alexander F. von seinem Fahrad fuhr und so tötete. Fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässige Tötung lauteten die Anklagepunkte.

Eine wesentliche Tatsache habe sowohl die Staatsanwaltschaft, als auch letztlich Richter Wüst zu diesem Urteil bewogen: Eine Mitschuld des Opfers könne nicht ausgeschlossen werden. Er soll auf seinem Fahrrad in einem 45-Grad Winkel nach links vor dem Auto von Christian-Josef E. abgebogen sein.

Diese Aussage traf bei den Verwandten des Buben und vor allem bei seinem Eltern auf Unverständnis. Während des Plädoyers des Staatsanwalts verließen darum der Vater von Alexander, Siegfried F., und einige andere Zuschauer den Gerichtssaal. Auch zur Urteilsverkündung betrat Siegfried F, der sichtlich entsetzt war, den Raum nicht mehr.

"Trotz aller Emotionen, die dieser tragische Fall mit sich bring, müssen wir hier objektiv sein", mahnte Richter Dieter Wüst. Im Zweifel für den Angeklagten, daran müsse sich das Gericht halten.

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Tödlicher Unfall in Altötting

Deshalb würde auch von einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 65 km/h des Angeklagten zur Unfallzeit ausgegangen, erklärte Sachbearbeiter Frank Schmidinger. In einem unfallanalytischen Gutachten erläuterte er alle Details des Unfalls und versuchte den genauen Unfallhergang anhand drei verschiedener Geschwindigkeiten des Angeklagten und des Opfers zu rekonstruieren. "Der Angeklagte muss eine Geschwindigkeit zwischen 65 und 90 km/h gehabt haben. Das Opfer fuhr zwischen 15 und 20 km/h."

Diskussionen löste vor allem die Frage aus, ob sich der Unfall vermeiden lassen hätte, wenn Christian-Josef E. ordnungsgemäß mit 50 km/h und ohne Alkohol im Blut gefahren wäre. Dies ließe sich nicht wirklich beweisen, so die Meinung der Staatsanwaltschaft und des Verteidigers von Christian-Josef E. "Jeder normale Autofahrer weicht nach links aus, wenn von rechts ein Hindernis auftaucht", erklärte Sachbearbeiter Frank Schmidinger dazu. Das unfallanalytische Gutachten und das medizinische Gutachten würden übereinstimmen.

Christian-Josef E. hat bereits fünf Eintragungen ins Bundeszentralregister. Darunter auch eine Trunkenheitsfahrt und eine Bewährungsstrafe auf sechs Monate. Sein Führerschein wird ihm jetzt für zwei Jahre entzogen, außerdem muss er eine ambulante Alkoholtherapie nachweisen.

Der Unfallfahrer ist selbst Vater eines achtjährigen Sohnes, den er am Abend des Unfalls besucht und dort ca. sieben Halbe Bier getrunken hatte.

Für die Familie und Freunde von Alexander F. ist das Urteil ein Schlag ins Gesicht. Sie hätten den Angeklagten gerne im Gefängnis gesehen. "Das Urteil hätte nicht anders ausfallen können", sagt Richter Dieter Wüst, "auch wenn die Angehörigen des Opfers damit natürlich nicht zufrieden sind." Genugtuung würden sie ohnehin mit gar keinem Urteil erhalten.

An Christian-Josef E. ist der tragische Unfall zumindest nicht spurlos vorübergegangen. Während der Verhandlung wagte es der 27-Jährige kaum aufzublicken und sprach mit sehr leiser Stimme. Sein letztes Wort richtete er an Silvia F., die Mutter des Opfers. "Es tut mir leid, dass ich besoffen gefahren bin und Ihren Jungen totgefahren habe. Ich weiß, es ist nicht zu entschuldigen und wenn ich könnte, würde ich nichts lieber tun, als es rückgängig zu machen. Vielleicht können Sie mir irgendwann einmal verzeihen."

Anette Mrugala

Rubriklistenbild: © Anette Mrugala

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