Historische Chance für die Salzach als Naturfluss

Die Salzach soll leben!

Landkreis Altötting - Nach jahrzehntelangem Kampf äußert sich die Politik und Verwaltung gegen Kraftwerkspläne an der unteren Salzach

Die Pressemitteilung im Wortlaut:

Bei einem gemeinsamen Ortstermin forderten Vertreter des BUND Naturschutz (BN) und der Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach (ALS) die Umsetzung der Naturflussvariante für die gesamte untere Salzach. Nachdem sich der Landrat Erwin Schneider und Dr. Martin Huber, MdL aus Altötting gegen die Kraftwerkspläne an der unteren Salzach stark gemacht haben, gab es auch von Seiten der Verwaltung das Signal, dass die sogenannte Variante E1 mit drei Kraftwerken vom Tisch ist.

„Die Sanierung des Flusses muss naturnah und mit so wenig Querverbauungen wie möglich und ohne Wasserkraft erfolgen“, sagte BUND e.V. Vorsitzender Dr. Hubert Weiger. „Die Machbarkeit einer Naturflussvariante wurde untersucht und deren deutliche Vorteile nachgewiesen“, betonte Weiger. „Dass sich die Politik vor Ort gegen eine Kraftwerksnutzung an der unteren Salzach ausspricht, muss auch in München Gehör finden. Es ist an der Zeit, den Koalitionsvertrag von 2018 umzusetzen und die Pläne zur energetischen Nutzung an der unteren Salzach einzustellen“, setzt Richard Mergner, Vorsitzender des BN in Bayern nach.

Als Folge früherer Regulierungen und Verbauungen tieft sich die Salzach in ihrem Unterlauf mehr und mehr ein. Dass Sanierungsmaßnahmen unverzichtbar sind, sind sich alle einig. 

Während im Freilassinger Becken die Sanierung weitgehend abgeschlossen ist, stehen die Maßnahmen im Tittmoninger Becken noch an. Verschiedene Varianten der Sanierung stehen zur Diskussion, wobei nun die Abkehr von der E1 Variante mit drei Kraftwerken öffentlich erfolgte. Der BN und die ALS freuen sich, dass ein Umdenken angefangen hat und machen sich weiterhin stark für ökologische Maßnahmen, die auch die Renaturierung der angrenzenden Auen ermöglichen.

Mit der Naturflussvariante C, auch Verzweigungsvariante, werden sowohl die relevanten Ziele der Salzachsanierung als auch die gesetzlichen Vorgaben am besten und am schnellsten erreicht. Sie ist die einzige Variante, die nach der Umsetzung die naturschutzfachlichen Ziele von Natura 2000 und die Umweltziele der Wasserrahmenrichtlinie (Verbesserungsgebot und Verschlechterungsverbot) optimal erreicht.

Der BN und die ALS fordern daher nach wie vor, den gesetzlichen Vorgaben zu folgen und den Schutz der Natur über den privatwirtschaftlichen Nutzen von Kraftwerksbetreibern zu stellen. „Die einmalige Chance der Erhaltung eines frei fließenden und redynamisierten Alpenflusses im bayerisch-österreichischen-Grenzraum muss jetzt ergriffen und darf nicht verspielt werden“, so Beate Rutkowski, 1. Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Traunstein.

„In der Sanierung der unteren Salzach liegt die Jahrhundertchance für die Wiederherstellung dynamischer Fluss- und Auenverhältnisse. Das wichtigste ist die Durchgängigkeit in den letzten unverbauten 60 km für den Geschiebetransport, Drift und für die Wanderung von Fischen und Gewässerorganismen zu erhalten“, äußert sich Gerhard Auer, Sprecher der Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach.

Doch nicht nur die Natur würde von der Umsetzung der Naturfluss Variante profitieren, sondern auch die Bevölkerung. Durch die Renaturierung werden wichtige Funktionen des Ökosystems wie Hochwasserschutz, Grundwasserneubildung, Wasserreinigung, Nährstoffrückhalt und Erhalt der Bodenfruchtbarkeit gewährleistet. Durch die Wiederherstellung des Alpenfluss-Charakters steigt der Erholungswert der Region und infolge dessen die Wertschöpfung aus Naherholung und Tourismus. Das kommt den Kommunen und öffentlichen Einrichtungen zugute, aber vor allem den hier lebenden Menschen durch eine Steigerung der Lebensqualität.

„Wir wünschen uns, dass auch in den weiteren Salzach-Landkreisen ein Umdenken stattfindet. Wir machen uns stark für eine freie Salzach, denn das ist es was auch die Bevölkerung hier möchte, dass das Gewässer erlebbar ist“, so auch Ilse Englmaier, Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Tittmoning.

Die Aufweitungen und Renaturierungen können als geplante Maßnahmen eines regionalen und überregionalen Hochwasserschutzkonzeptes gesehen werden. Außerdem bekämpfen die bisher im Rahmen der Sohlstabilisierung Salzach geplanten und durchgeführten Maßnahmen lediglich die Symptome, aber nicht die Ursachen der Sohleintiefung.

„Die Hochwasserereignisse der jüngeren Vergangenheit zeigen deutlich wie unverzichtbar Überflutungsräume für den Hochwasserschutz sind. Außerdem könnte mit der Vernetzung des Flusses mit den umliegenden Auen dem Verlust von Lebensräumen und Artensterben entgegen gewirkt werden“, so Gerhard Merches, 1. Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Altötting.

Fazit: Die Umsetzung der Naturflussvariante (Variante C) an der unteren Salzach würde den Hochwasserschutz verbessern, die Artenvielfalt erhöhen, Lebensräume aufwerten und den Erholungswert für die Bevölkerung steigern.

Pressemitteilung des Bund Naturschutz

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa (Symbolbild)

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