Rotkreuzler beknien die Feuerwehr

+
Die Bittsteller sind am Zug

Burghausen - Die Rotkeuzler aus Burghausen gingen vor der Freiwilligen Feuerwehr auf die Knie. Aber das nicht ohne Grund. Sie wollten die Feuerwehrler dazu kriegen, die Patenschaft für das 100-jährige Gründungsfest zu übernehmen.

Im kirchlichen Leben sind Paten vor allem in jungen Jahren gefragt. Bei Taufe oder Firmung sollen Paten religiöse Begleiter oder – für viele fast noch wichtiger – spendable Sponsoren sein. Kriminologisch ist der Pate seit dem gleichnamigen Film bekannt als Oberhaupt einer Mafiafamilie, der zuständig ist für den Betrieb illegaler Geschäfte und von Zeit zu Zeit die Anpassung zementenen Schuhwerks.

Einzug der Scheitel

Für Hundertjährige sind beide Arten von Paten von eher untergeordneter Bedeutung. Hier sind dann auch Paten wie Patenkinder keine Einzelnen, sondern ganze Vereine. Zumindest in Bayern ist es von alters her Brauch, dass zu herausragenden Anlässen im Vereinsleben ein Patenverein gebraucht wird, der die Jubilare durch die fälligen Festlichkeiten mit Fahne und Festabordnung begleitet.

Für die Rotkreuz-Bereitschaft Burghausen, die im November ihr 100-jähriges Bestehen groß feiert, gab es bei der Wahl des Paten kein langes Überlegen: die Freiwillige Feuerwehr Burghausen sollte es sein. Und so pilgerte am Wochenende eine kopfstarke Delegation des Roten Kreuzes ins Feuerwehrhaus, um den Floriansjüngern das ehrenvolle Amt anzutragen.

Als Morgengabe hatten sie sich mit zwei knusprigen Spanferkeln und diversen, teils alkoholischen Getränken ausgerüstet, denn wie auch sonst in der Natur steht beim Patenbitten vor dem Jawort eine Balz- und Werbephase, in der die Umworbenen mit Nahrungsopfern gnädig gestimmt werden wollen. Doch wenn Bereitschaftsleiter Johannes Rast und seine Stellvertreterin Claudia Dorfner gedacht hatten, damit schon die Zusage der Wehrmänner und -frauen erwirken zu können, so hatten sie sich getäuscht.

Die BRK-Bereitschaft hat einen Paten. V.r.: FW-Kommandant Franz Haringer, Patenbraut Kathrin Passer, stv. Bereitschaftsvorsitzende Claudia Dorfner, Bereitschaftsvorsitzender Johannes Rast, FW-Vorstand Thomas Lindner

Erster Vorsitzender Thomas Lindner und Erster Kommandant Franz Haringer waren wohlvorbereitet und brachten im Eröffnungszug der Patenverhandlungen gleich die Forderung von fünf Hektolitern Bier in Stellung, wobei die Wahl der gewünschten Sorte Zeugnis von der Fachkunde der Feuerwehrler ablegte. Das Gegenangebot von 25 Litern einer bekannten Discount-Marke quittierten die Hausherren mit Hohngelächter und dem Vorzeigen der Folterwerkzeuge.

Die sorgsam auf Kante gehobelten Scheitel gelten als bayerische Variante des Runden Tisches und erhöhen die Konzessionsbereitschaft der Bittsteller ganz enorm. Bevor die Rotkreuzler von den 500 Litern nach Maßgabe der Gastgeber etwas herunterknien durften, präsentierte die Feuerwehr mit Kathrin Passer eine reizende Patenbraut, die den Verhandlungseifer der BRK-Delegation sichtlich beflügelte, ebenso wie umgekehrt Angelika Blendl als Patenbraut der Jubilare mit einem heißen Outfit den Feuerwehrkameraden heftig einheizte.

Trotzdem bedurfte es der Unterstützungszusagen mehrerer mitleidiger Sponsoren und diverser Runden Scheitelkniens, wobei die anwesenden Ehrengäste von Stadt, Wasserwacht und BRK-Kreisverband heroisch mitknieten und –tranken, um zu einer Einigung zu kommen.

2. Bürgermeisterin Christa Seemann, die Vertreter der Wasserwacht, Birgit und Andreas Moosbauer, stellvertretende BRK-Kreisvorsitzende Rosl Neset und Kreisgeschäftsführer Josef Jung waren schließlich mit dem Verhandlungsergebnis sehr zufrieden: eine große gemeinsame Grillfeier für Feuerwehr und BRK, ausgerichtet von der Bereitschaft, das dürfte den Patenbund sicher festigen und ist eine gute Vorbereitung für das große Jubiläum, das bei der Feuerwehr 2013 ins Haus steht. Die feiert dann ihr 150-Jähriges.

BRK-KV Altötting

Zurück zur Übersicht: Region Alt-/Neuötting

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser