"Randalierer-Schutz" nicht genehmigt

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Klaus Maier vor seinem "Grenzwagen". Die Hand hält er auf eine Gabionen-Stütze. Die Mauer hätte von der Hauswand bis zum Gehsteig gereicht. Nur einige hundert Metter weiter steht eine Gabionen-Mauer.

Töging - Dem Autohändler Klaus Maier wurden bereits sechs Autos beschädigt. Seine Versicherung verlangte von ihm jetzt, dass er handelt - und er hat gehandelt, aber die Stadt stellt sich quer.

Ein Unternehmer will einen Mauer-Schutz gegen Randalierer bauen. Der Bauausschuss lehnte mit 6:5 Stimmen am Dienstag den Antrag unter anderem mit Verweis auf fehlende Transparenz des Bauwerkes ab. Autohändler Klaus Maier verließ verärgert die Sitzung.

Enttäuscht hat Maier noch am Dienstagabend seine Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft Geschäfts-Leerstände aufgegeben und seine Mitgliedschaft im Werbering gekündigt. Er versteht die Entscheidung nicht: "Auf der einen Seite setzte ich mich für andere ein. Andererseits entspricht man nicht meiner Bitte nach eine Schutzmauer." Seit gestern dient anstelle einer gestalteten Mauer ein ausgemusterter Kleintransporter an der Grenze zu dem Gebäude mit Gaststätte und Tattoo-Studio als Schutz gegen Randalierer.

Nach sechs Versicherungsfällen wegen beschädigter Autos wollte die Versicherung, dass Maier handelt. Ein Sichtschutz sollte die neben der Tankstelle an der Erhartinger Straße ausgestellten Wagen vor fliegenden Bierflaschen und anderen Hinterlassenschaften bewahren.

"Es irre, was da abläuft", sagte Maier im Ausschuss angesichts seiner beschädigten Autos. Auf etwa 4000 Euro bezifferte Maier den Schaden auf Anfrage. Die letzten Fälle habe er der Versicherung nicht mehr gemeldet und aus eigener Tasche bezahlt.

Bis Dienstag habe er keine zum Verkauf stehenden Fahrzeuge mehr vor seiner Tankstelle stehen gehabt. Dies könne er sich auf Dauer aber nicht leisten.

Der ursprüngliche Antrag Maiers sah eine zwei Meter hohe, bis zur Gehsteig-Kante etwa 3,80 Meter lange und 16 Zentimeter dicke Gabione vor, als Ersatz für einen Jägerzaun. Eine Gabione fasst große Steine in einem Metallgitter. Die davor geparkten Ausstellungswagen hätten einen Großteil der Mauer bedeckt. Maier hatte entsprechende Grafiken dem Bauausschuss vorgelegt.

Die Stadt weist darauf hin, dass Einfriedungen bis zu zwei Metern Höhe verfahrensfrei in der Bauordnung vorgesehen seien - aber hier von den Festsetzungen des Bebauungsplanes abweichen. Für eine Genehmigung wäre eine isolierte Befreiung notwendig.

Maier gab in der Sitzung an, die Zustimmung einer direkten Nachbarin und Gebäudeeigentümerin aufgrund bestehender Differenzen nicht eingeholt zu haben.

Die Stadtverwaltung sah in einer ersten Stellungnahme angesichts der Höhe der Einfriedung "unmittelbar vor der von Fußgängern stark frequentierten Erhartinger Straße gewisse Probleme in gestalterischer Hinsicht".

Maier sagte noch in der Sitzung, er lehne eigentlich einen Vorschlag der Versicherung ab, ein Schrottauto als Schutz vor die Ausstellungswagen zu stellen.

Bürgermeister Horst Krebes (SPD) schlug eine Gesamthöhe von 1,80 Meter vor. Unter anderem Stadtrat Werner Lehner (SPD) brachte eine Plexiglasscheibe statt einer Mauer ins Gespräch, eventuell mit einem Werbeplakat versehen. Eichelberger (FW) hielt ein Stahlgitter mit Begrünung für denkbar.

Günter Zellner (SPD) war sich nicht sicher, ob verkehrstechnische Sichtbeziehungen von Fußgängern auf dem Gehsteig durch ein solches Vorhaben beeinträchtigt würden.

Der Ausschuss sprach sich mit 6:5 Stimmen gegen eine 1,80 Meter hohe Mauer aus. Die in der Sitzung von Maier geäußerte Idee, das Gabionen-Gestell mit Plexiglasscheiben zu bestücken, stand nicht mehr zur Abstimmung.

Krebes äußerte die Hoffnung, dass man vielleicht doch noch einen gemeinsamen Weg finden könne. Maier verließ die Sitzung.

Gestern hat der Unternehmer einen erneuten Antrag für die Stadtratssitzung am kommenden Mittwoch eingereicht - ein Gabionengitter, mit milchigen Plexiglasscheiben soll es sein. Wenn der Stadtrat das nicht genehmigt, bleibt der ausgemusterte Transporter stehen. Der Wagen ist höher und breiter als jede Mauer. Dadurch fehlt ein Stellplatz für einen Ausstellungswagen.

Eine Gabionenmauer steht bereits in der Erhartinger Straße, etwa 200 Meter von der Tankstelle Maiers entfernt. Nach Angaben Maiers haben viele seiner Kunden ihr Unverständnis über die Mehrheits-Entscheidung des Bauausschusses geäußert.

rob/Mühldorfer Anzeiger

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