Ein Tag für pflegende Angehörige

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Altötting - „Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt“ – und die brave Frau erst recht. Das gilt doppelt für all die, die einen Angehörigen zu Hause pflegen.

Hunderttausende versehen in Deutschland diese wichtige Aufgabe, ohne sie wäre das System der Pflege unbezahlbar und mangels Pflegekräften längst zusammengebrochen. Gedankt wird den pflegenden Angehörigen ihr Einsatz mit einem schmalen Pflegegeld und warmen Worten aus der Politik. Ihre Probleme und ihre Bedürfnisse werden selten wahrgenommen und noch weniger berücksichtigt.

Genau deswegen wollten Jürgen Jordan, der für Senioren zuständige Sachgebietsleiter im Landratsamt, und Gerda Winkler, die Leiterin der Sozialen Dienste beim BRK, wo die Fachstelle für pflegende Angehörige angesiedelt ist, einmal nicht die Pflege, sondern die Pflegenden in den Mittelpunkt stellen. Im Neuöttinger Pfarrzentrum am Klösterl veranstalteten sie einen „Wohlfühltag“, der pflegenden Angehörigen außerhalb des Alltags die Gelegenheit geben sollte, zu sich selbst zu finden und mit Menschen in ähnlicher Situation Kontakt zu bekommen.

Bei der inhaltlichen Gestaltung wurden die Veranstalter von Simone Hörl unterstützt. Die Marktler Heilpraktikerin hat als Psycho- und Kunsttherapeutin Erfahrung mit Methoden und Techniken, die den „Pflegestress“ erleichtern. Charakteristisch für die häusliche Pflege ist es ja, dass ein „Abschalten“ schwer möglich ist und häufig die Kontakte nach außen eingeschränkt werden. So werden nicht selten über die Jahre aus pflegenden Helfern selbst Pflegebedürftige. Angesichts der zunehmenden Zahl von alten Menschen bahnt sich hier eine große gesellschaftliche Herausforderung an, wie Jürgen Jordan konstatiert. Aktionen wie der „Wohlfühltag“ können vor diesem Hintergrund Signalwirkung haben.

Die Resonanz war jedenfalls ausgesprochen positiv. Achtzehn pflegende Angehörige aus dem ganzen Landkreis ließen sich auf das ungewohnte Abenteuer ein, einen Tag lang das eigene Wohl bewusst an die erste Stelle zu setzen. Am Ende waren die Teilnehmer angenehm überrascht, was in einigen Stunden an Impulsen und Erkenntnissen möglich ist. Für Jürgen Jordan und Gerda Winkler eine Ermutigung, dass ihre Angebote für pflegende Angehörigen auf fruchtbaren Boden fallen.

Pressemitteilung BRK Altötting

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