"Er war ein hervorragender Pfarrer"

Engelsberg/Garching - Vor über 20 Jahren wurde der frühere Pfarrer des Pfarrverbandes Engelsberg-Garching, Peter H., wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Trotzdem hält man in den zwei Gemeinden zu dem Geistlichen.

"Er hat seine Sache in unserer Gemeinde super gemacht und durch seine rhetorischen Fähigkeiten und seinen tollen Predigten dazu beigetragen, dass die Kirche wieder voll war", sagt Wolfgang Reichenwallner, Garchings Bürgermeister.

Durch einen Bericht in der Süddeutschen Zeitung wurde am Wochenede bekannt, dass der frühere Pfarrer der Gemeinden Engelsberg und Garching ,Peter H., 1986 vom Amtsgericht Ebersberg wegen sexuellen Missbrauchs zu 18 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe von 4000 Mark verurteilt worden ist. Schon vor seiner Verurteilung stand der Pfarrer zwei Mal unter dem Verdacht, Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Als Kurat kam der Geistliche 1987 nach Garching, wo er bis September 2008 im Pfarrverband Engelsberg-Garching tätig war. Danach ging er als Kur- und Tourismusseelsorger nach Bad Tölz.

In Garching und Engelsberg habe man nichts von der Vergangenheit des Pfarrers gewusst. "Es hat schon betroffen gemacht, als wir davon erfuhren", meint Bürgermeister Reichenwallner, "trotzdem muss man auch vergeben können." Peter H. habe sich seit seiner Verurteilung nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Das habe auch das Ordinariat bestätigt. "Er hat aus seinen Fehlern gelernt."

Martin Lackner, Engelsbergs Bürgermeister, sieht die Situation wie sein Garchinger Amtskollege. "Der Pfarrer war bei allen sehr beleibt, wir haben gut zusammengearbeitet." Aus seiner Gemeinde habe der Bürgermeister seit Bekanntwerden der Vorstrafe des Pfarrers auch noch nichts Negatives gehört. "Der jetzige Pfarrer Günter Eckl ist am Sonntag in seiner Predigt auf die Situation eingegangen und hat darauf hingewiesen, dass man bei den schlechten Nachrichten nicht das Gute, das Peter H. getan hat vergessen darf." 

Als Pfarrer Peter H. 1980 wegen Verdachts auf sexuellen Missbrauch aus seiner damaligen Pfarrgemeinde im Bistum Essen nach München versetzt worden war, fungierte Papst Benedikt XVI. als Erzbischof von München und Freising - ein Angriffspunkt auf das Kirchenoberhaupt. "Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für manche. Wahrscheinlich gibt es auch deshalb so viel Wirbel um unseren früheren Pfarrer", meint Reichenwallner.

In den zwei Gemeinden im Landkreis Altötting wird man Pfarrer Peter H. trotz allem in guter Erinnerung behalten. Reichenwallner steht bis heute in gutem Kontakt mit dem Pfarrer. "Momentan zieht er sich verständlicherweise zurück, aber wenn sich alles beruhig hat, werde ich weiterhin den Kontakt zu ihm pflegen. Er hat seine Strafe bekommen und es ist falsch, ihn so an den Pranger zu stellen." 

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Anette Mrugala

 

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