Bürgermeister Peter Haugeneder: „Sind erst am Anfang der Diskussion“

Parksituation am Neuöttinger Stadtplatz: Ein Problem oder verwöhnt?

Aufgrund der Abstandsregeln fallen Sitzplätze weg. Mehr Fläche zum Bewirten soll am Neuöttinger Stadtplatz für Ausgleich sorgen.
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Im Sommer fallen einige Parkplätze am Neuöttinger Stadtplatz für die Gastronomie weg. Umso wichtiger scheint es, die Dauerparker raus zu bekommen. Die Frage ist nur wie.

In der jüngsten Stadtratssitzung am Donnerstag, 11. Februar, wurde dem Gremium eine Analyse der derzeitigen Parksituation vorgestellt. Das Ergebnis: Eigentlich gibt es genügend Parkplätze am und rund um den Stadtplatz in Neuötting. Dennoch gibt es für viele Stadträte Verbesserungspotential.

Neuötting – Im Auftrag der Stadt Neuötting wurde die Firma Ingevost für eine Verkehrsuntersuchung beauftragt. Um genauer zu sein wurde das Parkverhalten am Stadtplatz beobachtet. „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass genügend Parkplätze vorhanden sind. Insbesondere dann wenn ein kurzer Fußweg akzeptiert wird“, so Christian Fahnberg, Projektleiter bei Ingevost.


Analyse: „Grenzen noch nicht erreicht“

Untersucht wurden drei Werktage – ein Montag, ein Donnerstag und ein Freitag - im Zeitraum vom 21. September und 1. Oktober vorherigen Jahres. Insgesamt 1050 Parkplätze wurden beobachtet. Im Fokus standen dabei besonders die Stellplätze in der Ludwigsstraße, der Möhrenbachstraße sowie in der Altöttinger Straße. „Generell herrscht ein großer Parkdruck, aber die Grenzen sind noch nicht erreicht“, so das Fazit von Fahnberg.


Die Parkgaragen seien gut ausgelastet, aber dafür seien sie auch geschaffen worden. Ebenso seien die Plätze in der Möhrenbachstraße gut frequentiert. Besonders außerhalb des Stadtplatzes seien genügend Parkplätze frei. Von diesen sei man auch innerhalb von fünf Minuten am Stadtplatz. Auch die Wegweisung wäre sehr gut. Zudem sind alle Parkplätze gebührenfrei, das ein sehr seltenes Phänomen sei.

Dennoch müsse der Stadtrat laut Fahnberg entscheiden, ob sie mögliche Maßnahmen ergreifen will. „Ein dynamisches Parkleitsystem würde den Parksuchverkehr vermeiden. Wenn der Stadtplatz überfüllt ist, werden die Autofahrer mit einer digitalen Anzeige informiert und auf freie Parkplätze hingewiesen und würden erst gar nicht Richtung Stadtplatz fahren“, so Fahnberg. Diese Option sei nicht billig, aber neue Parkplätze – eine weitere Variante - wären teurer.

Dauerparker am Stadtplatz oder Parkgebühren?

Laut Claudia Hann (CSU) würde die Parkplatzthematik zu 95 Prozent den Stadtplatz betreffen. „Dort ist die gefühlte Not am größten“, so Hann. In der Untersuchung seien aber viele Parkplätze berücksichtigt worden, die für sie persönlich nicht zum Stadtplatz gehören. Die große Frage wäre daher, wie man die Dauerparker ohne Parkgebühren dort weg bekommt.

Laut Fahrenberg sei dies nicht möglich. Entweder durch Parkgebühren oder eben Strafzetteln. Eine Einführung von Parkgebühren wäre daher eine Option, um die Dauerparker raus zu bekommen. Im Zentrum wäre es kürzer erlaubt und teurer, außerhalb länger und billiger. Am Rand sogar ganztags kostenlos.

Parksuchverkehr ein weiteres Problem

Für Monika Pfriender (Grünen) benötigt die Stadt eine innerstädtische Entwicklung. „Die Attraktivität des Stadtplatzes muss weiter gesteigert werden, um mehr Kunden anzulocken. Aber das heißt nicht, dass die Kunden unbedingt direkt vor dem Geschäft parken müssen“, so ihre Ansicht. Die parkenden Autos müssten raus, eine Gehzeit zwischen fünf und zehn Minuten wäre erträglich. Ziel müsste sein, dass alle Verkehrsteilnehmer – Fußgänger und Radfahrer mit einbezogen - gleichberechtigt sind. Der Parksuchverkehr am Stadtplatz müsste mehr verhindert werden.

In diesem Zuge erwähnte Jürgen Gastel (SPD) die dazugehörige Staubildung, wenn ein Auto am Stadtplatz auf beiden Seiten einen Parkplatz sucht. Diese würde teilweise sogar mit Schrittgeschwindigkeit fahren. Daher sei es manchmal vielleicht auch eine Empfindungssache, dass man keinen Parkplatz findet. Interessant wäre daher, ob dies mit Maßnahmen verhindert werden könnte.

Fahnberg erwiderte darauf, dass man natürlich nur die Stellplätze auf der rechten Seite verwenden sollte. „Aber wenn links einer frei ist, fährt man da rein“, so der Projektleiter. Schräge Parkplätze würden vielleicht für noch größere Behinderungen sorgen, da es schwieriger ist einzuparken. Zudem verliere man die Flexibilität eines senkrechten Stellplatzes.

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Auf dem Land verwöhnt?

Christa Puppe (Grünen) brachte in diesem Zuge saisonale Radfahrständer ins Spiel. „Ein Stellplatz sind für zehn Fahrräder.“ Rupert Bruckmeier (SPD) will die Arbeitgeber mit ins Boot holen, damit die ihren Beschäftigen im Vertrag vorschreiben, dass sie außerhalb des Stadtplatzes parken sollen. Diese würden ihre den Kunden ja den Platz wegnehmen.

Verena Mayer (CSU), ebenfalls auch WINN-Vorsitzende, gab als Vertreterin des Handels auch Feedback und sprach sich sehr für ein dynamisches Parkleitsystem aus. Ihrer Meinung nach gebe es nicht genügend Parkraum. „Das ist sicher eine Empfindung, aber auf dem Land sind wir sehr verwöhnt“, so Mayer. Es müssten Alternativen geschaffen werden für Dauerparker. Das würde Raum für Fahrradfahrer schaffen. „Wir müssen daran arbeiten, denn nach Corona müsste unbedingt wieder Leben auf den Stadtplatz“, so ihre Einschätzung.

Der Stadtrat werde sich laut Peter Haugeneder zeitnah mit dieser Thematik beschäftigen. „Wir sind nicht am Ende der Diskussionen, sondern erst am Anfang “, versicherte der Bürgermeister.

jz

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