Videowettbewerb von "Campact"

Neuöttinger protestiert gegen Freihandel

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Ein Teufel als Unternehmensvertreter? Der Neuöttinger Markus Straßer wählte für sein Video gegen das Freihandelsabkommen eine recht deutliche Bildsprache.
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Neuötting - Gegen den "Elvis" USA und die "Teufel" der US-Konzerne: Ein Neuöttinger Musiker protestiert mit einem Video gegen das transatlantische Freihandelsabkommen.

Eigentlich ist Markus Straßer aus Neuötting für seine lustigen Video bekannt. Schon vor ein paar Jahren gewann er damit mehrere Videowettbewerbe und erst vor einigen Wochen sorgte der Musikpädagoge mit seinen Parodien der RTL-Sendung "Der Bachelor" für Lacher. Jetzt aber hat sich Straßer einem ernsten Thema gewidmet, dem transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP).

Das Protest-Video von Markus Straßer:

"Bei den Käse-Sachen jubelt das Volk"

Mit seinem TTIP-Video nimmt Markus Straßer an einem Wettbewerb der Nichtregierungsorganisation Campact teil. Wessen Video am häufigsten auf Facebook geteilt wird, gewinnt. Dem Sieger winkt ein Geldpreis.

"Man hat als Künstler eigentlich immer daran zu knabbern, dass es keinen interessiert, wenn man etwas Ernstes anschneidet", erklärt Straßer im Gespräch mit unserer Redaktion. "Sobald man aber das Flaggschiff RTL, diese Käse-Sachen, auf den Arm nimmt, jubelt das Volk." Mit der Bachelor-Parodie, die ihm nach eigener Aussage durchaus Spaß gemacht hat, wollte Straßer auch Aufmerksamkeit für anderen Projekte gewinnen. "Ich wusste, dass ich mit Bachelor Fans sammeln kann. So kann man die Leute erreichen." Sobald man geschafft habe, die Leute auf sich aufmerksam zu machen, könne man vielleicht etwas machen, "das ein bisschen mehr Anspruch und Wichtigkeit hat".

Wichtig ist Straßer im Moment vor allem das TTIP. Das Freihandelsabkommen wird derzeit ausgehandelt, und weil die Gespräche unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, kann über die genaue Ausgestaltung des TTIP nur spekuliert werden. In seinem Video zeichnet Straßer ein recht düsteres Bild. Er nennt jede Menge Kritikpunkte, wie etwa die medial oft erwähnten Chlorhühnchen und genmanipulierte Lebensmittel, die mit dem TTIP Einzug in die EU halten könnten. Auch die Schiedsgerichte - ein möglicher Bestandteil des TTIP - spricht der Neuöttinger an. Vor Schiedsgerichten könnten Unternehmen Staaten verklagen, falls sie sich von einem Gesetz in ihren Interessen benachteiligt fühlen.

Straßer fürchtet um deutsche Standards

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Straßer arbeitet in seinem Video mit mehr als deutlichen Botschaften. Amerika, verkörpert von einem Elvis, und die amerikanischen Unternehmen, repräsentiert von einem Teufel, wollen einem Bayern das Freihandelsabkommen schmackhaft machen (alle drei gespielt von Markus Straßer). Die Botschaft ist klar: Das TTIP nützt den USA respektive den dortigen Unternehmen und schadet der EU. "Das Schlimmste ist eigentlich der Versuch, das durchzubringen auf Kosten der Gesundheit", sagt Straßer, der um die deutschen und europäischen Standards fürchtet.

Tatsächlich wird das Freihandelsabkommen in der Region mehr als kritisch gesehen, wie die Demonstration am Mühldorfer Stadtplatz belegt. Skeptisch ist man allerdings auch jenseits des Atlantiks. So gilt in den USA beispielsweise der hierzulande zugelassene Rohmilchkäse als unhygienisch. Auch TTIP-kritische Amerikaner fürchten also um die in ihrer Heimat üblichen Standards.

Am Ende sterben Elvis und der Teufel

Die möglichen wirtschaftlichen Vorteile des Abkommens - mehr Wachstum und Arbeitsplätze - mag Straßer nicht so recht glauben. "Merkel sagt, es bringt mehr Arbeitsplätze. Aber wo denn?", fragt der Neuöttinger. Straßer fürchtet, dass hierzulande sogar Jobs verschwinden könnten, weil das Angebot aus den USA regionale Anbieter verdrängen könnte.

Der Schluss des Videos ist recht radikal: Der Bayer erschießt Elvis und den Teufel. Straßer will dies jedoch keineswegs als Aufruf zur Gewalt verstanden wissen. "Das soll nicht gewaltverherrlichend sein." Vielmehr sieht es der Neuöttinger als bewusste Überspitzung. Die symbolischen Figuren Elvis und Teufel habe er schließlich ganz bewusst gewählt: "Elvis ist schon tot und um den Teufel ist's nicht schade."

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