Noviziat in Alzgern

Ein Jahr Legionäre Christi in Neuötting

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Priester und Novizen der Legionäre Christi nahmen heuer an der Altöttinger Fronleichnamsprozession teil
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Neuötting - Seit einem Jahr gibt es das Noviziat der Legionäre Christi in Alzgern. Im Vorfeld kritisch beäugt, fühlen sich die Novizen mittlerweile gut aufgenommen.

Seit einem Jahr gibt es in der Neuöttinger Ortschaft Alzgern das Noviziat des Ordens "Legionäre Christi". Bereits bevor auch nur ein Novize nach Alzgern kam, gab es bereits kritische Stimmen über den Orden. Vor einigen Jahren hatte es Skandale um den mittlerweile verstorbenen Ordensgründer gegeben, zudem gelten die Legionäre Christi als sehr konservative Gemeinschaft.

"Damit ist jeder Ordensmann konfrontiert"

In ihrem ersten Jahr in Alzgern haben die Legionäre Christi aber offenbar nach und nach ein gutes Verhältnis zur Bevölkerung aufgebaut. Mehr noch: Die jungen Novizen fühlen sich inzwischen sogar heimisch. "Die fühlen sich da angekommen, auch aufgenommen. Es gibt sehr viel spontane Hilfe, vielleicht ist das auch sehr typisch für Bayern", erzählt Karl-Olaf Bergmann, Sprecher der Legionäre Christi. Bergmann hat sein Büro zwar in Düsseldorf, sucht aber regelmäßig das Gespräch mit den Neuöttinger Novizen. Die Offenheit und Hilfsbereitschaft der Bürger seien für die jungen Männer sehr wichtig. "Sie fühlen sich nicht außen vor, sie fühlen sich nicht weg. Wenn sie durchs Dorf gehen und die Menschen ansprechen, ist eine Offenheit da." Für diese Offenheit seien die Novizen sehr dankbar.

Neugierig beäugt werden die Novizen durchaus mal. Allerdings nicht, weil sie Legionäre Christi sind, sondern ganz allgemein, weil sie sich für ein Ordensleben entschieden haben. "Andere junge Leute sagen: 'Das will ich jetzt schon mal näher wissen. Warum lauft ihr so rum? Warum wollt ihr diesen Lebensweg einschlagen?'", erzählt Bergmann, der das aber normal und durchaus positiv findet. "Ich glaube, dass das etwas ist, womit ein Ordensmann auch später konfrontiert sein wird - ein Priester sowieso", sagt Bergmann. "Ich glaube, dass das für die jungen Leute eher positiv ist, weil sie dadurch auch sehen, welche Fragen die Menschen haben." Bergmann ist davon überzeugt, dass es den jungen Leute gut tue, wenn sie sich als "Antworter" stellen müssten.

"Sie helfen, wo immer sie gefragt werden"

Vor rund einem Jahr hatten auch mehrere Geistliche Bedenken, dass die Legionäre Christi nach Neuötting kommen. Dekan Günther Mandl äußert sich inzwischen aber sehr lobend über das Noviziat und die dortigen Priester. "Sie helfen aus, wo immer sie gefragt werden." Fällt mal ein Pfarrer aus, versucht der Dekan, eine Vertretung zu organisieren. Entweder über die Kapuziner oder Geistliche im Ruhestand - oder eben über die Legionäre Christi. "Da hat's noch nie ein Nein gegeben. Sie übernehmen kurzfristig Sonntagsmessen, wo auch immer", lobt Mandl.

Auch an der Rufbereitschaft im Krankenhaus beteiligen sich die Legionäre Christi, vor allem am Wochenende, wenn die Pfarrer in den Gemeinden viel Arbeit haben. Auch das wisse er zu schätzen, sagt Mandl. Der Bereitschaftsdienst ist eine besonders schwierige Aufgabe. Die Priester eilen oft mitten in der Nacht auf die Intensivstation, um das Sakrament der Krankensalbung zu spenden und Angehörige zu trösten. Der Altöttinger Stadtpfarrer Mandl lobt die Legionäre Christi diesbezüglich ausdrücklich: "Da höre ich nur positive Rückmeldungen."

"Damnatio memoriae" für den Ordensgründer

Dem Dekan ist aber auch die Geschichte des Ordens bewusst: "Sie haben ein schreckliches Paket in ihrer Geschichte", sagt Mandl. Er selbst habe bei seiner Predigt in einem Morgengottesdienst bei den Legionären Christi gesagt: "Bitte trennt euch von eurem Gründungsvater. Der ist absolut geeignet, euch ein falsches Vorbild zu geben." Mandl glaubt daran, dass die Legionäre Christi ihre Geschichte und ihren Gründer abgelegt hätten, spricht sogar von einer "damnatio memoriae", also einer Verbannung der Erinnerung an den Gründer.

Auch die Führungskultur im Orden hat sich Mandl zufolge gewandelt. "Das urspürglich sehr autoritäre System, scheint mir, wird aufgebrochen", sagt der Dekan, der auch hervorhebt, dass die einst als "Millionäre Christi" verschriene Legionäre in Neuötting sehr bescheiden lebten. "Was mich fast rührt ist, dass sie so arm leben. Die leben wirklich spartanisch. Von wegen 'Luxusleute'." Dies alles ermutige ihn zu sagen: "Sie sind auf einem guten Weg."

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