Bei Stadtratssitzung bekannt geworden

Solarpanels in Neuötting missfallen Landesdenkmalamt

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Neuötting - In der letzten Stadtratsitzung wurde bekannt, dass Neuötting nun selbst Hand anlegen muss. Denn ein Bauantrag der Energiegenossenschaft Inn-Salzach(EGIS), für eine Installation am Fuß des Stadtberges, auf der Rückseite des Rathauses, wurde vom Landesdenkmalamt vorerst blockiert.

Die Energiegenossenschaft sollte in der Möhrenbachstraße im Einvernehmen mit der Stadt einen Carport aus Solarpanels errichten. Die Installation soll zwei inzwischen abgerissene Doppelgaragen ersetzen und für insgesamt neun Fahrzeuge von Rathausmitarbeitern und den Stadtbus, als Unterstand dienen. Zudem sollen dort auch Elektrotankstellen errichtet werden. Laut Kalkulation könnten auf diese Weise pro Jahr 48.000kWh Ökostrom erzeugt werden und damit geschätzte 70% des direkten Strombedarfs im Rathaus decken: „Wir haben auch Verbrauchsstellen, die rund um die Uhr Strom benötigen“, erklärt Bauamtsleiter Alois Schötz den geringen Wert. 

Zwar belaufen sich die Kosten nach den bisherigen Plänen der EGIS auf 120.000 Euro, doch wollte Bürgermeister Peter Haugeneder(SPD) auch die 25.000 Euro vom Klimaschutzpreis 2017 zuschießen, die man für den gemeinsamen Bau der Lärmschutzwand bei der Motessorischule gewonnen hatte.

Dank eines Antrags des CSU-Fraktionssprechers Klaus Angermaier wurde das Thema, das nach dem Willen des Bürgermeisters gar nicht öffentlich diskutiert werden sollte, am vergangenen Donnerstag schließlich doch publik. „Ich bin froh über den Antrag, es öffentlich zu diskutieren!“, erklärte Jürgen Gastel, Fraktionssprecher der SPD. 

Bürgermeister Peter Haugeneder berichtete daher, dass das Bayerische Landesdenkmalamt durch den Carport „die Sichtline auf den Stadtplatz behindert“ sieht und dem für die Erteilung der Baugenehmigung zuständigen Landratsamt daher die Ablehnung des Bauantrages empfiehlt. 

Nachdem bei einer früheren Ortsbegehung nichts Derartiges zu hören gewesen war, trifft dieser Bescheid nun auf das Unverständnis des gesamten Neuöttinger Stadtrates: „Das ist doch hinter der Häuserzeile gar nicht einsehbar! Steigende Strompreise, Förderung dezentraler Lösungen und jetzt sowas?“, fasste Antragsteller Klaus Angermaier sein Unverständnis in Worte. Schließlich solle die Installation lediglich knapp 4,5 Meter an der Höchsten Stelle werden und würde daher von den Häusern in der Möhrnbachstraße mehrheitlich überragt.

 Bürgermeister Haugeneder erhielt daher große Zustimmung vom gesamten Stadtrat für seine Ankündigung: „Wir werden jetzt die Bauträgerschaft von der EGIS auf die Stadt übertragen, weil wir ein hohes Interesse daran haben, das Projekt zu verwirklichen!“. 

Mit der Absicht der Stadt Neuötting konfrontiert, einen etwaigen negativen Bescheid nötigenfalls gerichtlich anzufechten, teilte das Altöttinger Landratsamt mit, dass man „die Empfehlung der oberen Denkmalbehörde“ als verbindlich ansehe und daher den Bauantrag abweisen müsse, wie Pressesprecher Markus Huber mitteilte. Das Bayerische Landesdenkmalamt selbst wollte zum jetzigen Zeitpunkt gar keine Position beziehen. 

„Ich verstehe es überhaupt nicht“, erklärte auch Stadtrat Reinhard Müller(CSU) auf Nachfrage von innsalzach24.de. Zwar war der Stadtratsreferent für Liegenschaften auf der Sitzung in der vergangenen Woche gar nicht dabei, doch hatte Müller seinerzeit bei der Ortsbegehung „kein ablehnendes Wort gehört“. 

Daher zeigte sich Müller enttäuscht vom Landesdenkmalamt: „Manchmal bekommt man den Eindruck, dem Landesamt ist es lieber, wenn Objekte verfallen!“. Ähnlich ginge es nämlich Hausbesitzern auf dem historischen Stadtplatz, deren Renovierungsvorschläge auch oft abgewiesen würden. Anliegerin Christa Hummelsberger meint: „Meine Mutter, mit ihren 95 Jahren, wird’s nicht mehr stören, aber schön ist das nicht! Allerdings möchte ich nicht, dass Bäume gefällt werden müssen". Das auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegende Anwesen der Mutter ist zwar insgesamt etwa 1,5 Meter höher; es könnte den Carport aber, je nach Blickwinkel, wohl nur teilweise verdecken.

pbj

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