Nach Schulbusunglück in Neuötting

Supermarkt-Mitarbeiter als Ersthelfer: "Habe ein Krachen gehört und bin raus gerannt"

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Nicole Prosch (l.) und Philip Plank (r.) haben als Ersthelfer einen tollen Einsatz gezeigt
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Neuötting - In Neuötting ist am Donnerstag, 27. Juni, ein vollbesetzter Schulbus mit einem Lastwagen zusammengeprallt. Dabei wurden mindestens 40 Personen, darunter viele Schüler, teilweise schwer verletzt. Mittendrin waren zwei Mitarbeiter vom Norma-Supermarkt, die einen tollen Einsatz gezeigt haben.

Philip Plank (17) saß gerade an der Kasse, als der vollbesetzte Schulbus mit einem Lastwagen direkt vor dem Norma-Supermarkt zusammenprallte: "Ich habe nur ein lautes Krachen gehört. Ich bin sofort rausgegangen und habe nachgeschaut, was passiert ist." Einige Kinder seien hektisch aus dem Bus gelaufen und hätten ihn sofort um Hilfe gebeten. Als erstes habe er den Notarzt angerufen, ehe er den Verbandskasten geholt hat.

Großeinsatz nach Schulbus-Unglück in Neuötting

Seine Kollegin, Nicole Prosch (37), war zum Zeitpunkt des Unfalls im Lager und wurde erst durch Philipp darauf aufmerksam gemacht. Als sie aus dem Lager kam, sind die Kinder bereits in den Supermarkt hereingestürmt. „Ich habe sofort unser ganzes Verbandszeug aus dem Regal geholt“, berichtet Nicole.

Filiale geschlossen

Beide gestehen, dass sie wohl selbst ein wenig unter Schock gestanden sind. Doch sie hätten versucht ruhig zu bleiben, um den Kindern zu helfen. Nach Absprache mit dem Filialleiter, der zum Zeitpunkt nicht vor Ort war, wurde der Markt sofort geschlossen, um die Verletzten in der Filiale zu versorgen.

Schließlich war es sehr heiß draußen und im Gebäude angenehm kühl. Dort bekamen die Kinder auch Wasser und Eis von den beiden. „Für unseren Filialleiter war dies eine Selbstverständlichkeit - ebenso, dass die Kosten dafür von Norma getragen werden", berichtet Nicole.

Unverständnis bei manchem Kunden

Unverständnis kam dabei bei manchen Kunden auf, die es nicht verstehen konnten, dass sie nicht einkaufen konnten. "Ich würde es wieder so machen", erzählt Nicole. Es sei dabei darum gegangen, den Kindern zu helfen und nicht an der Kasse zu sitzen. „Wenn man helfen kann, dann macht man es einfach“, so die 37-Jährige. Jeder wäre froh, Hilfe zu bekommen, wenn man selbst in einer ähnlichen Situation stecken würde.

Knappe drei Stunden war der Laden geschlossen. „Als die Kinder einigermaßen zur Ruhe gekommen sind, haben wir uns auch um die Rettungskräfte draußen gekümmert und haben sie mit Getränken versorgt“, berichtet Philip. Für ihn sei dieses Erlebnis ein Tag, den er nie vergessen wird. So etwas würde man keiner Person wünschen, doch letztendlich sei man in dieser Situation gewesen und hat versucht zu helfen.

Emotional sehr bewegend - Lob für Einsatz

Am Abend sind Philip die ganzen Eindrücke nicht aus den Kopf gegangen: „Ich habe Berichte darüber gelesen, Videos und die Bilder angeschaut.“ Emotional habe ihn diese Situation sehr bewegt, zumal er sogar ein Kind persönlich kannte. Zum Schlafen sei er letzte Nacht deshalb nicht gekommen. Nicole dagegen habe zu Hause mit ihrem Mann über das Erlebte gesprochen und konnte es somit ganz gut verarbeiten.

Lob gab es für ihren Einsatz von der stellvertretenden Filialleiterin, Frau Bachmeier, die selbst erst später zum Markt gekommen ist: „Das haben beide prima gemacht. Vor allem Philip hat sich mit seinen jungen Jahren sehr gut verhalten und hat sich bestens um die Kinder gesorgt“.

jz

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