Einbruch in Neuöttinger Schnellrestaurant

Flex-Einbrüche: Polizei sieht keine Verbindung

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Die Flex ist ein beliebtes Werkzeug gut vorbereiteter Einbrecher. Am Sonntagmorgen öffneten unbekannte Täter damit den Tresor eines Neuöttinger Schnellrestaurants.
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Neuötting - Es wurde wieder geflext, dieses Mal in einem Neuöttinger Schnellrestaurant. Bereits Ende 2013 schlugen Einbrecher in Mühldorf zweimal mit einer Flex zu.

Mal wieder sorgen in der Region Tresorknacker für Aufsehen. Dieses Mal erwischte es ein Schnellrestaurant in Neuötting, erneut benutzten die Täter eine Flex, um sich Zugang zu dem Tresor zu verschaffen. Bereits Ende Dezember hatte eine Einbruchsserie Mühldorf in Atem gehalten. Damals schlugen unbekannte Täter fünfmal binnen zwei Wochen zu, in zwei Fällen kam eine Flex zum Einsatz.

Seinerzeit sah die Polizei eine Verbindung, lediglich ein Einbruch wich von den anderen vier Taten deutlich ab. Dass es sich bei den Neuöttinger Einbrechern erneut um dieselben Täter handeln könnte, schließt die Polizei nach gegenwärtigem Kenntnisstand jedoch aus. Man prüfe in solchen Fällen immer, ob ein Zusammenhang zu anderen Taten bestehe, erklärt Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, gegenüber unserer Redaktion. Das Ergebnis der Überprüfung ist jedoch eindeutig: Die Mühldorfer Einbrecher sind nicht auch in das Neuöttinger Schnellrestaurant eingebrochen.

Einbrecher haben selten das Stethoskop am Ohr

Was ist eine "Flex"?

"Flex" ist ein Markenname, dient in Deutschland aber als Überbegriff für Winkelschleifer. Diese Werkzeuge bestehen aus einem Winkelgetriebe und einer schnell rotierenden Schleifscheibe. Mit bis zu 13.300 Umdrehungen pro Minute können Winkelschleifer Metall und Gestein durchtrennen.

Das scheinbar markanteste Merkmal der Tat, nämlich dass erneut ein Tresor aufgeflext wurde, ist für die Polizei nichts Besonderes. Allzu oft bringen Einbrechern schweres Gerät mit. "Einbrecher bereiten sich ja in der Regel gut auf ihre Beutezüge vor und nehmen das Werkzeug mit, das sie dann gebrauchen werden", erläutert Sonntag. Wollen die Täter einen Tresor öffnen, ist die Flex oft erste Wahl. Geräuschärmere Methoden wählen die Täter hingegen selten. "Diese Leute mit dem Stethoskop am Ohr, die die Zahlenkombination hören oder ertasten - das ist die große Ausnahme", so der Polizeisprecher. Er selbst habe in den letzten Jahren gar nicht mehr von so einem Fall gehört oder gelesen. "In der Regel wird mit brachialer Gewalt vorgegangen." Der Grund dafür ist simpel: Je länger sich die Täter am Tatort aufhalten, desto höher ist das Risiko, entdeckt zu werden. Und in Sachen Geschwindigkeit macht das Stethoskop der Flex eben nichts vor.

Doch nicht immer haben die Täter mit ihrem Werkzeug Erfolg. Regelmäßig findet die Polizei am Tatort einen beschädigten, aber ungeöffneten Tresor. Manche Täter bekommen kalte Füße oder müssen fliehen, weil sie entdeckt wurden - oder aber, ihr Werkzeug beißt sich am Tresor schlicht die Zähne aus.

Casino-Einbrecher riskierten, entdeckt zu werden

Um die passende Ausrüstung kümmert sich aber nicht jeder Einbrecher. "Es gibt Einbrüche, die von Jugendlichen in ihrer eigenen Schule begangen werden, wo man im Rektorat einbricht oder ins Sekretariat, weil man weiß, da ist irgendeine kleine Kasse. Da bereitet man sich nicht so gut drauf vor. Da wird einfach ein Fenster aufgedrückt", so Sonntag. Manchmal sind die Täter aber auch gut vorbereitete Ex-Angestellte, die in ihren ehemaligen Betrieb einbrechen, erklärt Sonntag: "Manchmal hat man dort gearbeitet, wurde dann rausgeworfen, weiß aber, was dort zu holen ist. Dann kommt man halt irgendwann mit dem entsprechenden Werkzeug dahin."

Der wahrscheinlich spektakulärste Fall aus der Mühldorfer Einbruchsserie Ende 2013, und der wohl aufsehenerregendste Einbruch in der Region überhaupt in letzter Zeit, ereignete sich in der Spielothek "Joker". Die Täter drangen in das Casino ein, indem sie von der benachbarten Tanzschule aus die Wand durchbrachen. Derartige Aktionen sind selten, passieren Sonntag zufolge aber immer wieder einmal. Aus Sicht der Polizei agieren die Täter aber nicht besonders clever. "Die Wand zu durchbrechen dauert in der Regel länger, das ist schon ein hohes Risiko", erklärt Sonntag. Zudem verursachen die Täter dabei ordentlich Lärm und brauchen Werkzeug, weshalb das Entdeckungsrisiko steige, so Sonntag. Die Gefahr ist in solchen Fällen sehr groß, dass in der Nachbarschaft jemand etwas hört und die Polizei verständigt. 

Polizei bittet: Öfter 110 anrufen

Grundsätzlich sind Einbrüche für die Polizei ein "schwieriges Feld", wie Sonntag sagt. Gerade weil zwischen Tätern und Opfern in der Regel keine Vorbeziehung besteht, seien derartige Delikte schwierig aufzuklären. Gegenwärtig gebe es Bestrebungen, die Polizei deutschlandweit besser zu vernetzen, "um speziell bei Profibanden, die durch die Gegend ziehen, besser voraussagen zu können, wo sie wieder zuschlagen".

Die Polizei hofft bei der Bekämpfung von Einbrüchen auch auf die Unterstützung der Bevölkerung. "Das ist unsere große Bitte: Die Polizei kann nicht vor jedem Haus jemanden postieren, um Einbrüche zu verhindern", so Sonntag. Die Leute müssten in der Nachbarschaft die Augen und Ohren offen halten. "Wenn ich ungewöhnlichen Lärm in der Nacht höre, soll ich mich nicht scheuen auch mal die 110 zu wählen und die Polizei zu verständigen." Streifenwagen sind nachts ohnehin unterwegs - und können im Fall eines Notrufs in wenigen Minuten am möglichen Tatort nach dem Rechten sehen.

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