In Neuötting

Ökostrom trifft Archäologie: Auflage bei Solarpark Mittling II

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Neuötting - Ohne Gegenstimme änderte der Neuöttinger Stadtrat den Flächennutzungsplan südlich der A94 bei Mittling. Außerdem sprachen sich die Stadträte am Donnerstag, den 13. Juni, abschließend für den Bau des Solarpark Mittling II aus. 

Seit November unterstützte die Stadt Neuötting zwei Privatinvestoren aus Alzgern dabei, auf ihren Grundstücken einen weiteren Solarpark zu errichten. Einer der beiden Bauherren ist nämlich auch schon der Eigentümer eines Solarparks genau nördlich der Autobahntrasse. 

Hierzu wurden seitens der Gemeinde Stellungnahmen von allen möglichen Seiten eingeholt: Regierung von Oberbayern, Landratsamt Altötting, Wasserwirtschaftsamt und Autobahndirektion hatten allesamt keine größeren Einwände. Sogar das Planungsbüro der 380KV-Stromtrasse wurde befragt, da die Anlage direkt unter der geplanten Stromleitung liegen könnte. Auch die Anwohner im Ort scheinen nichts gegen das Bauvorhaben einzuwenden: „Mir ist nicht bekannt, dass hier jemand ein Problem damit hätte!“, sagt beispielsweise Hubert Wiesmüller, der einige hundert Meter entfernt eine Alpaka-Farm betreibt. Dies stimmt damit überein, dass bei der Stadt Neuötting in den vergangenen Monaten keine anderen Einwände bekannt geworden.

Bedenken seitens des Bayerischen Landesdenkmalamtes

Lediglich das Bayerische Landesdenkmalamt in München hat den Bauherren zur Auflage gemacht, dass auf der gesamten Fläche vor jeglichen Bodeneingriffen und auch vor dem Befahren mit schwerem Gerät eine Erlaubnis nötig sei. Da der Landkreis aber keinen eigenen Archäologen beschäftigt, der eine solche Erlaubnis erteilen könnte, hat die zuständige Kreisheimatpflegerin Renate Heinrich in ihrer Stellungnahme an die Stadt angeordnet, zum Bauvorhaben eine archäologische Fachfirma hinzuzuziehen.„Wenn dann erst einmal ein Betonklotz in einem Kinderschädel steckt, ist es zu spät!“, verdeutlicht Heinrich. Alternativ wäre nur die Verlegung der Anlage an einen anderen Standort denkbar. „Wir haben den Bauherren die Alternativen in langen Gesprächen aufgezeigt“, so die ehrenamtliche Kreisheimatpflegerin.

Öko-Stromanlage bei Neuötting

Im bayerischen Denkmalatlas wird ersichtlich, dass östlich der von Mittling zum Innkraftwerk bei Perach führenden Straße, wo eine Teilanlage mit einer Leistung von 770KW entstehen soll, aufgrund früherer Funde ein „verebneter Grabhügel“ prähistorischen Datums vermutet wird. Auch westlich der geplanten Baufläche gibt es nachweislich ein unerforschtes mittelalterliches Grab. Der Neuöttinger Ortsteil Alzgern, zu dem auch Mittling gehört, kann generell auf eine mindestens 800-jährige Geschichte zurückblicken. Unter Anderem sind dort mehrere romanische Kirchenbauten aus dem frühen 13. Jahrhundert zu finden.

Mit großen Schätzen rechnet das Bayerische Landesdenkmalamt an dieser Stelle zwar nicht, wie Pressesprecherin und Archäologin Dorothea Gehringer auf Nachfrage und ohne Kenntnis der genauen Sachlage erklärte. Die Bauherren hoffen jedenfalls, dass sich die Kosten in Grenzen halten, denn diese muss in solchen Fällen immer der Grundstückseigner tragen. Fundgegenstände blieben zwar vorerst Eigentum der Grundstücksbesitzer, aber man müsste auch für eine fachgerechte Aufbewahrung Sorge tragen. „Ich hab ja kein Problem damit, wenn da mal beim Graben eines Kabelkanals jemand dabei ist“, erklärte Bauherr Peter Unterhofer gegenüber innsalzach24.de. Dass aber das ganze Gebiet beispielsweise erst großflächig umgegraben würde, stünde wohl nicht im Verhältnis zu der geplanten Anlage, die einmal knapp 3,2 Megawatt Ökostrom liefern soll.

pbj

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