Mutter-Kind-Haus

Eine Chance für hilfsbedürftige Mütter

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Andreas Karau und Monica Ana Hihn in einem der Kinderzimmer im Mutter-Kind-Haus
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Neuötting - Den Alltag meistern und eine Bindung zu ihrem Kind aufbauen: Das lernen hilfsbedürftige junge Mütter im neuen Mutter-Kind-Haus in Neuötting.

Eine gute Bindung zu seinem Kind aufzubauen und die Herausforderungen des Alltags zu bewältigen ist für viele, gerade junge Mütter eine große Aufgabe. Fehlt das soziale Netz oder hat die Frau eine psychische Erkrankung, braucht sie Unterstützung. Bis zu neun Mütter bekommen diese Hilfe nun im neuen Mutter-Kind-Haus in Neuötting, einer in ganz Südostoberbayern einmaligen Einrichtung.

Anfragen aus Salzburg, Passau, Regensburg

Das Angebot, das auf Mütter mit Kindern bis sechs Jahren begrenzt ist, richtet sich bewusst auch an minderjährige Mütter (ab 14 Jahren) und schließt Mütter mit einer psychischen Erkrankung ein. In dieser Kombination gibt es eine solche Einrichtung nirgendwo sonst in der Region. Wie Andreas Karau, Geschäftsbereichsleiter des Wohnverbunds Burghausen-Neuötting und Projektleiter des Mutter-Kind-Hauses, erklärt, müssten junge Mütter mitunter bis nach München, Augsburg oder Würzburg gehen, um eine passende Einrichtung zu finden. Das Mutter-Kind-Haus in Neuötting schließt damit eine Lücke. "Wir haben Anfragen aus Salzburg, Passau, Regensburg", sagt Karau.

"In einer Kette sind wir Endstation"

Andreas Karau mit Monica Ana Hihn und der Landtagsabgeordneten Ingrid Heckner. Heckner nannte das Mutter-Kind-Haus bei der Einweihung eine Einrichtung mit "oberzentraler Bedeutung"

Zugewiesen bekommt das Mutter-Kind-Haus seine Bewohner vom Jugendamt. Anfragen, und damit Bedarf, gibt es reichlich. Schon nach sechs bis acht Wochen habe man 20 Anfragen gehabt, erklärt Karau. Frauen, die für das Mutter-Kind-Haus in Frage kommen, haben große Schwierigkeiten damit, den Alltag alleine - aber eben mit Kind - zu bewältigen. "In einer Kette sind wir - unter anderem - Endstation, bevor der Mutter das Kind entzogen wird", erklärt Einrichtungsleiterin Monica Ana Hihn, eine staatlich geprüfte Erzieherin. Dabei sehe aber durchaus oft die Mutter selbst ein, dass sie Unterstützung braucht. In einem Fall hatte eine Frau in einem gemeinschaftlichen Wohnen für psychisch erkrankte Menschen gewohnt und war schwanger geworden. Um eine Mutter konnte man sich in der Einrichtung aber nicht kümmern - in Neuötting schon.

Die Mütter "fit machen fürs Leben"

In dem Mutter-Kind-Haus gibt es sechs stationäre Plätze, wo die Mütter intensiv betreut werden, und drei teilstationäre, wo die Betreuung lockerer geregelt ist. Jede Mutter hat ein eigenes Zimmer, das Zimmer ihres Kindes ist gleich nebenan. Lediglich die Küche (und je nach Wohnung auch das Bad) teilen sich immer mehrere Frauen. Man möchte die Mütter "fit machen fürs Leben", sagt Karau. Dazu gehört, dass die Frauen alles selber machen - nur eben je nach Bedarf von den Mitarbeitern im Mutter-Kind-Haus begleitet und unterstützt werden.

Einkaufen, die Wohnung putzen, Wäsche waschen, kochen - all das sollen die Frauen irgendwann komplett eigenständig beherrschen. Beim allwöchentlichen Großeinkauf geht immer eine der Mütter gemeinsam mit ihrem Kind einkaufen, wird dabei aber von einer Mitarbeiterin aus dem Team begleitet. Hinzu kommen Dinge wie der Arztbesuch oder der Behördengang. Wenn sie so weit sind, sollen die Mütter auch einer Arbeit nachgehen oder eine Ausbildung machen. Aber: "Es geht immer von der Mutter aus, das zu entwickelt", erklärt Karau.

"Stichwort Normalität" gilt auch bei einer Psychotherapie

Einrichtungsleiterin Hihn arbeitet mit einem sechsköpfigen Team. 365 Tage im Jahr und rund um die Uhr ist immer jemand im Mutter-Kind-Haus vor Ort. Neben mehreren Sozialpädagogen arbeiten eine Heilerzieherin und eine Psychologin in der Einrichtung. Die Psychologin begleitet die Erstgespräche mit den Müttern und führt regelmäßig Einzelgespräche. Eine Psychotherapie erhalten die Frauen bei Bedarf aber nicht bei der Psychologin der Einrichtung, sondern extern, wie jeder andere Patient. Auch hier gilt also das "Stichwort Normalität", das Karau oft benutzt, wenn er über die Einrichtung spricht.

Im Haus gibt es allerdings durchaus Angebote für die Mütter, zum Beispiel im kreativen Bereich. Zuletzt haben die Frauen das Haus herbstlich dekoriert. Ein Vorteil der noch jungen Einrichtung ist, dass die Frauen vergleichsweise viel gestalten können. "Die Frauen sehen sich als Neuankömmlinge, die Zeichen setzen können", sagt Hihn.

Erfahrungswerte gibt es freilich noch keine, aber Hihn schätzt, dass die Frauen ein Jahr und länger in der Einrichtung bleiben werden. "Was haben sie mit in ihrem Rucksack?", fragt Hihn. Im Mutter-Kind-Haus geht es auch darum, das Selbstwertgefühl der Mütter zu stärken, ihr Potenzial zu erkennen und ihnen dabei zu helfen, sich über ihre Ziele klar zu werden. Und das geht eben nicht von heute auf morgen.

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