Mischwasser macht Probleme

Neuötting: Bestes Wasser - aber was ist mit dem Bier?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Je weicher das Wasser, desto schlechter für pH neutrale Pflegeprodukte
  • schließen

Neuötting - "Sie würden mich steinigen" sagte Wassermeister Alois Wieser auf der jüngsten Stadtratssitzung auf die Frage, ob man in Neuötting nicht vielleicht doch mehr weiches Wasser bekommen könnte.

Wasser ist Leben“. Deswegen lassen wir es uns auch einiges kosten. Trinkwasser- und Eigenüberwachungsverordnung regeln die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch sowie die Überwachung der entsprechenden Grenzwerte. Am Donnerstagabend hat Alois Wieser, Wassermeister und Betriebsleiter der Gemeinschaftlichen Wasserversorgung der Städte Alt- und Neuötting mit Gemeinde Winhöring, die aktuellen Ergebnisse vom Stand 02.02.2016 im Stadtrat Neuötting vorgestellt. Ergebnis: Kein Grund zur Beanstandung.

5,25 Proben/Woche = Mehr Sicherheit

273 Wasserproben wurden entnommen

Auf 96 Parameter hin wurde das Wasser untersucht: Keine Beanstandung, auch nicht in punkto der Vorgaben des Umweltbundesamtes zu den Grenz- und Vorsorgewerten. Die insgesamt 273 Proben der gemeinschaftlichen Wasserversorgung teilen sich auf in

  • 158 Wasserproben aus dem Hochbehälter mit dem Versorgungsnetz in Altötting, 
  • 76 Trinkwasserproben aus dem Versorgungsnetz Neuötting sowie
  • 39 Trinkwasserproben aus dem Gemeindebereich Winhöring.

Das ergibt im Jahresdurchschnitt 5,25 Wasserproben pro Woche im Gebiet der gemeinschaftlichen Wasserversorgung. Das bedeutet: Das Wasser wird fast täglich kontrolliert. Eigentlich wären 150 Proben völlig ausreichend, so Wassermeister Alois Wieser, aber Wasser ist eben Leben. „Alles, worauf man es heute testen kann, wird getestet“.

5 Brunnen : 3 = Mischwasser

Anfang der 90er Jahre wurde der Verbund der Wasserversorgung für die Städte Alt- und Neuötting mit Winhöring geschaffen. Aus fünf Brunnen kommt heute ein Mischwasser aus dem tertiären und damit tiefer liegendem Wasser aus Altötting und dem quartären und damit höher liegendem Wasser aus Neuötting.

Regenwasser braucht bis zu drei Monate bis zum tertiären Grundwasserstock

Es gilt, das tertiäre Wasser zu schonen“, erklärt Alois Wieser. Der Grund: Regen, der auf den Boden fällt, muss durch die Erde bis zum Grundwasserstock. Das dauert in Altötting aufgrund der Bodenbeschaffenheit länger als in Neuötting. In Altötting wird das Trinkwasser aus bis zu 200 Metern tiefe geholt. Bis zu drei Monate kann es dort dauern, bis aus dem Regen Trinkwasser geworden ist. In Neuötting sind es bei 60 Metern Tiefe nur 50 Tage.

Wir erinnern uns an den Erdkundeunterricht: Je länger ein Wasser durch den Boden und seine Schichten sickert, desto mehr wird es ausgewaschen. Soll heißen: Je tiefer ein Grundwasserstock liegt, desto weicher ist sein Wasser.

Weiches Wasser x X = Probleme beim Duschen + Probleme beim Bierbrauen

Sie würden mich steinigen“, sagte Alois Wieser vor dem Stadtrat zum Thema weiches Wasser aus Altötting. Hintergrund: Aus den fünf Brunnen entsteht ein Mischwasser. Nicht so weich, wie es vor dem Verbund der Wasserversorgung noch die Altöttinger gewohnt waren und nicht so hart, wie es die Neuöttinger bis zur Zusammenlegung kannten. Wieser und Kollegen steuern das Mischungsverhältnis. Hartes Wasser – das kennen wir – ist nicht gut für die Waschmaschine und macht diese lästigen Kalkflecken im Wasserkocher.

Dennoch: Heute sind Pflegeprodukte möglichst pH neutral. Solche Produkte schäumen bei weichem Wasser, was ja gut für die Waschmaschine wäre und nicht so schnell diese lästigen Kalkflecken macht, nicht so schnell auf und sie sind nur schwer abzuspülen von der Haut.

Wen kümmerts?“, wird sich jetzt wohl der Biertrinker fragen aber: Weiches Wasser macht auch den Brauereien zu schaffen. In Bayern wird nämlich hauptsächlich Bier Münchner Brauart gebraut. Das heißt: Weißbier, das Dunkle und das Helle. Dafür braucht man Wasser mit einem höheren Härtegrad als beim Pils.

Der Härtegrad des Wassers hat entscheidenden Einfluss auf das Bier

So berichtete Stadtrat und Brauereibesitzer Reinhard Müller auf der Sitzung am Donnerstagabend davon, dass er in seinem Betrieb sehr wohl merke, wenn wieder mehr weiches Wasser aus den Altötting eingespeist wird. Wassermeister Alois Wieser gab allerdings Entwarnung: Man werde in der Gemeinschaftlichen Wasserversorgung selbstverständlich auch weiter darauf achten, dass die Bierproduktion in Neuötting gesichert ist.

Zurück zur Übersicht: Stadt Neuötting

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser