Obdachlose Person am Stadtplatz

Polizei: "Diese Person hat sich dafür entschieden"

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Neuötting – Am Wochenende war einem Passant am Stadtplatz eine offenbar obdachlose Person in einem Schlafsack auf einer Bank unter den Arkaden aufgefallen. Nach einem entsprechenden Anruf bei der Polizei ging eine Streife der Sache nach. Die stellte fest: „Die Person war ansprechbar und bestens ausgerüstet.“

Eine Leserin von innsalzach24.de hat die Redaktion auf dieses Thema aufmerksam gemacht. Sie hatte davon offenbar auf Facebook erfahren. Es klingt vielleicht hart aber „Diese Person hat sich dafür entschieden“, erklärt ein Sprecher der Polizeiinspektion Altötting auf Nachfrage.

Keine Bedenken

Da die Person auf der Bank in Neuötting ansprechbar und mit Schlafsack ausgerüstet war und augenscheinlich keine weiteren gesundheitlichen Bedenken bestanden, ist die Streife wieder abgerückt. Schließlich hat sich die Person nichts zu Schulden kommen lassen. Soll heißen: Jeder darf draußen schlafen, so lange er keine Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten dabei begeht oder sich und/oder andere beim draußen Schlafen gefährdet.

Eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern erklärt auf Nachfrage, dass Polizeibeamte im Rahmen ihrer Ausbildung für gesundheitliche Themen sensibilisiert werden. Reicht dieses Wissen im Einzelfall nicht mehr aus, werden entsprechende Fachleute hinzugerufen. Es gibt den sogenannten Schutzgewahrsam. Dann wird die Person in eine warme Zelle gebracht. Dafür, so die Polizei in Altötting, bestand kein Anlass.

Sozialarbeit

Tatsächlich ist es so, dass in Deutschland niemand gezwungen wird, draußen zu schlafen. Letztendlich ist es so, dass es Hilfe gibt. Die bedarf aber, dass jemand diese Hilfe auch annimmt oder aktiv sucht. Kurz gesagt bedeutet das, dass man Formulare ausfüllen muss und es wird geholfen, definitiv jedem.

Auf Nachfrage von innsalzach24.de am Montag erklärt Erich Nachreiner, Geschäftsleiter der Stadt Neuötting, dass diese über einen Anruf von der offenbar obdachlosen Person informiert worden sei. Der Ablauf stelle sich in so einem Fall wie folgt dar:

  • Zuständig ist das Sozialamt.
  • Wird sie angenommen, gibt es Soforthilfe in Form einer kurzfristigen Unterkunft.
  • Sozialarbeiter kümmern sich um die Hilfe suchende Person, erklären Mittel und Wege, helfen bei Behördengängen.

Niemand muss im Winter draußen schlafen

Genau wie niemand auf der Straße schlafen muss, muss auch niemand, der bei Sinnen ist, die Hilfe der sozialen Einrichtungen annehmen. Einzig die betroffene Person selbst entscheidet

  • Übertritt sie Regeln, kommt die Polizei ins Spiel. 
  • Schadet sie der eigenen Gesundheit und/oder der von anderen, kommt der Rettungsdienst/die ärztliche Versorgung ins Spiel. 
  • Soforthilfe gibt es vom Sozialamt. 

Der Punkt ist – und das sei hier noch einmal deutlich betont – man muss die Hilfe annehmen können und in großer Not auch aktiv suchen, völlig unabhängig von Alter, Geschlecht und den vielen anderen Dingen, die – und auch das ist sicher – in einem entsprechenden Formular abgefragt werden.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Sebastian Gol

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