Neuöttinger wünscht sich Gedankenaustausch mit anderen Patienten

Corona-Koma-Patient: „Ich musste zwei Mal reanimiert werden“

Michael Zech betreibt zusammen mit seiner Frau ein Restaurant in Neuötting mit bayerisch-thailändischer Küche. 
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Michael Zech betreibt zusammen mit seiner Frau ein Restaurant in Neuötting mit bayerisch-thailändischer Küche. 

Neuötting - Michael Zech (52) aus Neuötting lag aufgrund des Coronavirus 14 Tage lang im Koma und wurde zwei Mal reanimiert. Für die Ärzte war sein Überleben ein Wunder. 

„Nach drei Tagen künstlichem Koma wurde ich zum ersten Mal reanimiert, weil ich mir selbst den Beatmungsschlauch herausgerissen habe“, berichtet Michael Zech seine Erlebnisse gegenüber innsalzach24.de. Es sei ein unbewusstes Handeln gewesen. „Irgendwie wollte ich schon weg, aber ich war ja in einem Traum“, so der 52-Jährige, der Mitte März in das Mühldorfer Krankenhaus gekommen ist.  


Sein Zustand verschlechterte sich von Tag zu Tag. Die Ärzte sahen wenig Hoffnung und teilten dies auch seiner Ehefrau und seinen Eltern mit. Die Organe haben versagt und die Ärzte wollten einen Luftröhrenschnitt bei ihm durchführen. Dafür brauchten sie neben der Berechtigung von seinem Vater auch eine vom Gericht, die um die zwei Stunden benötigt.

Zech: "Für die Ärzte war es ein Wunder"

Irgendwie habe er es damals unterbewusst mitbekommen. „Ich habe mir erneut den Schlauch herausgerissen und der Arzt hat geschrien, es ist vorbei. Als ich reanimiert wurde, funktionierten plötzlich die Organe wieder“, schildert Zech seine Erinnerungen. Die Ärzte hätten sich gar nicht mehr ausgekannt, da es im Prinzip unmöglich ist. „Die Chancen dafür waren unwahrscheinlicher als ein Sechser im Lotto. Für die Ärzte war es ein Wunder“. In den nächsten drei Tagen ging es ihm immer besser und er wurde anschließend aus dem Koma geweckt.


Im Nachhinein erfuhr der 52-Jährige, dass er der erste Patient war, der nach einem solchen Krankheitsverlauf überlebt hatte. „Als ich das gehört habe, war es ein sehr komisches Gefühl. Ob ich überlebt hätte, wenn ich nicht beatmet worden wäre, kann natürlich auch niemand sagen“.

Rund vier Wochen im Krankenhaus

Insgesamt rund vier Wochen war Zech im Mühldorfer Krankenhaus, in dem zwischenzeitlich ein Ausnahmezustand herrschte. Inzwischen hat sich die Lage aufgrund der rückläufigen Zahlen beruhigt und es gibt Überlegungen zum Normalbetrieb. An den Tag seiner Entlassung Mitte April kann er sich noch sehr gut erinnern: „Es war wie eine andere Welt. Es war alles wie ausgestorben“, erzählt Zech, der von den Ausgangsbeschränkungen nichts mitbekommen hatte.

Angefangen hat alles Anfang März bei einem Tagesausflug zu einer Therme in St. Johann (Tirol). “Meine Ehefrau und ich waren in einem Turm essen und mussten mit dem Aufzug hoch fahren. Überall war es sehr eng. Auch der Kassierer beim Tanken war nicht weit weg. Irgendwo dort habe ich mich wohl infiziert“, vermutet Zech. Nach ein paar Tagen traten die ersten Symptome auf. Zunächst ging er von einer Grippe aus. Auch seine Frau wurde krank.

Corona-Test sollte 14 Tage dauern

Als es schlimmer wurde, versuchte Zech den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu kontaktieren. Nach zwei Tagen hatte er endlich jemanden erreicht. Ein Arzt kam vorbei und testete ihn auf Corona. Die Ergebnisse würden allerdings erst in 14 Tagen vorliegen. „Ich habe Antibiotikum erhalten und sollte im Falle einer Verschlechterung ins Krankenhaus fahren“, so der 52-Jährige.

Bereits am nächsten Tag ging es ihm wesentlich schlechter. Da er beim Bereitschaftsdienst niemanden erreicht hatte, rief er die Polizei, die ihm einen Rettungswagen für den Transport in das Mühldorfer Covid-Zentrum schickte. „Ich habe sofort Sauerstoff erhalten. Es ist jedoch nicht besser geworden“, erzählt Zech. Anschließend erhielt er eine spezielle Pump-Beatmung. Auch dies habe er nicht so gut verkraftet und er musste ins künstliche Koma gelegt werden. 

Zech: „Hauptsache ich habe überlebt“

„Im Nachhinein war das im Prinzip mein Todesurteil. Das hat damals ja noch keiner überlebt gehabt“, so Zech. Inzwischen geht es ihm aber den Umständen entsprechend gut: „Hauptsache ich habe überlebt.“ Er habe keine größeren Schäden und wurde auch schon psychologisch betreut. Lediglich die Lunge sei noch nicht voll funktionsfähig. Ein Lungenarzt meinte zuletzt, es könnte bis zu einem halben Jahr dauern, bis es wieder normal ist. Er hofft nun auf eine baldige Reha.

Viele Ärzte könnten ihm bei den Nachuntersuchungen nichts Konkretes sagen, da das Virus noch so unbekannt ist. Es gebe keine Möglichkeiten und keiner kenne sich aus. Das sei ein großes Problem. „Ich würde gerne andere Patienten zum Gedanken- und Problemaustausch kennenlernen, die dasselbe Schicksal hatten. Ich glaube, das hilft Corona-Koma-Patienten leichter über alles hinweg“, schildert Zech.

Ähnlicher Fall in Trostberger Klinik

Das Problem sei eben, dass es nicht viele gibt, die einen ähnlichen Verlauf überlebt haben und ohne Organschäden davon gekommen sind. Einen ähnlichen Fall gab es zuletzt in der Trostberger Klinik, wo eine Frau auch zwei Wochen lang im Koma lag

Er hofft, dass es bald ein Mittel gegen die Symptome gibt. Denn er wünsche keinem den Verlauf, den er durchmachen musste. „Denn auch wenn es heißt, viele Menschen gelten als genesen, so leiden viele noch an den Nachwirkungen. Das ist ein Punkt, der mich persönlich aufregt“, so Zech.

Wenn Ihr Kontakt mit Michael Zech aufnehmen wollt, schreibt bitte ein E-Mail an jens.zimmermann@ovb24.de.

jz

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