QR-Code statt Söder-Kreuz

Neuöttinger bringt Flüchtlingen einheimische Lebensart nahe und mehr

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QR-Codes statt Kreuz: Praktische Brandschutzerziehung zeigt Flüchtlingen, wie wir leben 
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Neuötting - Am Mittwoch haben Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr Neuötting und der Regierung von Oberbayern ein neues Helpdesk für Bewohner von Flüchtlingsunterkünften und darüber hinaus vorgestellt. 

Jürgen Gastel ist Brandschutzerzieher und -ausbilder bei der Freiwilligen Feuerwehr Neuötting. Dort können Feuerwehrler aus dem ganzen Landkreis lernen, wie man Kindern, Senioren und Menschen mit Behinderung Brandschutzmaßnahmen beibringt. Die stellen das Hauptklientel der Brandschutzerziehung dar. Mit den Flüchtlingen ist eine weitere Gruppe dazu gekommen.

„Das brauchen wir hier auch!“

Als Brandschutzerzieher und -ausbilder kommt Jürgen Gastel viel rum und das nicht nur im Landkreis Altötting. So bildet er sich auch selbst regelmäßig weiter. Eine seiner letzten Reisen dazu führte ihn in den Norden von Deutschland. Da hat er etwas gesehen und sofort gewusst: „Das brauchen wir hier auch!“ Diese Idee hat Gastel nach Bayern importiert. Ergebnis: Die Regierung von Oberbayern hat großes Interesse daran gezeigt. Gastels Import-Idee wird jetzt in 90 Asylunterkünften, welche von dort aus verwaltet werden, verwirklicht und mehr noch: Sie geht an die von Landratsämtern verwalteten Unterkünfte wie auch an die Vermieter im Bereich "Private Wohnistznahme" von anerkannten Flüchtlingen

QR-Codes statt Kreuz: Praktische Brandschutzerziehung zeigt Flüchtlingen, wie wir leben  (von links: Sepp Weindl (Hausmeister in der Gemeinschaftsunterkunft in Neuötting), Franz-Xaver Anders (1. Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr Neuötting, Alexandra Krieger (Verwaltung), Jürgen Gastel (Freiwillige Feuerwehr Neuötting, Anton Sayer (Regierung von Oberbayern)

Fisch im Duschbecken, Fleisch direkt auf der Herdplatte

Wir kommen viel zu oft hierher“, sagt Gastel als Feuerwehrler. Gemeint sind die Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr Neuötting in der Gemeinschaftsunterkunft am Fuße des Stadtberges. Viele Einsätze wären zu vermeiden gewesen, so Gastel weiter.

Bei der Vorstellung seiner Import-Idee sprach er beispielsweise davon, dass die Feuerwehr schon mal da war, weil ein Bewohner einen lebenden Fisch im Duschbecken gehalten hatte. Der hatte mit seinen Exkrementen offenbar den Überlauf verstopft, das Becken lief über und das Wasser löste einen Kurzschluss in der Brandmeldeanlage aus.

Eine Bewohnerin habe auf dem Zimmer Fleisch direkt auf die heißen Platten eines kleinen Elektrokochers gelegt, so Gastel weiter. Die Folge: Die Brandmeldeanlage schlug Alarm und die Feuerwehr rückte aus.

Rauchverbot im Haus – „auch so eine Sache“. Mehrere Dutzend Rauchmelder sind in den Räumlichkeiten in der Gemeinschaftsunterkunft installiert. Klar: Die schlagen an, wenn geraucht wird und auch klar, dass dann die Feuerwehr kommt.

Dazu muss man wissen, dass die meisten Bewohner so einer Unterkunft diese Dinge wohl nicht absichtlich machen. Sie wissen es in vielen Fällen nicht besser. Beispiel Klo: Da wird normalerweise das kleine oder große Geschäft verrichtet und runter gespült. Im Prinzip also so etwas wie ein Müllschlucker. Dass man im Klo aber nur menschliche Exkremente runter spülen kann – schon klar. Wer so was nie gesehen hat, woher soll er es denn wissen, dass in die Schüssel eben nur … Sie wissen schon … gehört

So funktioniert das Helpdesk:

Freilich kann man versuchen, diesen Menschen mehrsprachig erklären, was für was ist und was zu tun ist, damit es nicht brennt, was zu tun ist, wenn es brennt und beispielsweise auch, dass der rote viereckige kleine Kasten mit der Glasscheibe vorne dran und dem Knopf dahinter eben kein Türöffner ist. Einfacher ist es, es ihnen zu zeigen und genau das ist die Idee:

Das Helpdesk besteht aus einem Plakat, einem Flyer und Aufklebern für bestimmte Bereiche im Haus wie das Klo, die Küche oder das Bad. Darauf sind Piktogramme für – eben beispielsweise Klo, Küche oder Bad sowie ein Bild. Darunter ist ein QR Code. Der Bewohner fährt mit dem Handy über den QR Code und schon wird ihm ein Video angezeigt, je nachdem, um welchen Bereich es geht.

Neuöttinger bringt Flüchtlingen einheimische Lebensart nahe und mehr  

Die Videos sind "stumm" und in der Gestaltung selbsterklärend

  • Fisch in der Duschwanne = NO GO, 
  • Rauchen wo es nicht gestattet ist = NO GO, 
  • Fleisch "nackt" auf eine heiße Herdplatte legen = NO GO, 
  • das Klo als Müllschlucker benutzen = NO GO und so weiter. 

Beispiele:

Über den QR-Code landen die Flüchtlinge auf dem jeweiligen Video. Hier sind drei Beispiele (Die Videos mit dem "Tut uns leid"-Hinweis sind dennoch abspielbar, wenn man direkt darauf klickt):

Kochen im Zimmer:

Bedienung Feuerlöscher:

Notruf absetzen:

Möglich gemacht hat dieses Helpdesk die Bayerischer Versicherungskammer. Es steht in kurzer Zeit allen Asylunterkünten mittels Plakate, Flyern und Aufklebern in den entsprechenden Bereichen im Haushalt zur Verfügung. Eine Anfrage an das Landratsamt oder die örtliche Feuerwehr reicht. Auch Vermieter im Bereich der "privaten Wohnsitznahme" können ihre vermieteten Räume damit entsprechend ausstatten. 

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