Seminar zu Menschenrettug

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Neuötting - Zwei große Pflegeeinrichtungen gibt es in der Stadt. Umso wichtiger ist es, dass auch dort die Menschenrettung im Brandfall gut vorbereitet ist.

Der Behindertenbeirat der Stadt Neuötting ist, zum Ende des Jahres 2012, an die Feuerwehr Neuötting mit der Bitte herangetreten, eine Schulung für das Personal in den Einrichtungen der Behinderten- und Senioren Hilfe zum Thema „Vorbeugender Brandschutz und das richtige Verhalten im Brandfall“, anzubieten. Dieser Wunsch entstand aus der Kenntnis heraus, dass die Feuerwehr Neuötting schon in der Brandschutzerziehung für Schulen und Kindergärten sehr aktiv ist.

Neuötting hat zwei große Einrichtungen, in der etwa 220 Senioren und Menschen mit Pflegebedürftigkeit beheimatet sind, sowie ein großes Wohn- und Pflegeheim für geistig und mehrfach behinderte Menschen, in der etwa 200 Menschen betreut werden. Hierzu kommen noch mehrere Tagespflegeeinrichtungen, Wohngruppen und kleinere Behindertenwerkstätten. Das Kreisklinikum ist unmittelbar an der Ortsgrenze errichtet. Ebenso befindet sich im Ortsgebiet ein Asylbewerber-Übergangswohnheim mit 120 Wohnplätzen.

In ersten Sondierungsgesprächen und auch nach einer Einsatzübung in einem Seniorenheim, mit Senioren als aktiven Übungsteilnehmern, wurde in enger Abstimmung mit den Betreibern der Einrichtungen, ein Konzept für ein Tagesseminar erstellt. In diesem Seminar sollen sowohl verantwortliche Einsatzkräfte der Feuerwehren, aber auch Sicherheitsbeauftragte, Pflegdienstleitungen und Pflegekräfte der Behinderten- und Senioreneinrichtungen, gemeinsam für den Ernstfall geschult werden.

Bei dem enormen Aufwand, der zur Vorbereitung des Seminars notwendig war, wurde es den Verantwortlichen bewusst, dass der Aufwand nur gerechtfertigt ist, wenn das Seminar längerfristig angelegt wird und auch anderen Einrichtungen und Feuerwehren zugänglich gemacht werden kann.

Da aus der Brandschutzerziehung für Kindergärten und Schulen schon sehr gute Beziehungen zum Landkreis Mühldorf vorhanden sind, wurde man sich schnell einig, auch die dortigen Einrichtungen und Feuerwehren mit einzubeziehen. Durch die große Vielzahl an Feuerwehren und Einrichtungen, wurde aber auch ebenso schnell klar, dass nur Multiplikatoren geschult werden können.

Bei den Feuerwehren sollen bestehende Kenntnisse aufgefrischt, aber auch Lücken im Wissen der Einsatztaktik und der richtige Umgang mit „besonderen“ Menschen, geschult werden. Vorbeugender Brandschutz, baulicher Brandschutz im Spannungsfeld zwischen Wohnqualität und barrierefreiem Wohnen, Kenntnisse über Feuerwehreinsatzpläne und Brandmeldeanlagen sind nur einige Stichworte, die sich bei den Schulungsinhalten wieder finden sollten.

Leider mussten einige bundesweit für Aufsehen sorgende Brandereignisse und die Schlussfolgerungen daraus, noch mit bei den Ausbildungsinhalten verarbeitet werden. Die Brandtragödie in einer Behindertenwerkstatt in Titisee, mit 14 Toten, fiel in die Vorbereitungszeit. Auch direkt vor Ort konnten noch die Erkenntnisse von zwei Einsätzen der Feuerwehr Neuötting, im

Dezember 2012, verarbeitet werden. Ein zunächst unscheinbar, zur Routine gewordener BMA Alarm in einem Seniorenheim, zeigte sich tatsächlich als Suizidbrand einer Person in einem Bewohnerzimmer , ein weiterer Bewohner musste aus seinem ebenfalls verrauchten Zimmer gerettet werden. Beim zweiten Ernstfall war es wieder ein BMA Alarm in einer geschlossenen Abteilung einer Behinderteneinrichtung, bei der ein Bewohner das Einschlagen des Druckknopfmelders nutze, um zu flüchten. Hier musste schnell zum Einsatzstichwort „Vermisstensuche“ gewechselt werden.

Die Landratsämter der Landkreise Altötting und Mühldorf, sowie der Behindertenbeauftragte des Landkreise Altötting, Herr Sascha Pawolleck, verteilten dankeswerter Weise die Ausschreibungen zu den Seminaren an die betroffenen Einrichtungen. Über die Kreisbrandinspektionen wurden die Feuerwehren über das neue Weiterbildungsangebot der Feuerwehr Neuötting informiert. Schnell waren die ersten beiden Termine ausgebucht.

Erstes Seminar: „Menschenrettung in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung und Pflegedürftigkeit“

Am 9. März , trafen sich 19 Verantwortliche aus verschiedenen Behinderten – und Senioreneinrichtungen und Feuerwehren, um am ersten Seminar „Menschenrettung in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung und Pflegedürftigkeit“ der Freiwilligen Feuerwehr Neuötting teilzunehmen. Nach der Vorstellungsrunde, bei der die Teilnehmer ihre Vorkenntnisse, Erfahrungen und auch Wünsche an die Seminargestaltung eingebracht hatten, waren Rechtsgrundlagen, baulicher und vorbeugender Brandschutz weitere Themen. Vor allem über den scheinbaren Widerspruch zwischen selbst bestimmten Leben und einem schlüssigen Brandschutzkonzept, wurde eingehend referiert, aber auch mit den Seminarteilnehmern diskutiert. Welche Sinneswahrnehmungen sind bei Behinderten und Senioren eingeschränkt und wie wirken sich diese Einschränkungen auf eine mögliche Rettungsaktion aus? Was tun wenn’s brennt?

Antworten für die Verantwortlichen in den Einrichtungen, aber auch Einsatztaktik für die Feuerwehren, wurden erarbeitet. Eine Brandschutzordnung in „leichter Sprache“ erleichtert den Bewohnern das richtige Verhalten im Brandfall zu vermitteln. „Was ist gefährlicher: das Feuer oder der Rauch?“ – diese Frage stand am Anfang des Seminarteils „Erste Hilfe“. Vorhandenes Wissen wurde aufgefrischt, aber auch neue Themen wie z.B. ist ein Brandunglück in einer Behinderteneinrichtung auch ein MANV (Massenanfall an Notfallversorgungen) wurden eingehend erörtert. Dass vorbeugender Brandschutz und auch Brandschutzaufklärung bei Senioren und Behinderten durchaus möglich ist und auch mit spielerischen Mitteln möglich ist, wurde mit einfachen Experimenten, Vorführungen und Spielen gezeigt.

Seminar zur Menschenrettung

Der Nachmittag stand dann eher im Zeichen der praktischen Seminarinhalte. Feuerlöschgeräte richtig handhaben und auch dieses Wissen weitergeben können, wurde mit einem Feuerlöschtrainer veranschaulicht. Rettungsgeräte und einfache Hilfsmittel, die die Räumung von Bewohnerzimmern und auch ganzen Stationen ermöglichen, wurde in der Praxis erprobt. So ist es nun für die Seminarteilnehmer mit den richtigen Rettungsgeräten kein Problem mehr, einen Rollstuhlfahrer allein und sicher über eine Treppe zu retten. Aber auch das einfache Hinausbegleiten von noch gehfähigen Menschen wurde geübt.

Das miteinander „Retten“ - die Zusammenarbeit der Rettungsorganisation, des Personals und der Bewohner, wurde in verschiedenen Planspielen noch mal als Zusammenfassung des Erlernten simuliert.

Alle Teilnehmer erkannten, wie wichtig und wie lebensrettend dieses Seminar ist. „Ich habe durch dieses Seminar mehr Sicherheit im Brandfall erhalten, Vielen Dank“, „Super toll durchorganisiert, kann sehr viel mitnehmen“ oder „Auf alle Fälle weiterzuempfehlen“ waren nur einige der durchwegs positiven Reflexionen der Teilnehmer.

Weitere Seminare bereits geplant:

Bei der abschließenden Reflexion wurden Anregungen für die weiteren, bereits geplanten Seminare aufgenommen. Das Seminar am 13. April ist bereits ausgebucht. Ein weiterer Termin ist am 19. Oktober geplant, hier sind noch einige Restplätze vorhanden. Anmeldung unter der Mailadresse juegen.gastel@zuerich.de. Rückfragen bei Jürgen Gastel 0171/381214-0

Die Feuerwehr Neuötting wird dieses Seminar solange anbieten, wie der Bedarf vorhanden ist. Für das Kalenderjahr 2014 sind drei bis vier Termine, jeweils ganztägig samstags geplant. Das Seminar findet im Neuöttinger Feuerwehrhaus statt. Lehrgangsvoraussetzungen für Feuerwehren sind Gruppenführer oder Ausbilder in der Feuerwehr. Seminargebühr für Mitglieder der Feuerwehren 40 Euro, für Mitarbeiter der Senioren – und Behinderteneinrichtungen 50 Euro.

Jürgen Gastel, 2. Vorstand und Zugführer bei der Feuerwehr Neuötting, hat dieses Seminar, sowohl von den Ausbildungsinhalten, als auch von der Konzeption, geplant. Seine Mitreferenten sind Stefan Wienzl, 2. KDT und Lehrer an der Krankenpflegeschule AÖ, Thomas Maier, Leiter der Rettungsassistentenschule BGH, Josef Putz, langjähriger Brandschutzerzieher und Ramona Fenk, Sozialpädagogin. Sie ergänzen das Team der Freiwilligen Feuerwehr Neuötting. Sie werden unterstützt von Franz Schustermann, Berufsfeuerwehrmann und Fachbereichsleiter Brandschutzerziehung Landkreis Mühldorf, FF Mettenheim.

Pressemitteilung Freiweillige Feuerwehr Neuötting

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