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Unternehmer befürchten Umsatzeinbußen

So bereitet sich der Einzelhandel im Kreis Altötting auf die 2G-Regelung vor

Digitaler Corona-Impfnachweis
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Ab Mittwoch wird im Einzelhandel kontrolliert: Ein Impfpass und ein Smartphone mit der CovPass-App liegen auf einem Impfzertifikat.

Für die Gewerbetreibenden und Einzelhändler im Landkreis Altötting bedeutet „2G im Einzelhandel“ einen Kundenverlust und einen erhöhten Aufwand bei der Einlasskontrolle. Die Umsatzeinbußen werden dadurch im Weihnachtsgeschäft verstärkt. innsalzach24.de hat sich bei den örtlichen Wirtschaftsverbänden umgehört.

Neuötting - Sigi Seidl vom Neuöttinger Traditions-Modegeschäft „Hut Mayer“ versteht, warum die bayerische Staatsregierung die 2G-Regelung auf den Einzelhandel (ohne täglichen Bedarf) ausweitet: „Sie wollen den Druck auf die Ungeimpften maximal erhöhen, damit es für die richtig ungemütlich wird. Damit sich noch eine ordentliche Prozentzahl mehr gegen Covid impfen lässt. Aber von der Infektionsgefahr her ist die Maßnahme einfach sinnlos“.

Seidl hält die Regelung, die ab Mittwoch (8. Dezember) in Bayern greift, für „Quatsch“. Denn mit richtig angelegter FFP2-Maske - die im gesamten Einzelhandel sowie wieder verpflichtend getragen muss - „liegt eine Corona-Ansteckungsgefahr im Promille-Bereich“, so Seidl. Er spricht auch für viele Gewerbetreibende - die wie Hut Mayer - unter dem Dach der „WINN“, der Wirtschafts-Interessengemeinschaft Neuötting“ zusammengefasst sind. Außerdem träfen in den Lebensmittel-Supermärkten „viel mehr Menschen auf engem Raum zusammen“, also Geimpfte, Genesene und Ungeimpfte.

„Letzte Impfmuffel aus der Ecke holen“

„Wahrscheinlich werden sie es hinkriegen, dass die Impfquote nochmal steigt, weil es viele Impfmuffel irgendwann nicht mehr aushalten, so gegängelt zu werden“, argumentiert Seidl. Für Christine Burghart vom Altöttinger Wirtschaftsverband e.V. bedeutet die „Kontrollpflicht, die uns der Gesetzgeber auferlegt, einen personellen Mehraufwand, der auch zusätzliche Kosten verursacht“. In ihrem Autohaus zum Beispiel muss sie evtl. jemanden abstellen, der die Impfzertifikate bzw. den Covid-Pass kontrolliert und mögliche Fälschungen erkennt.

Theoretisch reicht ein Blick auf die Dokumente. Es liegt aber im Ermessen der Betriebe, ob sie sich auch den Personalausweis dazu zeigen lassen“, so Burghart. Am sichersten funktioniere es „mit der Cov Pass Check App, die jeden QR Code sicher einlesen kann“. Doch dazu müssten manche Betriebe - mit größerem Kundenverkehr - einen privaten Security-Dienst buchen, was weitere Kosten verursacht. Sigi Seidl weiß von XXXLutz in Neuötting, „dass die das in Eigenregie kontrollieren wollen.“

Den Einzelhändlern drohen Geldstrafen wie der Gastronomie

Hinsichtlich Geldstrafen bei 2G-Verstößen für die Einzelhändler - wie sie in der Gastronomie mit 2G schon länger üblich sind - kennt Christine Burghart „noch keine konkreten Zahlen“, kann sich aber vorstellen, „dass die Beträge ähnlich hoch sind“. Laut Recherchen von innsalzach24.de drohen nachlässigen Gastronomen bis zu 5.000 Euro Bußgeld. Ordnungsamt und Polizei machen jedoch bei Routine-Kontrollen oft von mündlichen Verwarnungen Gebrauch.

Christine Burghart sieht Umsatzeinbußen „vor allem für kleinere Einzelhändler in der Innenstadt, wie Intersport Siebzehnrübl, Herrenmode Stelzl, Bücher-Schreibwaren Fraundorfner oder die St. Antonius-Buchhandlung“. Alle treffe es nochmal hart mitten im Weihnachtsgeschäft. Wie für Sigi Seidl sind auch für sie „diese neuen Regelungen schwer nachvollziehbar“. Man müsse „die Verantwortlichen fragen, warum sie das anordnen“. Ein kleiner „Run der Ungeimpften vor dem 2G-Shopping-Lockdown“ sei zuletzt beobachtet worden.

In ihrem Autohaus Burghart herrscht dagegen in Pandemie-Zeiten „ein relativ konstanter Kundenverkehr, weil die Leute im Servicebereich mit ihren Problemen geradezu hierher kommen müssen“. Auch der Neu- und Gebrauchtwagenmarkt laufe stabil. Der überwiegende Teil aller Kunden habe sich „an Vorschriften und Maskenpflicht gewöhnt“.

Bekleidungsgeschäfte spüren die Absagen von Veranstaltungen unmittelbar

Sigi Seidl und Christine Burghart berichten unisono von vielen Bekleidungsgeschäften aus Neuötting und Altötting, „bei denen der Verkauf deutlich zurückgegangen ist“ Das sei auch eine Art „Rückstoßwirkung“ der „Absagen von Volksfesten, Christkindlmärkten und Weihnachtsfeiern“ sowie von Home Office. „Wenn die Leute nicht mehr ausgehen, brauchen sie auch gerade nichts Neues zum Anziehen“. „Besonders Tracht ist bei uns ein großes Thema“, so Sigi Seidl. Viele ältere Kunden von Hut Mayer „sind vorsichtig geworden und kommen seltener im Laden vorbei“.

„Zu hoher Druck auf Eltern und Kindern“

Seidl macht es traurig, „dass nun ein zu hoher Druck aufgebaut wird, unsere Kinder impfen zu lassen, nur, weil die Debatte um die Erwachsenen in eine Sackgasse geraten ist“. Man müsse jedenfalls 2G im Einzelhandel kontrollieren, „da bleibt uns nichts übrig“. Er begrüße sowieso jeden Kunden bei Hut Mayer persönlich am Eingang.

Spielsachen sind ein großes Thema im Weihnachtsgeschäft des Einzelhandels.

Muss Drogerie Müller die Spielwarenabteilung absperren?

Kurios könnte es in größeren Drogerie-Märkten wie zum Beispiel Müller zugehen, falls eine große Spielwarenabteilung eingerichtet ist - und dort 2G gilt, aber im übrigen Geschäft 3G, weil das zum täglichen Bedarf gehört. Ob in den Geschäften im Landkreis Altötting solche Probleme entstehen - oder in einzelnen Abteilungen eine Zugangskontrolle eingeführt wird?

Auf Nachfrage von innsalzach24.de kam eine Information aus den Müller-Filialen Neuötting und Burghausen, „dass wir keine separate Spielwarenabteilung haben“ und „keine Infos zu 2G-Kontrollen ab Mittwoch erhalten haben“. Im Weihnachtsgeschäften könnten alle Kunden „bequem bei Müller online bestellen und sich die Sachen nach Hause oder ins örtliche Geschäft liefern lassen“.

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