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Interview mit Neuöttings Bürgermeister

Peter Haugeneder: „Altötting und wir sind gute Partner, wollen und sollen aber eigenständig bleiben“

Die Umstellung der Schulen und städtischen KiTas in Neuötting auf raumlufttechnische Anlagen (RLTs) ist einen Schritt weiter. Auch die Förderanträge seien bereits gestellt und bewilligt, berichtet Bürgermeister Peter Haugeneder.
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Für den Neuöttinger Bürgermeister Haugeneder hat die Modernisierung der Grund- und Mittelschule hohe Priorität.

Im Sommer-Gespräch mit innsalzach24.de spricht Peter Haugeneder alle wichtigen Themen rund um Neuötting an. Außerdem berichtet er, wie er es mit den Stadträten von Altötting hält und warum er die Corona-Pandemie fast vorausgesehen hätte.

Neuötting - Peter Haugeneder kam 2008 ins Amt als Erster Bürgermeister der Stadt Neuötting. Davor leitete er 20 Jahre lang die Krankenpflegeschule am Klinikum Altötting. Deshalb kennt er sich gut aus mit dem Themenbereich Medizin und Hospitalisierung. Und seinen „persönlichen Akku“ hat er beim Jahresurlaub 2022 schon aufgeladen. Er ist selbst gebürtiger Neuöttinger und verbrachte fast sein ganzes Leben in der Stadt.

Teil 4 unserer kleinen Sommer-Interview-Serie. Lesen Sie auch die Gespräche mit Garchings Bürgermeister Maik Krieger, Tögings Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst und Altöttings Bürgermeister Stephan Antwerpen.

Herr Haugeneder, wohin führte Sie Ihre Urlaubsreise in diesem Sommer?
Nach Istrien, ans Meer. Da kann ich wunderbar entspannen und abschalten. Wenn es möglich ist, fahre ich jedes Jahr mindestens einmal in den europäischen Mittelmeerraum.
Die Corona-Pandemie hat uns alle eingeschränkt von 2020 bis 2022. Hätten Sie das für möglich gehalten?
Nein. Niemand, denke ich. Doch ich habe früher an der Krankenpflegeschule auch das Fach „Hygiene“ unterrichtet. Ein wichtiges Kapitel handelt dabei von Seuchen - oder einem sich ausbreitenden Infektionsgeschehen - und angemessener Prävention. Auch dass Pandemien länderübergreifend entstehen können, wussten wir. In der Theorie.
Was haben Sie gedacht, als 2020 in China erste Quarantäne-Zonen entstanden?
Da sagte ich zu meiner Frau: „In vier Wochen haben wir das in Deutschland“. Wir sind auch in modernen Zeiten nicht immun gegen Seuchen. Sogar die Pocken - die wir wie die Pest ausgerottet glaubten - sind als „Affenpocken“ nochmal aufgetaucht. Die Globalisierung mit internationalem Personen- und Warenverkehr trägt dazu bei und kann eben wie eine Drehscheibe für Mikroorganismen oder Viren wirken.
Was nehmen Sie aus Ihrem früheren Beruf mit in das Amt des Bürgermeisters?
Ich kann die Vorgänge an den Krankenhäusern gut nachvollziehen und kenne die Bedürfnisse des Gesundheitssystems. Auch der Beruf des (Intensiv-)Krankenpflegers, den ich ursprünglich erlernt habe, ist gesellschaftlich wichtig. Er ist anspruchsvoller geworden. Das hat mit den Bezahlsystemen zu tun. Höhere Belegungsdichten und kürzere Aufenthaltsdauer der Patienten am Klinikum sollen die Wirtschaftlichkeit der Häuser optimieren. Früher konnten sich alle Beteiligten mehr Zeit lassen bei der Behandlung.
Welche Projekte in Neuötting liegen Ihnen besonders am Herzen?
Zunächst die Sanierung und Modernisierung der Grund- und Mittelschule. Die Gebäude stammen größtenteils noch aus den 1960er Jahren. Wir müssen die Schulen baulich erweitern und den veränderten Rahmenbedingungen anpassen. Ganztagschule mit Nachmittagsbetreuung bis 16 Uhr ist heutzutage Standard. Dazu kommen viele Kinder von Arbeitsmigranten, die unsere Lehrkräfte vor besondere neue Aufgaben stellen. Sprich Aufbau von Deutschkenntnissen.
Wie weit sind die Planungen schon fortgeschritten?
Die Vergabe an ein Architekturbüro ist erfolgt. Wir haben dringenden Bedarf beim Freistaat Bayern angemeldet. Dort werden auch Fördermittel für kommunale Bauprojekte beantragt. Mit den Ergebnissen können wir die Finanzierung schnüren und hoffentlich 2023 mit den Baumaßnahmen beginnen. Des weiteren planen wir den Neubau eines viergruppigen Kindergartens mit zwei Krippen-Gruppen. Hier muss die Finanzierung - ebenfalls mit Fördermitteln - noch aufgestellt werden.
Welche Bauprojekte sind oder waren kürzlich von zentraler Bedeutung?
Die Tiefgarage am Klösterl sollte in der dritten Juli-Woche 2022 nach der Sanierung endlich wiedereröffnet werden. Eine Undichtigkeit an den Fugen muss noch beseitigt werden. Was mir noch sehr wichtig war: Die gemeinsame Kläranlage von Alt- und Neuötting ist erweitert worden. Die Maßnahme wurde 2021 erfolgreich abgeschlossen.
Wie läuft der Einzelhandel in der Stadt?
Die Interessengemeinschaft WINN macht eine gute Arbeit. Wir können zufrieden sein, dass wir aus der Corona-Krise so gut rausgekommen sind, gerade was die Gewerbesteuer-Einnahmen betrifft. Aber es waren harte Zeiten für den Handel durch die Einschränkungen. Fachhandel Leiss zum Beispiel oder Elektro Enzinger laufen weiterhin erfolgreich. Das sind Traditionshäuser, die wir in Neuötting brauchen.
Inwieweit arbeiten die Nachbarstädte Altötting und Neuötting zusammen?
Traditionell habe wir in vielen Bereichen eine enge Verbindung. Die Versorgung mit Frischwasser ist gemeinschaftlich organisiert. Ebenso die Entsorgung und Aufbereitung von Abwasser. Im Gewerbegebiet Am Mordfeld entwickeln wir uns gemeinsam weiter. Die Gemarkungen überschneiden sich oft. Bei der Jugendarbeit und am Schulzentrum sind wir eng verzahnt. Unsere EDV-Programme der Verwaltung sind mit Altötting verbunden. Krankheitsausfälle beim Personal können wir gegenseitig abfangen.
Könnte man beide Städte noch enger miteinander verknüpfen und so die Effizienz steigern?
Ich denke, dass wir einen guten Status Quo haben. Denn Neuötting und Altötting sollen jeweils eigenständig bleiben. Dieser Wunsch besteht auf beiden Seiten, bei den Verantwortlichen der Verwaltung und bei den Bürgern. Das hat auch historische Gründe, weil beide Städte andere Wurzeln haben.
Die da wären?
Neuötting wurde ausgehend vom Mittelalter vom Salzhandel geprägt. Es war immer schon eine Handelsstadt. Altötting ist durch die Marien-Wallfahrt so geworden, wie es heute ist. Wir sind gute Nachbarn, die eng zusammen arbeiten, aber auch gerne eigenständig bleiben.
Wie ist der Stand bei Straßenbau?
Die Infrastruktur - einige Asphaltierungen stammen aus den 1960er und 1970er Jahren - sanieren wir punktuell und sukzessive, dafür stehen pro Jahr ungefähr 200.000 Euro an Haushaltsmitteln zur Verfügung. Unsere hervorragende Verkehrsanbindung über die Autobahn A94 und die Bundesstraßen B2107 und B2108 ist aber ein Mehrwert für Neuötting.
Gibt es genügend Wohnraum, auch für junge Familien?
Grundstückseigentümer sind leider oft nicht bereit, potenzielles Bauland abzutreten, was auch mit der hohen Inflation zu tun hat. Der Freistaat Bayern fährt zudem eine Politik gegen uferloser Ausweisen neuer Baugebiete. Nachverdichtung ist daher immer ein Thema. Zum Beispiel kann auch ein alter Häuserbestand renoviert und neu genutzt werden, wenn die ursprünglichen Bewohner bereits verstorben sind. Das ist nachhaltig und auch bezahlbar. Wir sind auf jeden Fall immer an dem Thema dran, gerade junge Familien beim Erwerb von Wohneigentum zu unterstützen. Das ist schwierig, wie in fast allen Städten in Oberbayerns.
Wie meistern die Neuöttinger die Energiekrise?
Ich bin Berufsoptimist, dass wir auch diese Phase durchstehen. Wir unterstützen Vorhaben, bei denen erneuerbare Energien zum Einsatz kommen, vor allem Photovoltaik. Angesichts der hohen Energiepreise - vor allem beim Erdgas- appelliere ich an die Solidarität der Gesellschaft, damit kein zu großes soziales Ungleichgewicht entsteht.

innsalzach24.de bedankt sich bei Peter Haugeneder für das Gespräch.

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