Müllverbrennungsanlage: Lkw oder Schiene?

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Auch künftig können die Mitgliedslandkreise ihren Abfall nur per Bahn in der Müllverbrennungsanlage anliefern. Ausnahme ist der Landkreis Altötting, der seine Müllautos direkt dorthin schickt.

Burgkirchen - Landrat Trapp findet einen Lkw-Mülltransport "ökologisch sinnvoller". Bürgermeister Merz sieht aber keine Perspektive für eine Umgehungsstraße.  

Die Mitglieder des Zweckverbandes Abfallverwertung Südbayern (ZAS) müssen ihren Müll weiter per Zug zur Müllverbrennungsanlage (MVA) nach Burgkirchen im Landkreis Altötting fahren. Das wurde bei der Verbandsversammlung in der MVA deutlich, bei der der aktuelle ZAS-Jahresgewinn mit elf Millionen Euro beziffert und erstmals ein gedruckter Umweltbericht vorgestellt wurde.

Umgehungsstraße frühestens 2025 finanzierbar

Burgkirchens Bürgermeister Stephan Merz stellte nach Anfragen von Verbandsmitgliedern klar: Eine für die Anlieferung per Lastwagen notwendige Umgehungsstraße könnte frühestens 2025 gebaut werden, weil die Straße beim Staat nicht erste Priorität habe. Für Merz ist der Ausbau deshalb "unabsehbar".

Dingolfings Landrat Heinrich Trapp sagte zum Schienen-Transport aus Marklkofen, diese Strecke würde bislang nur vom ZAS genutzt, ein Transport entsprechend teuer. "Wir halten uns eine Spielzeugeisenbahn", sagte Trapp. Sobald Brücken ertüchtigt werden müssten, würde die Strecke unwirtschaftlich. Ein Lkw-Transport sei "ökologisch sinnvoller".

Der ZAS-Vorsitzende und Altöttinger Landrat Erwin Schneider warnte vor einem Umstieg auf reinen Lkw-Transport. Dies würde Umbauten in der MVA bedeuten. Der Schienentransport ist auch vertraglich festgelegt. Schneider sagte allerdings, dass bei Teilstrecken eine Detail-Betrachtung möglich sei.

Robert Moser, technischer Leiter des ZAS, wies auf Bestrebungen anderer Unternehmen hin, die Strecke nach Marklkofen im Landkreis Dingolfing-Landau neu zu beleben.

Landkreis Mühldorf liefert weniger Müll

Unterdessen liefert der Landkreis Mühldorf im Vergleich zu allen anderen Verbandsmitgliedern weniger Müll an. 16346 Tonnen waren es im Abrechnungszeitraum 2010, nach 17037 Tonnen im Vorjahr. Stellvertretende Landrätin Eva Köhr führte dies auf ein gestiegenes Abfallbewusstsein der Mühldorfer zurück. Die Müllmenge könnte im kommenden Jahr weiter sinken, wenn statt der bisher im Landkreis Mühldorf zwölf dann nur mehr zehn Entleerungen zwingend abgerechnet werden.

Zwar sind die Anlieferungen beim ZAS im Vergleich von 2009 auf 2010 um etwa 3000 Tonnen auf 223512 Tonnen gesunken. Nach Ansicht Mosers würde aber auch die derzeit diskutierte Einführung einer Biotonne die Auslastung der Anlage nicht gefährden. Schließlich stammen insgesamt etwa 70000 Tonnen Abfall aus Gebieten außerhalb des Zweckverbandes.

Bei einer Bilanzsumme von knapp 161 Millionen Euro meldet der ZAS für 2010 einen Gewinn von 16,6 Millionen Euro. Heuer werden nach Angaben Mosers etwa elf Millionen Euro unterm Strich übrig sein.

Schuldenabbau wird fortgesetzt

Im einstimmig beschlossenen Wirtschaftsplan 2012 sind noch 7,5 Millionen Euro Schuldendienstumlage vorgesehen. Dann ist Schluss mit den Schulden. Der ZAS hat dann Darlehen getilgt, die im Jahr 1995 einen Höchststand von 297 Millionen Euro hatten.

Laut Plan erwirtschaftet der ZAS im kommenden Jahr 1,1 Millionen Euro Gewinn. Den Unterschied zu den Vorjahren begründet Moser mit einer vorsichtigen Kalkulation. Die Ursache dafür sind Unsicherheiten bei der Müllmenge und den Energieerlösen. Auch werde die Anlage älter. Bei Ausfallzeiten schaut die Rechnung Moser zufolge "anders aus". Die Kalkulation sei eine "Gratwanderung". Erstmals hat der ZAS seine seit Jahren auf der Internetseite (zas-burgkirchen.de) veröffentlichten Umweltmessungen in einem Umweltbericht veröffentlicht. Der Bericht steht auch auf der Internetseite bereit. ZAS-Vorsitzender Schneider sieht die "Einhaltung der höchsten Umweltstandards" für gegeben.

rob/Mühldorfer Anzeiger

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