Leben mit Demenz - eine Pflegerin erzählt

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Pflegerin Maria Dausch

Neuötting - Wenn ein Angehöriger dement wird, stellt das die Familie oft vor Probleme. Tagespflegen bieten hier Unterstützung. Pflegerin Maria Dausch erzählt wie.

Manche sprechen von einer neuen Volkskrankheit, alle sind sich darin einig, dass die zunehmende Zahl von Demenzerkrankungen Politik, Gesellschaft und Familien vor große Herausforderungen stellt. Ängste und Unsicherheiten begleiten Betroffene und Angehörige und hindern oft daran, frühzeitig Rat und Unterstützung zu suchen.

Dabei gibt es im Landkreis Altötting inzwischen eine stetig wachsende Zahl von Angeboten, die speziell für Demenzkranke und pflegende Angehörige gedacht sind, sei es in der Beratung, in der Betreuung oder in der Pflege. Die BRK-Tagespflege im Seban-Dönhuber-Haus in Neuötting wurde im vergangenen Herbst eröffnet und bietet tageweise nicht nur eine Entlastung für pflegende Angehörige, sondern auch neue Kontakte und fachkundige Förderung für Demenzpatienten.

Es ist eine eigene Lebenswelt, die Marina Dausch und die anderen Mitarbeiterinnen der Tagespflege ihren Gästen einrichten und in der sie sie begleiten. Im Interview gibt sie uns einen kleinen Einblick in diese Welt der Demenz.

Was ist das Besondere an der Tagespflege im Unterschied zur normalen Altenpflege?
Das Besondere an der Tagespflege ist, dass wir wie eine Familie den Tag gestalten. Im Vordergrund steht nicht die körperliche Pflege, sondern der Mensch mit seinen sozialen Bedürfnissen, das Zwischenmenschliche. Wir bieten hier ein Alltagsleben in einer Gemeinschaft, wo alle nach ihren Wünschen und Bedürfnissen einbezogen sind.

Ihre Gäste haben in der Regel noch Familie und Angehörige, bei denen sie leben. Oft ist es für die recht schwierig, anderen zu vermitteln, warum man die Mutter oder den Opa in die Tagespflege gibt.
Das ist je keine Entscheidung von jetzt auf gleich. Unsere Tagespflegegäste machen einen Probetag und merken da schon, ob das das Richtige für sie ist, ob sie das machen mögen und ob sie sich in der Gruppe auch wohlfühlen.

Das scheint ja erstaunlich gut zu gehen, obwohl doch alle ganz unterschiedliche berufliche und familiäre Hintergründe haben. Wie klappt das?
Das ist gerade bei Demenzkranken gar nicht so schwer, weil die Wahrnehmung auf den Moment beschränkt ist und sich die Gäste so sehr gut über Familie und Erinnerungen an ihr Leben austauschen können ohne von Konventionen und Vorurteilen belastet zu sein. So entwickelt sich ein zwischenmenschlicher Prozess, wo sich die Gäste gegenseitig fürsorglich unterstützen.

Demenz ist eine Erkrankung, die für viele Menschen mit großer Angst besetzt ist. Oft hört man: „Lieber möchte ich sterben als dement werden!“ Ist das wirklich so ein schrecklicher Zustand, dement zu sein? Wie empfinden Sie das, als jemand der jeden Tag damit zu tun hat?
Ich traue es mich fast nicht zu sagen, aber in mancher Hinsicht kann Demenz auch eine Chance für die Erkrankten und die Familie sein. Und zwar dann, wenn sie bewirkt, dass sich Angehörige mit Liebe und Fürsorge einander zuwenden. Manchmal beschäftigt man sich erst dann wirklich mit dem Menschen selbst und entdeckt und schätzt Fähigkeiten und Begabungen, die auch in Dementen vorhanden sind.

Gegenüber pflegenden Angehörigen sind Sie aber da im Vorteil. Sie haben das gelernt und haben als Pflegefachkraft das Wissen, um richtig zu reagieren. Und Sie haben auch mehr Distanz, weil Sie im Umgang mit ihren Gästen nicht vorbelastet sind und immer daran denken müssen, wie der- oder diejenige früher gewesen ist.
Ja, ich kann eher die noch bestehenden Fähigkeiten begleiten und fördern und so helfen, dass ein Dementer auch in seiner Krankheit bei sich ankommen kann und seinen Alltag besser bewältigt. Dabei ist die Familie zuhause ein ganz wichtiger Partner und immer ganz eng in die Betreuung einbezogen.

Haben Sie sich das schon immer als Beruf gewünscht? Ist das Ihr Traumberuf?
Das ist mein Traumberuf! Es gibt nichts Schöneres als in der Beziehung mit Menschen zu arbeiten. Schon als ich die Altenpflegeschule besucht habe, wollte ich nicht nur Pflegerin, sondern Altentherapeutin werden. Und ich habe das Glück, zu mindestens 80% meinen Traumberuf leben zu können.

Dr. Alfred Zeller, BRK-KV Altötting

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