März 2010 – Noch ein Jahr, bis das Chaos eintritt?

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Burghausen - Die Schüler der gymnasialen Oberstufe der Region Traunstein und Burghausen diskutierten mit Bayerns Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch zum Thema „Doppelter Abiturjahrgang 2011“

„Wir sind schließlich keine Industriesklaven!“ – Bildung sei kein Handelsgut, das kreative Potenzial komme zu kurz. Mit solchen und ähnlichen Parolen schmückte Louis Berger, der Jahrgangsstufensprecher der Q11 des Kurfürst-Maximilian-Gymnasiums Burghausen, am 17. März sein einleitendes Statement zur Diskussionsrunde mit Bayerns Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch. Damit fasste er die Bedenken, Sorgen und Ängste der zukünftigen Abiturientinnen und Abiturenten zwar provokativ, aber dennoch treffend in Worte. Dass angesichts der befürchteten Engpässe an den Hochschulen bei vielen das Vertrauen in das Wissenschaftsministerium schwindet, kann wohl keiner besser nachvollziehen als wir Schüler selbst.

Doch auch unserem Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst ist das deutlich bewusst. Aus diesem Grund – und um uns eine Möglichkeit zu bieten, uns in der Diskussion mit ihm selbst eine Meinung zu bilden – hat Minister Heubisch Schülerinnen und Schülern der Q11 und K12 der Gymnasien der Region Burghausen/Altötting/Traunstein zu einem Vortrag über die Studienmöglichkeiten des doppelten Abiturjahrgangs 2011 nach Burghausen eingeladen. Die Veranstaltung, die wir mit einigen Lehrern und Vertreterinnen des Elternbeirats besuchten, gab Aufschluss über das derzeit laufende Ausbauprogramm für die bayerischen Hochschulen.

Zwar kam die Diskussion nach der bereits erwähnten – mehr als kritischen – Rede etwas langsam ins Rollen, wurde aber mit der Zeit nicht nur deutlich entspannter, sondern auch lebhafter. Minister Heubisch konnte uns insofern beruhigen, als die beschlossene Erweiterung um 38.000 Studienplätze bereits in vollem Gange sei. Doch um dem nach 2012 anhaltenden Ansturm von Studienbewerbern gerecht werden zu können, seien weitere 10.000 Studienplätze in Planung, für die er sich ebenso einzusetzen versprach wie für den räumlichen Ausbau der Hochschulen und die Schaffung zusätzlicher Wohnheimplätze.

Im Besonderen unterstrich Heubisch die Bedeutung des Sommersemesters 2011. Um Engpässe zu vermeiden, so warb er, werde es ermöglicht, im Mai 2011 in rund 400 Studiengängen ein Studium aufzunehmen. Die Bewerbung für das Sommersemester 2011 war Anlass für zahlreiche, auch kritische Fragen im Laufe der Diskussion: Ist ein so früher Studienbeginn überhaupt sinnvoll? Wie kann ich mich im Dezember schon bewerben, wenn ich mein Abiturzeugnis erst im Mai bekomme? Was mache ich, wenn ich nicht auf Anhieb einen Studienplatz bekomme? Welche Übergangslösungen bieten sich dann an?

Freundlich und verständnisvoll nahm sich der Minister der Fragen an und beantwortete sie geduldig. In Bezug auf die Bewerbung sei bereits ein Konzept entwickelt worden, das ein spezielles Bewerbungszeugnis kurz vor Weihnachten 2010 vorsehe, die Abiturnoten seien jedoch nicht irrelevant, besonders für diejenigen, denen das Sommersemester nicht zusage oder zu diesem Zeitpunkt keinen Studienplatz bekämen. Für sie sei dann das Wintersemester entscheidend, für das man sich regulär mit dem Abiturzeugnis bewerbe. Viele würden vor dem Studium gerne einen Sprachkurs, Vorkurse oder Praktika einschieben, auch dafür seien die Hochschulen natürlich gerüstet und könnten geeignete Übergangslösungen anbieten, welche, so betonte der Minister immer wieder, in der Regel keine Kosten mit sich bringen würden und nicht mit Studiengebühren verbunden seien. Auch ein Auslandsaufenthalt vor dem Studium sei in bestimmten Fällen eine sinnvolle Übergangslösung, so der Minister auf eine Frage aus dem Publikum.

Alles in allem versuchte uns Minister Heubisch mit seinen Antworten zu motivieren. Wir sollten uns keinesfalls die Lust am Studieren nehmen lassen, sondern diesen Abschnitt unseres Lebens als „Abenteuer Studium“ sehen.

Sophie Gast, Christina Demmelmair, K12, Chiemgau-Gymnasium Traunstein

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