Immer mehr Gewalt im Landkreis

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Landkreis - Die Polizei zieht für 2012 eine erschreckende Bilanz: Die Gewalt- und Straßenkriminalität ist stark angestiegen. Gleichzeitig sinkt die Aufklärungsquote.

Im Landkreis Altötting werden etwa 108.000 Einwohner von den Polizeiinspektionen Altötting und Burghausen, der Kriminalpolizeistation Mühldorf, der Verkehrspolizeiinspektion Traunstein/Dienstgruppe Mühldorf sowie der Polizeistation Fahndung Burghausen polizeilich betreut.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist eine Zusammenstellung aller bekannt gewordener strafrechtlicher Sachverhalte. Berücksichtigt sind alle polizeilich bearbeiteten Verstöße nach dem Strafgesetzbuch und strafrechtlichen Nebengesetzen ohne Verkehrs- und Staatsschutzdelikte.

Im Jahr 2012 wurden im Landkreis Altötting insgesamt 4.471 Straftaten erfasst. Dies stellt einen leichten Anstieg von 65 Fällen oder 1,5 % im Vergleich zum Vorjahr dar.

Von den 4.471 Straftaten wurden 2.717 Fälle aufgeklärt, was einer Aufklärungsquote von 60,8 % entspricht (- 1,5 %). Das hohe Niveau des Vorjahres (62,3 %) konnte gehalten werden.

Die Häufigkeitszahl bezeichnet die Anzahl der polizeilich erfassten Straftaten auf jeweils 100.000 Einwohner. Die Häufigkeitszahl als Gradmesser der Kriminalitätsbelastung der Bevölkerung beträgt im Landkreis Altötting 4.140 und ist im Vergleich zum Jahr 2011 (4.091) geringfügig um 1,2 % angestiegen. Sie lag dennoch weit unter dem Landesdurchschnitt von 4.977 Straftaten pro 100.000 Einwohner.

Kriminalitätsstruktur

Zu den 2.717geklärten Straftaten wurden 2.063 Tatverdächtige ermittelt.

Darunter befand sich ein Anteil von 19,6 % nichtdeutscher Personen, dieser ist im Vergleich zum Vorjahr (16,1 %) leicht angestiegen. Der Anteil Nichtdeutscher an der Wohnbevölkerung beträgt 7,4 %.

Von den insgesamt 2.063 ermittelten Tatverdächtigen waren 23,5 % jünger als 21 Jahre, also Kinder, Jugendliche oder Heranwachsende. Insbesondere Jugendliche und Heranwachsende (14-21 Jahre), mit einem Anteil von 7,9 % an der Wohnbevölkerung, sind mit 20,1 % überproportional bei den Tatverdächtigen vertreten. Die Überrepräsentation dieser Altersgruppe resultiert größtenteils aus ihrer sehr hohen Beteiligung bei den Diebstahls-, Sachbeschädigungs- und Körperverletzungsdelikten.

Gewaltkriminalität

Darunter fallen in erster Linie Mord und Totschlag, Vergewaltigung, Raub sowie gefährliche und schwere Körperverletzungsdelikte. Im Landkreis Altötting wurden 137 entsprechende Delikte im Jahr 2012 registriert. Dies stellt einen spürbaren Anstieg um 39 Fälle oder 39,8 % im Vergleich zum Vorjahr dar. Der Anteil an der Gesamtkriminalität lag bei 3,1 % (Vorjahr 2,2%). Die Aufklärungsquote hingegen ist von 80,6 % um 2,6 % auf 83,2 % angestiegen.

Mai 2012 – Schusswaffengebrauch durch Polizei in Altötting

Am 13. Mai hatte ein 32-jähriger Altöttinger seinen Suizid gegenüber einem Bekannten angekündigt. Während der Kontaktaufnahme durch die Verhandlungsgruppe griff der Mann mit zwei Messern bewaffnet im Hausgang einen der Beamten an. Der Sicherungsbeamte musste zwei Schüsse abgeben, um den lebensgefährdenden Messerangriff auf seinen unbewaffneten Kollegen abzuwehren. Glücklicherweise hat sich der Mann durch die Behandlung im Krankenhaus schnell erholt.

Straßenkriminalität

Diese umfasst alle Straftaten, die einen speziellen Bezug zum öffentlichen Verkehrsraum haben, z. B. Handtaschenraub, Körperverletzungsdelikte, Sachbeschädigungen und Diebstähle rund um das Kfz, Fahrraddiebstähle und Automatenaufbrüche. Hier sind die Zahlen um 82 Fälle oder 9,5 % auf 945 Delikte angestiegen. Dies entspricht einem Anteil von 21,1 % (Vorjahr 19,6 %) an der Gesamtkriminalität. Dabei konnten 14,2 % der Fälle aufgeklärt werden (Vorjahr 13,3%). Die Aufklärungsquote steigt mit der Qualität der Delikte an, so konnten zum Beispiel 62,5 % aller Raubdelikte aufgeklärt werden.

Sexualdelikte

Bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung war im Landkreis Altötting ein Rückgang um 9 Fälle oder 13,6 % auf 57 Delikte zu verzeichnen. Die Aufklärungsquote beträgt 82,5 % (Vorjahr 83,3 %), der Anteil an der Gesamtkriminalität liegt bei 1,3%.

Diebstahlskriminalität

2012 wurden mit 1408 Taten um 17 mehr als im Vorjahr (+ 1,2%) registriert. Der Anteil an der Gesamtkriminalität lag nahezu unverändert bei 31,5 % (Vorjahr 31,6 %), die Aufklärungsquote ist auf 32,4 % (Vorjahr 38,4 %) zurückgegangen.

Vermögens- und Fälschungsdelikte

Unter die Vermögens- und Fälschungsdelikte fallen Straftaten, wie z.B. Betrugsdelikte aller Art, Unterschlagungen, Urkundenfälschungen, Geld- und Wertzeichenfälschungen.

Im Landkreis Altötting stiegen die Fallzahlen im Jahr 2012 um 55 Delikte oder 8,7 % auf 686 Fälle. Die Aufklärungsquote ist um 2,3 % auf 84,4 % (Vorjahr 82,1 %) angestiegen, der Anteil an der Gesamtkriminalität liegt bei 15,3 %.

August 2012 – Schockanrufe durch litauische Trickbetrüger

Im August ereigneten sich eine Reihe von Trickbetrugsfällen, bei denen überwiegend russischstämmige Personen Anrufe von vermeintlichen Angehörigen erhielten. Wegen einer angeblichen Notlage eines weiteren Angehörigen sollten größere Geldbeträge an einen Abholer übergeben werden. Aufgrund der Häufung im Bereich Altötting wurden die umfangreichen Ermittlungen wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs bei der Kriminalpolizeistation Mühldorf zentralisiert. In enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Dienststellen der Polizeipräsidien Oberbayern Süd und Schwaben Süd-West, des Landeskriminalamts sowie der Staatsanwaltschaften Traunstein und Memmingen konnten am 25. August fünf litauische Staatsangehörige festgenommen werden. Erste Verurteilungen zu mehrjährigen Haftstrafen sind zwischenzeitlich durch das Amtsgericht Rosenheim erfolgt.

Dezember 2012 – Umweltverfahren gegen Entsorgungsbetrieb

Die Staatsanwaltschaft München II führt gegen Verantwortliche eines Entsorgungsbetriebes, der im Landkreis Altötting eine Aufbereitungsanlage betreibt, umfangreiche Ermittlungen wegen Umwelt- und Betrugsdelikten. Es besteht der Verdacht, dass schadstoffbelastete Abfallstoffe in nicht geeigneter Weise behandelt und in diversen Deponien abgelagert worden sind. Der Umfang des Verfahrens führte zur Einrichtung der 20-köpfigen Sonderkommission „Entsorgung“ unter Leitung der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim.

Internetkriminalität

In diesen Deliktsbereich fallen beispielsweise sämtliche Angriffe auf heimische PC/Netzwerke und der nachfolgende Missbrauch von Passwörtern, Kontodaten oder sonstigen vertraulichen Informationen ebenso wie auch die einfache Beleidigung innerhalb sozialer Netzwerke (z.B. „facebook“) oder der Betrug bei Onlinegeschäften oder Auktionsplattformen.

Die Fallzahlen 2012 rund um die Kriminalität im Netz weisen mit 96 Fällen (2011: 118) einen Rückgang von 7,9 % auf, bei einer gleichzeitigen Steigerung der Aufklärungsquote um 15,3 % auf 86,5 %. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass bei diesem Deliktsbereich Auslandsstraftaten oder Straftaten mit ungeklärtem Tatort bislang nicht wiedergegeben werden. Somit spiegeln diese Zahlen noch längst nicht den tatsächlichen Sachstand wider. Denn gerade bei der sogenannten "Cyber"-Kriminalität“ sitzen die Täter sehr häufig im Ausland oder agieren von einem unbekannten Tatort aus.

Sowohl im repressiven Bereich, als auch in der Prävention wird diesen Umständen Rechnung getragen. So wurde neben der Einstellung neuer, fachkompetenter Beschäftigter im Bereich der Kriminalpolizei auch die Schulung und Fortbildung der Kolleginnen und Kollegen auf diese speziellen Anforderungen hin weiter angepasst („Cyber-Cops“).

Rauschgiftdelikte

Dazu zählen neben den Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz auch die direkte Beschaffungskriminalität, z. B. Rezeptfälschung.

Die Anzahl der Delikte ist in diesem Bereich zurückgegangen. Die Zahl lag mit 210 Fällen um 18 Delikte oder 7,9 % unter dem Vorjahr. Die Aufklärungsquote beträgt 94,8 % (Vorjahr 95,2 %), der Anteil an der Gesamtkriminalität liegt bei 4,7 %. Im Jahr 2012 waren 4 (2011: 1) Rauschgifttodesopfer (2 Männer im Alter von 22 und 29 Jahren sowie 2 Frauen im Alter von jeweils 29 Jahren) zu beklagen.

Rechtsextremistisch motivierte Straftaten

In die hier nachfolgend dargestellte Staatsschutzlage „rechts“ fließen Staatsschutzdelikte (spezielle Straftaten wie z.B. Landesverrat, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Bildung terroristischer Vereinigungen u.a.), aber auch Delikte der allgemeinen Kriminalität, wie z. B. Körperverletzung, Beleidigung, Hausfriedensbruch, Nötigung oder Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ein, sofern ein politisch motivierter Tathintergrund vorliegt. Zusammen mit den Staatsschutzdelikten bilden sie den Phänomenbereich der Politisch motivierten Kriminalität (PMK).

Bei den 19 (2011: 31) festgestellten Fällen von rechtsgerichteter Kriminalität handelt es sich überwiegend um Propagandadelikte, wie politisch motivierte Schmierereien, das öffentliche Zeigen/Verwenden von Nazisymbolen oder das Abspielen indizierter Tonträger. Die Aufklärungsquote bei der Politisch motivierten Kriminalität (PMK) rechts lag dabei bei 36,8 % (2011: 12,9 %). Die Bekämpfung des Rechtsextremismus - das Ausschöpfen aller repressiven und präventiven Möglichkeiten - war eines der erklärten Jahresziele 2012 des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd.

Insgesamt waren 2012 395 Veranstaltungen (2011: 319) polizeilich zu betreuen. Davon waren 52 Sportveranstaltungen, 4 Versammlungen unter freiem Himmel und 339 sonstige Veranstaltungen (z.b. Volksfeste). Für einen reibungslosen Ablauf waren insgesamt 2.521 Beamte eingesetzt.

Februar 2012 – Friedliche Demonstration gegen Rechts

Am 11. Februar haben bei frostigen Temperaturen rund 400 Halsbacher Bürger friedlich gegen die Konzertveranstaltung eines rechtsmotivierten Vereins in Halsbach demonstriert. Die Veranstaltung hatte starken Zustrom aus dem bürgerlichen Lager und verlief ausgesprochen friedlich. Unter Führung des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd konnte der Einsatz durch hohe und deutliche Präsenz nahezu störungsfrei bewältigt werden. Trotz der räumlichen Nähe der Versammlungsteilnehmer und der Vereinsmitglieder auf dem Dorfplatz kam es zu keiner nennenswerten Auseinandersetzung.

Notruf- und Einsatzaufkommen Die Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd hatte im abgelaufenen Jahr ein umfangreiches Notruf- und Einsatzaufkommen zu bewältigen. Es wurden 125.943 Notrufe (Vorjahr 129.891) angenommen und 123.944 Einsätze (Vorjahr 115.488) bearbeitet. In der Rangfolge der angelegten Einsätze liegt der „Verkehrsunfall mit Sachschaden“ (14.427) an erster Stelle, gefolgt von der „Verdächtigen Wahrnehmung“ (9.038) und der „Verkehrsbehinderung“ (7.181).

Im Jahr 2012 wurden auf den 1.696 Straßenkilometern und sonstigen öffentlichen Verkehrsflächen im Landkreis Altötting 2.900 Verkehrsunfälle registriert. Die Gesamtzahl im Vergleich zum Vorjahr ist um 169 Unfälle oder 6,2 % angestiegen. Die Zahl der verletzten Personen ist von 654 auf 629, die Zahl der Verkehrstoten von 11 auf 9, zurückgegangen.

August 2012 – Radfahrerin stirbt nach Unfall mit Autofahrer

Eine 24-jährige Radfahrerin wollte am 8. August auf der B 299 in der Nähe von Altötting, Höhe Abzweigung Holzhausen, in Richtung Neuötting abbiegen. Sie benutzte dabei ordnungsgemäß den Linksabbiegestreifen. Ein nachfolgender 84-jähriger Autofahrer überholte auf Höhe der Abzweigung einen Lkw und übersah dabei die Radfahrerin. Bei dem Zusammenstoß erlitt die Radfahrerin lebensgefährliche Verletzungen und verstarb wenig später im Krankenhaus.

Hauptunfallursachen

Auch wenn die Ursachen „Alkohol“ und „Geschwindigkeit“ bei den angeführten Hauptunfallursachen zahlenmäßig nur einen verhältnismäßig geringen Raum einnehmen, so haben diese Unfallursachen nach wie vor die gravierendsten Auswirkungen zur Folge. Im Landkreis Altötting wurden bei Geschwindigkeitsunfällen 165 Personen verletzt (2011: 146) und 5 Verkehrsteilnehmer (2011: 3) getötet. Bei Alkoholunfällen waren 27 verletzte (2011: 39) und 2 getötete (2011: 1) Verkehrsteilnehmer zu beklagen.

Schulwegunfälle

Im Landkreis Altötting kam es 2012 zu 9 Schulwegunfällen (2011: 3). Dabei wurden 10 Schüler verletzt (2011: 3). Erfreulicherweise gab es keine Unfälle mit schwerwiegenderen Folgen.

Verkehrsüberwachung

Die Polizeidienststellen führten 2012 im Landkreis Altötting 177 Geschwindigkeitsmessungen (Vorjahr: 179) mit insgesamt 143.194 registrierten Fahrzeugen durch. 2.975 Fahrzeugführer mussten dabei wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen beanstandet werden (2011: 2.602), das entspricht einer Beanstandungsquote von 2,1 % (Vorjahr: 1,7 %). Bei weiteren 144 Messungen mit der Laser-Pistole (2011: 109 bzw. + 32,1 %) wurden 552 Fahrzeugführer verwarnt oder angezeigt (Vorjahr: 521).

171 Autofahrer (2011: 183) wurden im vergangenen Jahr bei Verkehrsicherheitskontrollen mehr oder weniger alkoholisiert am Steuer ihrer Fahrzeuge angetroffen und zur Anzeige gebracht. Den höchsten Wert hatte eine Radfahrerin aus Garching an der Alz mit 3,35 Promille. Unter dem Einfluss illegaler Drogen waren 16 Fahrzeugführer (2011: 28) unterwegs. Gegen sie wurde ebenfalls ein Straf- oder Bußgeldverfahren eingeleitet.

Kriminalstatistik 2012 für Landkreis Altötting

Pressemitteilung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Rubriklistenbild: © pa

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