"Es geht um eine erhebliche Gesundheitsgefahr"

Schlag ins Gesicht: Staatsanwaltschaft verneint weitere PFOA-Ermittlungen

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Landkreis Altötting - Die Staatsanwaltschaft Traunstein hat weitere Ermittlungen im Fall PFOA ausgeschlossen. Mehrere Anzeigen von Betroffenen bleiben damit erfolglos.

Obwohl PFOA bereits im Jahr 2008 zum ersten Mal in der Region registriert wurde, wurde erst im vergangenen Jahr das Thema ausführlich erörtert. Damals konnten Forscher bei einem zufälligen Bluttest in Emmerting eine 20-fach höhere PFOA-Belastung bei den Probanden feststellen, als bei einer Testgruppe aus dem Landkreis München. 

Jahrelang konnte PFOA in Burgkirchen ungehindert ins Trinkwasser gelangen. Eine Chemiefirma, welche Teflon herstellte, durfte PFOA ganz offiziell verwenden. Wie schädlich die Säure für den Menschen ist, konnte noch nicht endgültig geklärt werden. Fest steht, dass PFOA die Fortpflanzung und den Fettstoffwechsel schädigt. Zudem gilt es möglicherweise als krebserregend. Ab welcher Menge es für den Menschen gefährlich wird, ist nicht erforscht. 

Die Staatsanwaltschaft Traunstein hatte Ende Mai mehrere Verfahren, die in Zusammenhang mit der womöglichen krebserregenden Chemikalie Perfluoroctansäure (kurz: PFOA) stehen, eingestellt.

Ermittlungen eingestellt und werden nicht wieder aufgenommen

Mehrere Privatpersonen, die Strafanzeige wegen Verdachts auf Gesundheitsgefährdung gegen Unbekannt erhoben hatten, bekamen demnach ein Schreiben der Staatsanwaltschaft, in dem ihnen mitgeteilt wurde, dass laufende Ermittlungen wegen der Chemie-Belastung eingestellt wurden. Obwohl der Wert bei vielen Anwohnern der Region deutlich den Normalwert überschritt, sah das Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit keine gesundheitliche Gefährdung, was schließlich die Grundlage für die Einstellung der Verfahren war. 

In der Folge kam es zu zahlreichen Beschwerden mehrerer Betroffener. Doch die Staatsanwaltschaft wird ihre Ermittlungen wegen möglicher Gesundheitsgefährdung nicht wieder aufnehmen, berichtet br.de am 25. Juli. 

Eine Begründung, warum sie nicht erneut ermitteln will, teilt die Behörde auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks nicht mit. Für den SPD-Landtagsabgeordneten Florian von Brunn ist die Entscheidung unverständlich. Es gehe um eine erhebliche Gesundheitsgefahr, schreibt er auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks. Die Generalstaatsanwaltschaft in München hat in diesem Fall das letzte Wort und könnte doch noch weitere Ermittlungen anordnen. 

Was ist PFOA?

PFOA (Perfluoroctansäure) ist eine fluorierte synthetische Säure mit zahlreichen industriellen Anwendungen. PFOA gehört zu der Stoffgruppe der perfluorierten Carbonsäuren innerhalb der perfluorierten Tenside. Wegen der Verunreinigung im Trinkwasser waren Ende 2016 die PFOA-belasteten Brunnen von Kastl sowie die von Alt- und Neuötting mit Winhöring im Öttinger Forst vom Netz genommen worden. Da die möglicherweise Krebs erregende Chemikalie beim Stillen sehr leicht auf Babys übergehen kann, können stillende Mütter inzwischen kostenlos ihre Muttermilch untersuchen lassen.

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