Knoblauch: "Äußerungen haben mich enttäuscht!"

Schließung von Mittelschulen im Landkreis?

Landkreis - Droht Mittelschulen im Landkreis Altötting die Schließung? Schulamtsdirektor Kronthaler verneint dies. MdL Knoblauch wundert sich über die Aussage und verfasste einen offenen Brief:

Vielen Mittelschulen in Bayern droht die Schließung, denn die Schüler bleiben aus. Das Problem ist seit langem bekannt. Wie der Alt-Neuöttinger Anzeiger am 23. Mai 2014 berichtete, sind bayernweit "mindestens 163 Standorte" von der Schließung bedroht. Im Landkreis Altötting seien dies Kirchweidach, Reischach und Winhöring.

Schulamtsdirektor Harald Kronthaler will die Schulen erhalten und ist überzeugt, dass das gelingen wird - schließlich seien dafür Ende der 2000er Jahre eigens zu diesem Zweck Schulverbünde gegründet worden.

Auch Landtagsabgeordneter (MdL) Günther Knoblauch macht sich für den Erhalt der Schulen stark. Allerdings ist er sehr viel skeptischer, schließlich haben 20 betroffene Schulen praktisch keine Schüler mehr und bei 57 Mittelschulen können nicht mehr alle Jahrgansstufen angeboten werden. Jetzt reagierte Knoblauch in einem Schreiben auf die Äußerungen von Kronthaler.

Das Schreiben im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Schulamtsdirektor,

Ihre Äußerungen im Artikel des Alt-Neuöttinger Anzeigers über die Mittelschulen vom 23. Mai 2014 haben mich doch sehr enttäuscht.

Nach der Regierungserklärung von Ministerpräsident Horst Seehofer gibt es nur für die bereits jetzt rechtlich selbstständigen Grundschulen eine Bestandsgarantie – nicht jedoch für Mittelschulen oder Verbundschulen. Deshalb überrascht es mich sehr, wenn Sie davon sprechen, dass es für alle Schulen eine Bestandsgarantie gäbe.

 Als langjähriger Bürgermeister bin ich es gewohnt, den Bürgerinnen und Bürgern die wahre Sachlage darzulegen. Den Kopf in den Sand zu stecken wie der Vogel Strauß und die Bürger nicht über die Realität zu informieren, ist nicht die Aufgabe der örtlich in Verantwortung stehenden Personen.

Wenn Sie seit einem Jahr diese Zahlen auch wussten, ist die Frage: Was ist geschehen in dieser Zeit? Was haben Sie gemacht, um die von Schließung bedrohten, immer kleiner werdenden Standorte attraktiv zu halten? Unter dem Deckmantel der demografischen Rendite wurden 773 Lehrerstellen im Haushalt 2013 gestrichen. Ohne den Einsatz des BLLV und der Oppositionsfraktionen im Bayerischen Landtag wären auch im Haushaltsjahr 2014 weitere 829 Stellen gestrichen worden. Für mich ist es unverständlich, wenn bei zurückgehenden Schülerzahlen die dadurch mögliche Streichung von Lehrerstellen als Rendite bezeichnet wird.

Umgekehrt müsste es sein: Wenn ich erlaube, dass die Schülerzahlen in den Klassen reduziert werden und eventuell die Klassen zusammengelegt werden, bräuchte ich die Lehrerstellen nicht zu reduzieren, sondern würde sie benötigen. Dies wäre eine Schulrendite, die dem flachen Land wieder zugutekäme.

Die Schulen könnten wir erhalten, wenn wir mit dem ehrlichen Sachverhalt gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern nach Lösungen suchen würden. Falsch ist aus meiner Sicht, den Eltern vorzumachen, dass Schulverbünde die Lösung des Problems seien.

Die Kommunen haben viel Geld investiert, um die Schulen zu bauen, auszurichten und auszustatten. Jetzt ist der Staat verpflichtet, einen Weg zu finden, damit der ländliche Raum seine Lebensqualität erhält. Ein Blick auf Baden-Württemberg zeigt, dass dort bereits erfolgreich Lösungen gefunden wurden.

 Das Schulamt sollte hier aktiv mitwirken. Gerne bin ich bereit, mich mit Ihnen zusammenzusetzen und gemeinsam mit den Bürgermeistern Lösungen nicht nur zu suchen, sondern auch zu finden.

Mit freundlichen Grüßen

Günther Knoblauch, MdL

Rubriklistenbild: © dpa

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