Landtagswahl 2018 in Bayern: Stimmkreis Altötting

24 Fragen an Johann Krichenbauer (Freie Wähler)

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Johann Krichenbauer, Direktkandidat der Freien Wähler im Stimmkreis Altötting hat sich den Fragen von innsalzach24.de gestellt.

Rosenheim/Bayern - In Bayern wird am Sonntag, 14. Oktober, ein neuer Landtag gewählt. Im Stimmkreis Altötting bewerben sich elf Direktkandidaten für einen Sitz im bayerischen Landesparlament. Wir stellen die Kandidaten einzeln vor. Dieses Mal: Johann Krichenbauer (Freie Wähler).

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Die Antworten auf den Fragebogen von rosenheim24.de

1. Name 

Johann Krichenbauer

2. Partei 

Freie Wähler

3. Alter

56 Jahre

4. Wohnort 

Burgkirchen an der Alz

5. Familienstand

Verheiratet

6. Kinder 

Drei Kinder

7. Wie verlief Ihre politische Karriere?

Doch etwas außergewöhnlich. In meinen „jungen“ Jahren war ich aufgrund meiner beruflichen Tätigkeiten zuerst als Zeitsoldat dann als Beamter im öffentlichen Dienst in leitenden Positionen immer parteipolitisch neutral. 

Natürlich hatte ich sehr starke Berührungspunkte mit der Politik aufgrund meiner beruflichen Tätigkeiten. Deshalb war es mir wichtig, unabhängig, bodenständig, wertschätzend aber auch modern politisch aktiv zu sein. Als sich im Jahr 2012 die Möglichkeit bot als Bürgermeister in der Gemeinde Burgkirchen an der Alz zu kandidieren, habe ich diese Herausforderung angenommen. 

Besonders hervorzuheben ist, dass ich bis dahin nicht in Burgkirchen wohnte, sondern als Ortsfremder das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger gewinnen konnte und zum Ersten Bürgermeister gewählt wurde.

8. Wer sind Ihre politischen Vorbilder?

Da gibt es doch sehr viele. Es gehören dazu Richard von Weizäcker, aber auch der Altkanzler Helmut Schmidt und auch Franz-Josef-Strauß und noch viele andere Personen.

9. Was verbindet Sie mit der Region? Was ist das Besondere bei uns?

Es sind die Menschen in der Region. Durch meine beruflichen Tätigkeiten bin ich in Bayern und Deutschland doch sehr viel herumgekommen. 1985 kam ich in die Region. In den Jahren 2003 bis 2012 war ich in Reit im Winkl, in Grassau und zuletzt in Rosenheim wohnhaft. 

Es hat meine Familie und mich immer wieder in unsere Region zurückgezogen. Dies liegt an der bunten Mischung unserer Bevölkerung bedingt durch das Bayerische Chemiedreieck. Die Menschen sind weltoffen, neugierig, gehen aufeinander zu, sind kommunikativ und tolerant. Was will man mehr.

10. Warum sind genau Sie der Richtige?

Weil ich in meinen beruflichen Tätigkeiten und gerade als Bürgermeister gelernt habe, mich der Sorgen und Anliegen der Menschen anzunehmen. Unsere Bürgerinnen und Bürger wollen ernst genommen werden. 

Sie wollen, dass man Ihnen zuhört und das Lösungen gefunden werden. Als Bürgermeister muss ich jeden Tag nach Lösungen suchen und kann meine Bewohner nicht mit Phrasen abspeisen. Meine Ausbildung als Dipl.-Verwaltungswirt (FH) hilft mir bei dieser Tätigkeit sehr, da ich öffentliches Recht und Kommunalverwaltung von der Pike auf gelernt habe. Ich bin ein engagierter Kümmerer für die Menschen.

11. Was sind Ihre drei wichtigsten politischen Ziele?

Eines meiner wichtigsten Ziele ist die Verwirklichung des Verfassungsgrundsatzes der gleichwertigen Lebensbedingungen in ganz Bayern. Gerade bei uns auf dem Land spielt dies eine wesentliche Rolle. Dies betrifft die Infrastruktur, hier sei der Breitbandausbau, die Bahn- und Verkehrserschließung aber auch die regionale Energieversorgung als wesentliche Teil genannt. 

Ein weiteres Ziel ist die soziale Sicherung gerade im Rentenalter. Wir müssen ein Niveau, wie auch in unserem Nachbarland Österreich, erreichen welches es ermöglicht, dass der Lebensstandard im Ruhestand erhalten werden kann. 

Ein weiteres Ziel ist die Bildungspolitik an unseren Schulen. Derzeit besteht ein sehr undurchsichtiges kompliziertes und bürokratisches Schulsystem, welches nicht mehr den Anforderungen einer modernen Gesellschaft entspricht. Hier muss etwas getan werden.

12. Was wollen Sie für die Menschen in der Region erreichen?

Für die Menschen in der Region kommt es darauf an, dass die individuelle Lebenssituationen verbessert beziehungsweise erhalten werden können. Dazu gehört insbesondere die Absicherung im Alter, der Erhalt und der Ausbau unserer Krankenhaus- und Ärztestruktur, der Erhalt der Schulen, insbesondere auch der kleinen Schulen und der Staat muss sich seiner gesetzlichen Aufgabe der Finanzierung der Außenstellen den Hochschule Rosenheim stellen. 

Es kann nicht sein, dass die Kommunen die Sachkosten, einschließlich der Gebäudeinvestitionen tragen müssen, obwohl in der Bayerischen Verfassung und im Bayerischen Hochschulgesetz klar formuliert ist, dass dies eine Staatsaufgabe ist. Das Geld fehlt den Kommunen und Landkreisen und damit unseren Bürgerinnen und Bürgern vor Ort.

13. Thema Gesundheit: Welche Maßnahmen müssen in der PFOA-Problematik ergriffen werden, reicht das Maßnahmenpaket der Staatsregierung aus?

Die PFOA-Problematik ist ein sehr komplexes Thema, über welches wir wahrscheinlich tagelang diskutieren könnten. Das Maßnahmenpaket der Staatsregierung reicht nicht aus. Insbesondere haben die staatlichen Behörden zu lange gewartet bevor etwas unternommen wurde. Die Thematik ist bei uns in Burgkirchen seit zwölf Jahren bekannt. 

Seit zwölf Jahren sind wir bemüht eine Lösung und staatliche Unterstützung zu bekommen. Bis heute ist jedoch nicht viel geschehen. Ganz im Gegenteil, jetzt wird der „Schwarze Peter“ auf die anliegenden Gemeinden abgeschoben, weil sich der Staat vor seiner Verantwortung drückt.

14. Thema Landwirtschaft: Wie schaffen Sie den Spagat zwischen dem Umweltschutz, Tourismus und der Förderung der landwirtschaftlichen Betriebe?

Ich glaube, dass hier gar kein großer Spagat vorliegt, sondern dass alles miteinander verbunden ist und sich sogar gegenseitig unterstützt. Defizite haben wir noch in der Vermarktung unserer Errungenschaften. Hier besteht ein deutlicher Nachholbedarf.

15. Thema Infrastruktur: Wie wollen Sie den Breitbandausbau in der Region weiter vorantreiben, welche Schritte sind am dringendsten?

Die Privatisierung damals der deutschen Bundespost war ein großer Fehler. Heute werden die Telekommunikationsnetze von Privaten betrieben die natürlich Gewinne machen wollen. Der ländliche Raum ist für diese Netzanbieter jedoch nicht interessant. Deshalb müssen die staatlichen Fördermaßnahmen, die ja dankenswerter Weise in den vergangen Jahren schon stattgefunden haben, weitergeführt werden. Die jetzigen Förderprogramme dürfen nicht auslaufen, sondern müssen weiterhin mit Finanzmitteln ausgestattet werden. Hierbei würde ich mir jedoch wesentlich weniger Bürokratie wünschen.

16. Thema Ökologie: Auf welche Weise kann dem Flächenfraß in Bayern entgegenwirkt werden?

Das Thema Flächenfraß muss uns alle Beschäftigen. Hier muss jedoch auch ein gesellschaftliches Umdenken stattfinden. Grund und Boden sind einfach nicht vermehrbar. Wir müssen sorgsam mit diesen Ressourcen umgehen. Dies muss jedoch in die Köpfe jeden einzelnen Bürgers verankert werden. 

Nur dann haben wir eine Chance, dass sich das Verhalten in der Zukunft ändert. Gleichzeitig sollten die Kommunen im Rahmen ihrer Planungen auf einen sorgsamen Umgang mit Grund und Boden achten. Insgesamt ist es jedoch ein gesellschaftliches Problem. Wir benötigen immer mehr Quadratmeter-Wohnfläche pro Person. Wir brauchen immer größere Einkaufszentren. Noch vor wenigen Jahren war ein großer Diskounter 800 m² groß. Heute geht unter 1.200 Quadratmeter Verkaufsfläche gar nichts mehr, und und und.

17. Thema Wohnen: Wie kann wieder bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden?

Hier denke ich, ist ein ganzes Maßnahmenbündel erforderlich. Der Staat muss wieder verstärkt in den sozialen Wohnungsbau investieren. Das Spekulantentum muss beschränkt werden, dazu gehört auch, dass Grundstückspekulationen verhindert werden. Baugrund muss bezahlbar bleiben. Die Regelungen der Mietpreisbremse müssen deutlich verschärft werden. 

Die privaten Eigenheimbauherrn und der Mietwohnungsbau müssen deutlich finanziell gefördert werden. Das mittlerweile beschlossene Baukindergeld ist nicht ausreichend. Hier müssen deutlich stärkere Anreize gesetzt werden. Die Bauvorschriften, insbesondere die Vorschriften die das Bauen verteuern, müssen deutlich entschärft werden. Der Bau von Werks- und Betriebswohnungen muss für Unternehmen attraktiv sein.

18. Thema Soziales: Die bayerischen Vereine stehen aufgrund der starken Regulierungen aktuell vor großen Hürden. Wie wollen Sie das Vereinsleben auch in Zukunft fördern?

Das Ehrenamt muss deutlich gestärkt werden. Dazu gehört auch, dass die Verantwortung beziehungsweise Haftung der Vereinsvorstände beschränkt wird, damit niemand Angst haben muss als Vereinsvorstand mit seinem Privatvermögen zu haften. Die Buchführungs- und Steuerpflichten der Vereine müssen vereinfacht werden, um den Verwaltungsaufwand zu reduzieren. 

Das beste Beispiel dafür, dass jedoch das Gegenteil passiert ist die Datenschutzgrundverordnung und der Wahnsinn, mit dem sich die Vereine konfrontiert sehen. Vereinsleben und die damit verbundenen Leistungen für unsere Gesellschaft müssen Anerkennung finden, insbesondere durch ein Förder- und Belohnungssystem. Uns muss klar sein, dass was die Vereine in Bayern täglich leisten wäre durch den Staat nicht bezahlbar.

19. Thema Migration: Wie stehen Sie zu der Asylpolitik von Markus Söder, wie kann zum Beispiel die Rückführung der abgelehnten Asylbewerber gelöst werden?

Die ganze Asylpolitik muss wieder versachlicht werden. Die polemische, ja teilweise hetzerische Asylpolitik des Ministerpräsidenten ist dazu nicht geeignet. Flüchtlingspolitik fängt schon in der Herkunftsländern an. Hier muss wesentlich mehr getan werden. Die Verfahren dauern viel zu lange. 

Ein Flüchtling beziehungsweise Asylbewerber muss doch innerhalb vier Wochen Klarheit darüber haben, ob er bleiben darf oder nicht. Abgelehnte Asylbewerber beziehungsweise Flüchtlinge, die keinen subsidiären Schutz genießen, müssen unser Land wieder verlassen. Jedoch mit entsprechendem Augenmaß und auf humanitäre Weise.

20. Thema Arbeit: Ist das bedingungslose Grundeinkommen der richtige Weg? Wie sähe die Alternative aus?

Ob das bedingungslose Grundeinkommen der richtige Weg ist, wissen wir noch nicht. Die ersten Versuche dazu laufen ja in Schweden. Ich bin auf das Ergebnis sehr gespannt.

21. Thema Bildung: Wie wollen Sie die Bildungslandschaft im Freistaat stärken?

Bei der Bildung möchte ich mich auf die allgemeine Schulausbildung beschränken. Hier muss die Anzahl der Lehrer deutlich aufgestockt werden, damit kleinere Klassen und damit mehr Betreuung möglich ist, und damit die Stundenausfälle wieder reduziert werden können. Die Schulen sind technisch und räumlich an die Erfordernisse einer modernen Gesellschaft anzupassen. 

Es kann doch nicht sein, dass jetzt im Jahr 2018 das Kultusministerium erst erkennt, dass an unseren Schulen neue Techniken eingeführt werden sollten. Deshalb wurden nun die Schulen aufgefordert, ein Medienkonzept zu erstellen. Das ist mindestens zehn Jahre zu spät. Die Möglichkeiten der individuellen Förderung sind zu verbessern und zu stärken. Ebenso sind die Möglichkeiten der Ganztagsbetreuung deutlich zu verbessern. Und und und.

22. Thema Familie: Wie stehen Sie zu dem bayerischen Familiengeld; an welchen Stellen muss nachgebessert werden?

Das Bayerische Familiengeld ist in der jetzigen Form nicht sinnvoll. Es fördert alle Eltern, egal über welches Einkommen diese Familien verfügen. Dies ist sozial ungerecht. Außerdem darf das Familiengeld nicht dazu führen, dass dieses Familiengeld als zusätzliches Einkommen finanzschwacher Familien missbraucht wird. Das Familiengeld sollte der Förderung der Kinder zu Gute kommen. Das Familiengeld in der jetzigen Form erfüllt alle diese Vorgaben nicht und ist ausschließlich ein Wahlgeschenk der CSU.

23. Thema Versorgung: Was halten Sie vom Landespflegegeld?

Das Landespflegegeld an sich ist eine gute Sache, jedoch nicht ausreichend. Auch in meiner Familie gibt es pflegebedürftige Angehörige. Das Pflegegeld stellt einen kleinen finanziellen Beitrag dar. Es geht vielmehr darum, die Pflege insgesamt deutlich zu stärken. Hier ist es wichtig, dass die Kosten für die Pflege insgesamt von der Pflegeversicherung getragen und nicht noch Kinder finanziell in Anspruch genommen werden. 

Auch müssen pflegende Angehörige besser gestellt werden, da gerade diese Angehörigen deutliche Nachteile bis hin zur eigenen Rente haben. Unser soziales Sicherungssystem muss insgesamt deutlich verbessert werden.

24. Brauchen wir einen Regierungswechsel im Landtag?

Weil die Ignoranz und Arroganz der absoluten CSU-Mehrheit einfach nicht mehr auszuhalten ist. Unser Ministerpräsident spricht immer davon, dass Bayern nun wieder regiert wird. Schon in diesem Ausspruch spiegelt sich die Arroganz wider. Ich will nicht regiert werden, ich will, dass sich unsere Landesvertreter wieder als Diener unserer Bürgerinnen und Bürger sehen. 

Ich will, dass die Politik die Sorgen und Anliegen unserer Mitmenschen ernst nimmt, dass wieder zugehört wird und das Lösungen gesucht werden. Ich will eine bürgerliche, bodenständige, respektvolle und wertschätzende, sozial gerechte sowie moderne Politik aus der Mitte unserer Gesellschaft vertreten. Der Rechtsruck der CSU, der Verlust der sozialen Aspekte bei der CSU und die Machtpolitik der CSU machen es für mich dringend nötig, einen Regierungswechsel herbei zu führen.

Anmerkung der Redaktion: Die Antworten des Kandidaten/der Kandidatin wurden 1:1 von der Redaktion übernommen, inhaltlich nicht überarbeitet und müssen deswegen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

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