Auf der Suche nach der Wahrheit

Fachkräftemangel in der Region: "Personalarbeit ist eine Herausforderung"

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Landkreise – Der „Fachkräftemangel“ in der Region und was wirklich dahinter steckt. innsalzach24.de hat nachgefragt.

Es gibt offenbar ein Problem auf dem heimischen Arbeitsmarkt, insbesondere im Handwerk. Landläufig wird es als Fachkräftemangel bezeichnet. Das ist aber ein Begriff, der so nicht ganz korrekt zu sein scheint, schaut man sich die jeweilige Situation im Detail an.

Auf der Suche nach der Wahrheit

Familienbetriebe, die viele Jahrzehnte, gar über Generationen hinweg erfolgreich waren, müssen schließen. Woran liegt das? „Wir finden keine Leute mehr“, heißt es dann sehr oft. Was richtig und plausibel erscheint, hat oft einen anderen Hintergrund. Sagen Sie jetzt nicht, Sie würden keinen Betrieb finden, der Ihr Auto repariert oder das neue Bad einbaut.

Muss ein Handwerksbetrieb „wegen Fachkräftemangels“ schließen, dann bedeutet das nicht automatisch, dass es keine mehr gibt. Sie werden dann eben von einem anderen Handwerksbetrieb bedient, müssen gegebenenfalls etwas danach suchen. Ob Sie mehr zahlen müssen, sei erst einmal dahingestellt auf der Suche nach der Wahrheit über den Fachkräftemangel.

Den „idealen“ Mitarbeiter gibt es nicht

Lesen Sie auch Teil 1 zum Thema: Wirklich "Fachkräftemangel"? Was in der Region wirklich dahinter steckt

Warum müssen solche Familienbetriebe schließen? Konzentriert auf das Thema Fachkräftemangel kann die Antwort nur lauten: Weil sie ihre Leute nicht halten können. „Unternehmenserfolg lässt sich nicht einzig an Bilanzen ablesen“, sagt Jutta Müller, Vorsitzende der Geschäftsführung, AA Traunstein. „Ein erfolgreiches Unternehmen entsteht durch eine erfolgreiche Mitarbeiterschaft an Bord, die qualifiziert ist, weiterbildungsbereit und loyal.“ Den „idealen“ Mitarbeiter gebe es nicht auf dem Arbeitsmarkt.

„Personalarbeit ist eine Herausforderung.“

Es gelte verschiedene Qualifikationen, Lebensentwürfe, spezielle Erfordernisse von Lebensphasen, Gesundheit, Arbeitszeitmodelle und zukünftig vermehrt multikulturelle Vielfalt zu berücksichtigen, so Müller. „Personalarbeit und Mitarbeitergewinnung sollen den Spagat schaffen zwischen Lauffähigkeit des Unternehmens und individueller Lebensplanung der Belegschaft, sei es bei der Ausbildung, Weiterbildung oder Ausgestaltung der Arbeitsbedingungen.“ Das bedeutet wohl beispielsweise den Betriebskindergarten, der bei sich veränderten Lebensumständen wichtig werden kann. Ein Betrieb, der ihn nicht anbieten kann, hat dieser Theorie nach das Nachsehen.

Es geht heute vor allem bei hochqualifizierten Bewerbern zunehmend um die Qualität des Arbeitsplatzes.Dazu zählen Ausstattung, Sicherheit, Bequemlichkeit. Lebensbegleitende Erleichterungen wie Hilfe bei der Wohnungssuche oder Betriebskindergärten sind hier gute Beispiele“, führt Jutta Müller, Vorsitzende der Geschäftsführung beim AA Traunstein weiter aus. Ein Punkt, der offenbar mehr und mehr auch „nur“ qualifizierten Bewerbern wichtig ist.

Apropos „Qualifizierung“

Ein gutes Angebot an Qualifizierungen macht einen Arbeitgeber womöglich attraktiver als reine finanzielle Anreize“, sagt Jutta Müller. Hier würden die zwei Seiten der Personalentwicklung zum Tragen kommen: „Das vorhandene Personal entwickeln und bei neu zu besetzenden Stellen auch echte Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen.“ Nur lukrative Aufträge abzuarbeiten ist also nicht mehr im Handwerk. Ein Betrieb muss seinen Leuten schon etwas bieten.

Lesen Sie am Freitag mehr dazu im dritten und letzten Teil zum Fachkräftemangel in der Region.

Rubriklistenbild: © picture-alliance / dpa/dpaweb (Symbolbild)

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