Selbst etwas tun

"Rettet die Bienen!": Wie jeder aktiv Artenschutz betreiben kann

+
"Rettet die Bienen!": Wie jeder aktiv Artenschutz betreiben kann
  • schließen

Landkreise – Vom 31. Januar bis 13. Februar läuft das Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ Wie jeder aktiv Artenschutz betreiben kann? Imker Christian Müller aus dem Landkreis Altötting weiß es.

Umweltgifte, nicht genug Nahrung, nicht genug Nistplätze – Die Insekten sind in Gefahr. Das zeigen die alarmierenden Zahlen: Rund dreiviertel der Insektenmasse haben wir in Bayern bereits verloren. Von 466 verbliebenen Wildbienenarten sind 50 Prozent vom Aussterben bedroht oder gefährdet. Schlimme Szenarien sollen drohen, wenn nichts geschieht.

Lesen Sie auch Teil Eins: "Rettet die Bienen!": So leicht können Sie zu Hause aktiv werden.

Das Volksbegehren “Rettet die Bienen!“ in Bayern will, dass im Freistaat etwas geschieht. Damit auf politischer Ebene etwas geschieht, sind 1.000.000 Unterschriften gefragt. Darüber hinaus gibt es aber auch ganz praktische Maßnahmen, die jeder einzelne umsetzen kann. Imker Christian Müller weiß wie es geht, aktiv Artenschutz zu betreiben.

Wichtiger Artenschutz, gesteigerter Ernteertrag, besonderes Naturerlebnis

Das Wildbienenhotel "Bee Wild" von Christian Müller. 

Bee Wild“ ist eine Art Hotel, besonders gestaltet für die sogenannte Rote Mauerbiene und ihre Schwester, die Gehörnte Mauerbiene. Auch andere Wildbienenarten wie z.B. die Blattschneiderbiene finden sich gerne als Gäste dort ein. "Wildbienenhotel ist nicht gleich Wildbienenhotel", erklärt Müller. "Wichtig sind weich gefräste Nistgänge, in denen sich Wildbienen nicht die Flügel reißen und auch die "Hotelhygiene" ist ein wichtiger Punkt, denn auch ein Wildbienenhotel gehört betreut und auf Parasitenbefall wie Milben, Beschädigungen, Feuchtigkeit und Schimmel kontrolliert."

"Bee Wild" wie auch weitere Insektenhotels von Christian Müller sind eingetragene Gebrauchsmuster. "Bei unseren Hotels ist eine Entnahme, Reinigung oder Austausch der Nistbrettchen möglich, dadurch ist es sehr langlebig und die Wildbienen fühlen sich jedes Jahr wohl und nehmen es gerne an." Die Kokons werden dann entnommen und wieder im Dachgeschoss platziert und im nächste Frühjahr erwacht das Wildbienenhotel wieder zu neuem Leben. Rat und Tat gibt es für Interessierte bei Christian Müller.

Jeder kann „Bee Wild“ bei sich zuhause installieren. Besonders interessant ist dieses Konzept für Menschen, die einen Garten haben. Warum? Weil Wildbienen einen entscheidenden Vorteil haben: Ihre Bestäubungsleistung ist rund 300 Mal höher als die einer Honigbiene. Ergo: Mehr Ertrag von beispielsweise Obstbäumen.

Im Frühjahr beginnt ein neues Wildbienenjahr.

Das sei aber nicht der hauptsächliche Grund, warum er „Bee Wild“ auf den Weg gebracht hat, so Müller. Ihm gehe es viel mehr darum, ein Bewusstsein zu schaffen für die Wichtigkeit von Artenvielfalt. Das mit „Bee Wild“ einhergehende Naturerlebnis kann jeder „Wildbienenhotelier“ selbst erfahren.

Angst davor, gestochen zu werden, braucht niemand zu haben. Die Wildbienen greifen den Menschen nicht an. Sie machen zwar keinen Honig aber sie sorgen neben dem gesteigerten Ernteertrag auch für den Erhalt verschiedenster Wildpflanzen.

„Bee Wild & Butterfly“

Bewusstsein schaffen bedeutet beispielsweise, dass die Menschen anfangen, über die Gestaltung des heimischen Gartens nachzudenken. „Bee Wild & Butterfly“ kombiniert die Idee vom Nistplatz für die solitär lebenden Wildbienen mit einem Schmetterlingskasten.

An schönen, sonnigen und warmen Tagen sieht man überall eine Vielzahl an Schmetterlingen fliegen. Doch was ist an nassen und kalten Tagen? An diesen Tagen suchen Schmetterlinge Unterschlupf, den sie in unserem Hotel finden. Auch eine Überwinterung von einer Schmetterlingsart wie beispielsweise das Pfauenauge, wäre im Schmetterlingsbereich problemlos möglich.“ (Beschreibung)

So sieht das Schmetterlinshotel von innen aus.

Zu „Bee Wild & Butterfly“ geben Christine und Christian Müller eine Blühmischung mit. „Als Anstoß für die Interessenten um sich auch mit einer artgerechten Gestaltung des eigenen Zuhauses zu beschäftigen.“ Dieses Wildbienen- und Schmetterlingshotel weist verschieden große Nistgänge auf, so dass auch kleinere Wildbienenarten dort einen geeigneten Nistplatz finden.

Eine runde Sache

„Bee Wild“ und „Bee Wild & Butterfly“ sowie das „Bee Triangle“ für verschiedene Wildbienen und Wespen- sowie kleinere Schmetterlingsarten werden in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung gefertigt. Arbeit, Beschäftigung, berufliche Bildung und Persönlichkeitsförderung stehen im Mittelpunkt. „Die Aufgabe der Werkstatt ist es, Menschen mit Behinderung durch vielfältige Förder- und Qualifizierungsmaßnahmen die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen.

Es sei sein erster Gedanke gewesen, seine „Hotels“ dort fertigen zu lassen, so Müller. „Nicht nur, dass es mir immer eine Freude ist, dorthin zu fahren und die lieben Menschen, die dort arbeiten, zu besuchen: Ich stieß auf ein großes Interesse am Schutz der Natur und den Insekten. Es hat unser Projekt im Gesamten abgerundet.

Lesen Sie am Samstag unter anderem, wie Wespenberater Mensch und Tier zusammenbringen, ohne dass es Probleme gibt.

Zurück zur Übersicht: Landkreis Altötting

Das könnte Sie auch interessieren

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser