Studie zur Wasserversorgung vorgestellt

PFOA-belastetes Trinkwasser im Kreis Altötting: Tendenz steigend 

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Walter Raith, Leiter des Wasserwirtschaftsamt Traunstein
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Burgkirchen – Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein hat am Mittwoch (29. Mai) bei einer Konferenz im Bürgerzentrum Burgkirchen den betroffenen kommunalen Vertretern die Ergebnisse einer von Umweltminister Marcel Huber (CSU) beauftragten Studie zur PFOA-Belastung vorgestellt. 

Es ist ein Thema, das alle Menschen in der Region betrifft. Die jahrzehntelange Emission von Perfluoroctansäure (PFOA) hat das Grundwasser und die Böden in der Region auf etwa 230 Quadratkilometer belastet. Einen ausführlichen Bericht zu den Ergebnissen der Bodenuntersuchung hat der C hemiepark Gendorf auf seiner Seite veröffentlicht.

Leitwert überschritten - Filter als Lösung

Besonders der Öttinger Forst als regional bedeutsames Trinkwasserschutzgebiet wurde dadurch beeinträchtigt. Der empfohlene Leitwert von 0,1 µg/l wurde an vielen Wassergewinnungsanlagen im Landkreis Altötting überschritten. So liegt beispielsweise der Wert bei den zwei Brunnen in Alzgern bei 0,45 µg/l bzw. 0,48 µg/l. Daher sind auch weitere Brunnen in der Region derzeit nicht im Betrieb.

Viele kommunale Vertreter sind der Einladung mit großem Interesse gefolgt

Alle stark belasteten Brunnen sollen bis 2020 mit mobilen Aktivkohlefilteranlagen ausgestattet werden, mit der das PFOA aus dem Wasser entfernt werden kann.Eine Anlage in Kastl ist seit Oktober 2018 bereits im Betrieb. Die entstehenden Kosten dafür sollen die Verursacher übernehmen, so der derzeitige Grundtenor. Dabei ist besonders die Firma Dyneon GmbH zu nennen, die im Werk Gendorf PFOA hergestellt hat.

Belastung steigt bis 2050 - Leitwert noch niedriger?

Soweit hört sich das alles gut und vernünftig an. Doch in einer Langzeitprognose bis 2065 rechne das Wasserwirtschaftsamt mit einer Steigerung der Belastung im Boden und Grundwasser, so Thomas Lantenhammer. Teilweise liegt der Wert der Schätzungen im Jahr 2050 bei über 1,0 µg/l. Zudem könne man für ein paar Wasserversorgungsstellen derzeit keine genaue Prognose abgeben.

Thomas Lantenhammer vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein stellte die Studie vor

Des Weiteren wurden der Leitwert in den letzten Jahren immer weiter abgesenkt, da PFOA inzwischen als SVHC-Stoff (besonders besorgniserregender Stoff) eingestuft wurde. Es gebe sogar Überlegungen den Leitwert noch weiter herunterzusetzen. All diese Faktoren erschweren die Situation natürlich. Die Kosten für die Filterung würden damit noch weiter steigen.

Keine Lösung in Sicht, nur Ansätze

Da die Wasserversorgung eine kommunale Aufgabe ist, soll diese Studie weitere Möglichkeiten aufzeigen, wie eine langfristige Versorgung sichergestellt werden könnte. Walter Raith, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Traunstein, betonte dies eingangs nochmal explizit: „Wir bieten Ihnen hier heute keine Lösungen an, sondern nur Anreize für weitere Überlegungen“.

Eine Alternative könnte es laut der Studie sein, Wasser von anderen Versorgern aus der näheren Umgebung zu beziehen. Dafür wurden alle Optionen auf die Machbarkeit geprüft und den Kommunen vorgestellt. Dabei wurden die Entnahmemengen, die Beschaffenheit des Wassers (Schadstoffe), Risiken, Betroffenheiten (z.B. Besitzverhältnisse, aktuelle Nutzung) und der Kostenaufwand analysiert. Die Studie soll Ende Juni veröffentlicht werden.

Kommunen vor großer Aufgabe

Kompromisse müssten für alle Alternativen eingegangen werden, erklärt Lantenhammer. Es sei nun Aufgabe der Kommunen anhand dieser Hilfestellungen geeignete Lösungen zu finden. Es wird sicherlich eine große Aufgabe für alle Beteiligten sein.

Erst kürzlich hat das Landratsamt Altötting vom häufigen Verzehr von Fischen aus der Alz bzw. anderen Lebensmitteln tierischen Ursprungs, die in der Nähe der Alz gewonnen wurden, vorsorglich abgeraten.

jz

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