Individuelle Ergebnisse bereits verschickt

PFOA-Blutproben sind ausgewertet: Das sind die Ergebnisse

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Landkreis - Die Auswertung der Human-Biomonitoring-Studie, in der Blutproben von insgesamt 965 Personen aus Altötting, Burgkirchen, Emmerting, Haiming, Kastl, Marktl, Neuötting, Stammham, Tüßling und Winhöring auf PFOA, den Ersatzstoff ADONA und sechs weitere perfluorierte Substanzen untersucht wurden, ist nun abgeschlossen. 

Update am Mittwoch um 13.30 Uhr

Der Abschlussbericht des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) liegt vor. "Auf Veranlassung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege und Wunsch des Landkreises Altötting haben das (LGL) und das Gesundheitsamt Altötting die aktuelle interne Belastungssituation der Bevölkerung (...) mit perfluorierten Substanzen – insbesondere PFOA und ADONA - in dem betroffenen Bereich untersucht", heißt es in der Einleitung

Der Median (Mittelwert) für das gesamte Monitoring:

"Die PFOA-Gehalte im Blut waren fast durchgehend höher als in der Vergleichsgruppe, lediglich bei sieben Personen wurde der HBM-I-Wert von 2 μg/l unterschritten. Der (Mittelwert) der 906 Personen, die (laut eigener Angaben beruflich nichts mit dem chemischen Hilfsstoff zu tun hatten), betrug 20 μg/l." Die Vergleichsgruppe besteht laut LGL aus "normal belasteten" Personen aus München.

Die Mediane (Mittelwerte) nach Gebieten:

  • Altötting 7,4 μg/l, 
  • Burgkirchen 22,2 μg/l, 
  • Emmerting 28,2 μg/l, 
  • Kastl/Tüßling 22,3 μg/l, 
  • Neuötting/Winhöring 17,1 μg/l 
  • sowie in der Inn-Salzach-Gruppe (Marktl/Haiming/Stammham/Alzgern) 11,9 μg/l.

Der sogenannte Vorsorgewert (HBM-I), also der Zielbereich liegt bei 2 Mikrogramm pro Liter Blut. Dieser Wert wurde von der Human-Biomonitoring-Kommission am Umweltbundesamt veröffentlicht.

Insgesamt hatten 965 Bürgerinnen und Bürger aus den Untersuchungsgebieten, Kastl und Tüßling (297 Teilnehmer), Burgkirchen (ohne Hirten) (124), Emmerting (230), Neuötting und Winhöring (108), Altötting (93) sowie Zweckverband Inn-Salzach (121) Blutproben abgegeben.

"Keine konkrete gesundheitliche Gefährdung"

"Obwohl im Untersuchungsgebiet des Landkreises Altötting eine zum Teil deutliche Überschreitung des Vorsorgewertes (HBM-I-Wert) für PFOA im Blut gemessen werden konnte, besteht auf Grund der derzeitigen Belastung keine konkrete gesundheitliche Gefährdung", heißt in der Bewertung des LGL. 

"Das Ergebnis der HBM-Untersuchung zeigt ferner, dass die bereits ergriffenen Sanierungsmaßnahmen wirksam sind und zu einer Absenkung des PFOA-Wertes im Blut geführt haben." Gleichwohl seien weitere Anstrengungen erforderlich, um in allen Versorgungsgebieten den Vorsorge - und Zielbereich von 2 μg/l zu erreichen. Dies wird nur durch die Versorgung mit gänzlich unbelastetem oder mit aufbereitetem Trinkwasser nachhaltig möglich sein und auf Grund der langen Halbwertzeit einige Jahre in Anspruch nehmen. 

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Wolfgang Kattner aus Emmerting war der Erste beim Biomonitoring. innsalzach24.de hat mit ihm am Mittwochmittag gesprochen. Er sehe keinen Grund zur persönlichen Panik, erwarte, dass ein persönliches Ergebnis wohl im Emmertinger Median liegen werde. Sein Gemüse aus dem eigenen Garten lasse er sich nach wie vor sehr gerne schmecken. Die Pflanzen würden beim ihm mit Regenwasser gegossen werden. Schon zu Beginn der PFOA-Studie, an der er freiwillig teilgenommen hatte nebst rund 1.000 weiteren Probanden, hatte Kattner gesagt, er wolle einfach nur wissen, woran er ist. Das konkrete Ergebnis, also den entsprechenden Brief, habe er noch nicht bekommen

rw

Vorbericht

Die individuellen Ergebnisse wurden allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern bereits am Dienstag durch das Gesundheitsamt Altötting zugeschickt. Im Laufe des Mittwochs soll der Bericht zur Studie auf der Homepage des LGL (www.lgl.bayern.de) veröffentlicht werden. 

Zudem findet am Freitag, 13. Juli, ab 13.30 Uhr eine Informationsveranstaltung für die Mitglieder des Kreistags und die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes Altötting statt, bei der Herr Prof. Dr. Hermann Fromme vom LGL die Einzelheiten der Studie präsentieren und zu offenen Fragen Rede und Antwort stehen wird. 

Darüber hinaus finden am Montag, 16. Juli, im Bürgerzentrum Burgkirchen sowie am Dienstag, 17. Juli 2018 im Gasthaus Spirkl in Kastl, jeweils um 19.30 Uhr, Bürgerinformationsveranstaltungen zu den Ergebnissen der Studie statt.

Zunächst war man bei den Behörden davon ausgegangen, dass die Untersuchung der Proben möglicherweise bis zum Herbst dauern würdePFOA (Perfluoroctansäure) ist eine fluorierte synthetische Säure mit zahlreichen industriellen Anwendungen. PFOA gehört zu der Stoffgruppe der perfluorierten Carbonsäuren innerhalb der perfluorierten Tenside. Wegen der Verunreinigung im Trinkwasser waren Ende 2016 die PFOA-belasteten Brunnen von Kastl sowie die von Alt- und Neuötting mit Winhöring im Öttinger Forst vom Netz genommen worden.

Landratsamt Altötting/mw

Rubriklistenbild: © Raphael Weiß

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