Gefahr vor allem in Seniorenheimen?

Coronavirus: Gesundheitsamt Altötting empfiehlt jetzt sogar Briefwahl

Das Coronavirus beschäftigt auch die Bürgermeister in der Region.

Landkreis Altötting – Landrat Erwin Schneider hat alle Bürgermeister des Landkreises Altötting zu einer außerordentlichen Bürgermeisterdienstbesprechung eingeladen, um über den Umgang mit dem Coronavirus in den Gemeinden zu informieren. Besonders die anstehenden Kommunalwahlen könnten für Schwierigkeiten sorgen.

„Fakt ist, dass wir derzeit einige Verdachtsfälle unterschiedlicher Güte, aber noch keinen bestätigten Fall eines infizierten Bürger im Landkreis Altötting haben“, berichtet Schneider. Dies sei allerdings nur eine Frage der Zeit. Sollte jemand positiv getestet werden, wird das Landratsamt dies sofort bekannt geben. Mit einer Abschottung einzelner Kommunen wie es derzeit in Norditalien der Fall ist, rechne das Landratsamt Altötting derzeit nicht.


Grund für die Versammlung waren die vielen Anfragen der Bürgermeister bezüglich des Coronavirus an das Landratsamt Altötting. Laut Schneider sei dies eine „komische Bürgermeisterdienstbesprechung“. Doch aus aktuellem Anlass informiert das Gesundheitsamt über gewisse Fallszenarien.

Gesundheitsamt empfiehlt Briefwahl

Dr. Franz Schuhbeck, Leiter des Gesundheitsamtes Altötting, stand den Bürgermeistern in Sachen Coronavirus Rede und Antwort.

Eine besondere Situation sei für Dr. Franz Schuhbeck, Leiter des Gesundheitsamtes Altötting, die anstehenden Kommunalwahlen. Zwar sei der Kontakt zwischen Wähler und Wahlhelfer relativ kurz. Dennoch empfiehlt es sich, bei der Wahl einen eigenen Stift zu verwenden. „Am besten wäre es, die Briefwahl in Anspruch zu nehmen“, so Schuhbeck.


Die Kommunen sollten zudem genügend Desinfektionsmittel zur Verfügung stellen. Aushänge mit Verhaltensmaßregeln zum Schutz vor Infektionskrankheiten sollten vor allen Wahllokalen ausgehängt werden. Besonders in Schulen, Kindergärten oder Seniorenheimen empfiehlt das Gesundheitsamt die Tische und Stühle gründlich zu reinigen. Wie lange das Virus auf Oberflächen überleben kann, ist laut Schuhbeck derzeit noch nicht bekannt.

In Bezug auf Wahllokale in Seniorenheimen wäre es laut Gesundheitsamt sinnvoll, über eine strikte Trennung in Form von beispielsweise Zelten nachzudenken. Aufgrund der hohen Sterblichkeitsrate bei infizierten Personen hohen Alters müsse man in Seniorenheimen besonders aufpassen. „Das wäre eine Katastrophe“, so Schneider.

Desinfektionsmittel Mangelware

Johann Krichenbauer, Bürgermeister von Burgkirchen, entgegnete diesem Punkt: „Wir haben ja bewusst die Wahllokale ins Altenheim gelegt, damit die Bewohner wählen gehen können. Auch Desinfektionsmittel können wir nicht mehr besorgen, weil sie überall ausverkauft sind“. Neue Wahllokale seien auch aufgrund der verschickten Benachrichtigungen keine Option mehr. Bei der Besorgung von Desinfektionsmittel prüfe das Landratsamt derzeit eine Option, um die Gemeinden zu versorgen.

„Warum all diese Maßnahmen?“, frage Stephanie Gräfin Bruges-von Pfuel, Bürgermeisterin von Tüßling. Bei einer normalen Influenza würde kaum jemand etwas unternehmen. Das Problem sei laut Schuhbeck, dass es unterschiedliche Grippeviren gibt und man diese nicht so pauschal vergleichen kann. Zusätzlich könnten viele Fragen zum Coronavirus noch nicht beantwortet werden.

Auch die Schließung von Schulen und Kindergärten sei für das Landratsamt grundsätzlich denkbar. Schüler dürften aktuell zu Hause bleiben, wenn sie beispielsweise innerhalb der letzten 14 Tage in einem Risikogebiet waren. Auch der Ausschluss einzelner Klassen sei eine Option.

Jazzwoche in Burghausen soll stattfinden

„Großveranstaltungen können dazu beitragen, das Virus zu verbreiten“, erklärt Schuhbeck. Eine Rückverfolgung mit Kontaktpersonen sei in diesen Fällen sehr schwer nachzuvollziehen. Die Entscheidung über eine mögliche Absage obliege den Behörden und den Veranstaltern. Dennoch müsste man sich permanent an die Situation anpassen.

Bisher gebe es im Landkreis Altötting aber noch keine Absage von Großveranstaltungen. Die 51. Internationale Jazzwoche in Burghausen soll nach aktuellem Stand wie geplant vom 17. März bis zum 22. März stattfinden. Das bestätigte Werner Lechner, Leiter der Geschäftsstelle des Bürgermeisters Burghausen, in der außerordentlichen Bürgermeisterdienstbesprechung. Allerdings werden keine Künstler aus Risikogebieten auftreten. Zusätzlich gibt es auch keine Autogrammstunden. Auch die Bildungsmesse Ende April stehe laut Schneider noch nicht zur Debatte.

jz

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